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Nahost

Die Interessen hinter der Hisbollah

Wer hat welche Interessen an der Eskalation der Gewalt in Nahost nach einer Phase der relativen Ruhe? Peter Philipp analysiert.

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Schutzherr der Hisbollah: Syriens Präsident Assad

Die schiitische Hisbollah wurde 1982 auf Betreiben des Iran und Syriens gegründet, um der damals gerade eben begonnenen israelischen Besatzung des Südlibanon zu begegnen. Mitglieder und Anhänger rekrutierte die neue Organisation aus dem Kreis der Amal – der traditionellen, aber auch abgewirtschafteten schiitischen Bewegung im Libanon, die bis dahin die Schiiten des Südlibanon und der östlichen Beqa’a-Tiefebene vertreten hatte.

Der iranische Traum

Es ist bezeichnend, dass Hisbollah bei einer Besprechung in der iranischen Botschaft in Beirut gegründet wurde. Der Iran hatte immer schon versucht, im Libanon an Einfluss zu gewinnen und hatte sogar davon geträumt, mit Hilfe der libanesischen Schiiten dort eine zweite Islamische Republik ausrufen zu können. Daraus wurde nichts, aber 1982 bot sich doch immerhin eine Gelegenheit, mit Hilfe einer schiitischen Miliz dem verhassten Feind Israel Schaden zuzufügen. Der Iran und Syrien - seit den Tagen des Iran-Irak-Krieges Verbündete – begannen, Hisbollah systematisch aufzubauen.

Die "Partei Gottes" erhielt Waffen, Ausbildung und Geld aus dem Iran und Syrien beteiligte sich. Hisbollah wurde für beide Länder zum willkommenen Instrument, Dinge zu tun, zu denen man selbst aus Gründen der Staatsräson oder der eigenen Sicherheit nicht bereit war. Angriffe syrischer Truppen auf israelisches Militär oder gar das Auftreten iranischer Truppen im Libanon wären nicht nur von Israel als kriegerischer Akt empfunden worden und hätten auf jeden Fall harte militärische Folgen ausgelöst. Wenn hingegen Hisbollah solche Angriffe durchführte, dann fiel das immer in die Kategorie eines legitimen und letztlich unkontrollierbaren Widerstandskampfes bewaffneter Milizen.

Ziel: Zerstörung Israels

Daran änderte sich nichts, als Hisbollah begann, auch als politische Partei anzutreten. Als solche sitzt sie heute im libanesischen Parlament und in der Regierungskoalition. Auch der israelische Rückzug aus dem Libanon vor sechs Jahren hat daran nichts geändert: Hisbollah versteht sich – letztlich auf Betreiben Teherans – als Verbündeter islamistischer Gruppen unter den Palästinensern und sie hat auch bereits Hamas-Kämpfer ausgebildet, mit denen sie ein Ziel vereint: die Befreiung Jerusalems – sprich: die Zerstörung Israels.

Dieses Ziel ist identisch mit dem der Patrone der Hisbollah: Syrien und Iran. In der syrischen Hauptstadt residiert Khaled Mashal, der Exilführer von Hamas, der tunlichst darauf bedacht ist, eine Kursänderung der gewählten Hamas-Regierung zu einer konzilianteren Politik zu verhindern. Und wenn Syrien auch vor einem Jahr den Libanon verlassen musste, so verfügt es dort doch weiterhin über einen starken Verbündeten: Hisbollah.

Gelegenheit zur Einmischung

Iran Atomstreit Mahmoud Ahmadinejad Porträt Hintergrund Ajatollah Chamenei

Im Hintergrund: Mahmoud Ahmadinejad

Der Iran nutzt diese Gelegenheit dankbar: Hamas, mehr aber Hisbollah geben Teheran eine Möglichkeit, sich direkt in den israelisch-palästinensischen Konflikt einzumischen, ohne sich dabei selbst die Finger zu verbrennen. Und es ist sicher kein Zufall, dass das syrisch-iranische Engagement gerade zu dem Zeitpunkt größer wurde, als sich – vor der Entführung des Soldaten Gilad Shalit – eine Annäherung der Positionen zwischen Fatah und Hamas abzeichnete.

Die Verschleppung der Soldaten in den Gazastreifen und an der libanesischen Grenze sind probate Mittel, eine Beruhigung in der Region zu verhindern. Damaskus und Teheran wollen Israel nicht – von Präsident Ahmedinejad ist das ja fast täglich zu hören. Nichts würde sie mehr stören als eine langsame Beruhigung und Normalisierung. Gewaltsame Auseinandersetzungen hingegen halten den Konflikt am Kochen. Sie fordern neue Opfer, verhärten die Fronten und stärken die Unnachgiebigen auf beiden Seiten.

Syrien und Iran haben Hisbollah benützt, um Israel eine Falle zu stellen - und Israel ist ohne großes Nachdenken in diese Falle hineingetappt. Wer gewaltsame Lösungen fordert, dem kann nicht an Ruhe gelegen sein.



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