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Kultur

Die elektronische Weinprobe

Weintester bekommen Konkurrenz: Aachener Forscher haben eine "elektronische Zunge" entwickelt, um Weinfälschern das Handwerk zu legen.

Weinprobe auf Schloss Johannisberg im Rheingau, Quelle: dpa

Weinprobe auf Schloss Johannisberg im Rheingau

Eine Weinprobe ist immer wieder ein sinnlicher Moment im Leben eines wahren Weinkenners. Sein geschulter Gaumen erkennt die Qualität eines Weins, das Alter und die Herkunft. Doch das soll jetzt auch eine Maschine vollbringen können. Die elektronische Zunge hat äußerlich keine Ähnlichkeit mit einer menschlichen. Sie besteht aus sechs kleinen Sensoren, die auf kleinen, sechs Mal sechs Zentimeter großen Platinen angebracht sind. Entwickelt wurde das neue Testgerät von einem Forscherteam der Fachhochschule Aachen um Professor Michael Schöning in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern im In- und Ausland.

Mathematische Präzision

"Dieses Gerät ist zur Qualitätskontrolle da", erklärt Schöning. "Wenn Sie heutzutage Weine kaufen, insbesondere wenn Sie teure Weine kaufen, dann ist immer die Gefahr da, dass Sie irgendwo eine Fälschung oder eine Kopie erwerben." Selbst für den Fachmann sei es manchmal gar nicht so einfach, zwischen einem billigen Plagiat und dem Originalwein zu unterscheiden.

Mithilfe eines speziellen Programms soll das jetzt ganz einfach möglich sein. Das Programm kann die Inhaltsstoffe des Weins analysieren, erklärt die Ingenieurin Monika Turek. "Durch die mathematische Bearbeitung der ganzen Analyse können wir auf verschiedene Parameter schließen, zum Beispiel der Rebsorte."

Original oder Fälschung? Ein menschlicher Tester kann das nicht immer herausfinden, Quelle:

Original oder Fälschung? Ein menschlicher Tester kann das nicht immer herausfinden

Das hört sich sehr wissenschaftlich an. Dabei ist das Verfahren im Grunde ganz einfach: Eine winzige Menge Wein wird auf die Sensoren des Testgerätes geträufelt und die Sensoren analysieren dann Substanzen, die für bestimmte Weine typisch sind. So misst die elektronische Zunge unter anderem das Verhältnis von Säure, Zucker und Alkohol – und ist dabei jedem menschlichen Experten überlegen. Denn die Geschmacksnerven können auch dem Fachmann einen Streich spielen. Das Testgerät misst dagegen die unterschiedlichen Substanzen im Wein mit mathematischer Präzision.

Vor Ort nutzbar

Voraussetzung dafür ist allerdings ein ganzes Arsenal von Weinsorten: Denn das Testgerät kann nur Weine wiedererkennen, auf deren charakteristische Inhaltsstoffe es eingestellt worden ist. Haben die Forscher einmal genug Weinsorten in ihr System eingegeben, könnten mit der elektronischen Zunge schließlich sämtliche Weine der Welt auf ihre Echtheit überprüft werden.

Ganz neu ist diese Technik nicht. Auf dem Gebiet der Biosensoren hat es bereits ähnliche Entwicklungen gegeben. "Auf dem Gebiet wird schon seit vielen Jahren geforscht. Was bei uns jetzt neu ist: Wir haben einen Sensorchip mit ganz speziellen Oberflächenbeschichtungen entwickelt und das Ganze noch miniaturisiert, damit man das als handliches Gerät direkt vor Ort nutzen kann."

Subjektive Qualität

Durch das Gerät müssen Proben nicht mehr aufwendig im Labor untersucht werden. Mit dem kleinen, tragbaren Testgerät können zum Beispiel Qualitätsweine auf Weinauktionen gleich vor Ort auf ihre Echtheit getestet werden. Und die Forscher arbeiten weiter an der Verbesserung ihres Gerätes. "Man wird künftig verschiedene Weinjahrgänge unterscheiden und auch herausfinden können, ob der Wein natürlich ist, oder ob da chemisch eingegriffen wurde", erklärt Monika Turek.

Weinkeller

Weinkeller in einer österreichischen Winzerei

So könnte die elektronische Zunge Qualitätskontrollen sehr viel einfacher machen. Weintester und andere Experten werden durch sie jedoch nicht überflüssig. Die elektronische Zunge wird es lediglich erleichtern, raffinierten Fälschern das Handwerk zu legen. Ein Urteil über die wahre geschmackliche Qualität eines Weins kann und soll das Testgerät nicht abgeben. "Im nächsten Schritt mit einem solchen Gerät zu beschreiben, wie qualitativ hochwertig oder wie gut oder wie schlecht ist ein Wein, ist sehr schwierig", sagt Michael Schöning. "Jeder, der Wein getrunken hat, weiß, dass das ein sehr subjektives Empfinden ist - und dieses Empfinden mit so einem Gerät als objektive Messgröße darzustellen, wird wohl immer eine Zukunftsvision bleiben."

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