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Politik & Gesellschaft

Die Angst surft mit

Während die Zahl der Straftaten in den klassischen Kriminalitätsfeldern in Deutschland 2010 gesunken ist, haben die kriminellen Aktivitäten im Internet zugenommen. Das weist die neueste Kriminalitätsstatistik aus.

Leuchtreklame wirbt für ein Internetcafe in Gütersloh (Foto: picture-alliance/dpa)

Tummelplatz für weltweit agierende Kriminelle

Es ist die Dunkelziffer, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) besorgt. Denn die sei, neben den bekannten Zahlen krimineller Taten im Internet, sehr groß. Vor allem Unternehmen, so der Minister am Freitag (20.05.2011) im Bundestag in Berlin, scheuten oft den Gang zur Polizei, weil sie um ihren Ruf als zuverlässige Geschäftspartner besorgt seien.

Insgesamt sind die Fälle im Bereich der Computerkriminalität um zwölf Prozent auf 84.400 Fälle gestiegen. Grund dafür ist auch die bessere Technik, die es Tätern erleichtert, Daten auszuspähen oder abzufangen. Die Gesamtzahl erfasster Straftaten in Deutschland ist hingegen gesunken von 6,05 auf 5,9 Millionen und liegt damit erstmals seit der Einführung der gesamtdeutschen Statistik unter der Sechs-Millionen-Marke. Während die Fälle in den klassischen Kriminalitätsfelder zurückgehen, werden die Deutschen "zunehmend Opfer von dreisten und hoch spezialisierten Tätern im Internet", sagte Friedrich.

Tatort: Internet

Portrait von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) (Foto: picture-alliance/dpa)

Hans-Peter Friedrich: Die Dunkelziffer ist Besorgnis erregend

Insbesondere Wirtschaftsunternehmen sind von zwei wichtigen Bereichen der Computer- und Internetkriminalität betroffen: Schutzgelderpressung und Geldzahlungen für die Rückgabe von gestohlenen sensiblen Unternehmensdaten. Aber auch private Nutzer des Internets werden immer häufiger Opfer von Netzkriminalität. Viele von ihnen stehen den Tätern hilflos gegenüber. Die Methoden, die in der virtuellen Welt des Internets angewendet werden, sind immer ausgefeilter und im Sinne der Täter auch immer perfekter geworden.

So gäbe es einen schwunghaften Handel mit Software, die großen Schaden im Netz anrichten könnte. Vielfach bekämen die Opfer gar nicht mit, dass ihr Computer gerade "angegriffen" wird. Häufig könnten Nutzer erst dann feststellen, dass sich die Daten ihrer Kreditkarten in fremden Händen befinden, wenn sie eine Abrechnung bekommen. Dann aber sei es oft zu spät, sagt Friedrich, weil es keine Vorratsdatenspeicherung zur besseren Verfolgung derartiger Straftaten gebe.

Scheckkartenbetrug und Kinderpornographie

Netzwerkkabel stecken in einem Verteiler für Internetverbindungen (Foto:picture-alliance/3d)

Vorratsdatenspeicherung vom Verfassungsgericht unterbunden

Das Verfassungsgericht hatte die Vorratsdatenspeicherung im vergangenen Jahr gekippt und der liberale Koalitionspartner der Union lehnt eine Wiedereinführung egal in welcher überarbeiteten Form bisher strikt ab. Bei der Internetkriminalität handelt es sich in 80 Prozent der Fälle um Betrug. Hier könnten die Opfer vielfach durch größere Sorgfalt im Umgang mit den eigenen Daten den Schaden begrenzen.

Vielfach wurden aber auch Verstöße gegen das Verbreitungsverbot von rassistischen Inhalten, gegen den Jugendmedienschutz, gegen das Urheberrecht und das Verbot der Verbreitung von kinderpornographischen Inhalten festgestellt. Auch die Bedrohung durch den "Cyberterrorismus" ist latent vorhanden. Der deutsche Verfassungsschutz beispielsweise sieht im Internet das zentrale "Instrument zur Propagandaverbreitung und Nachwuchsrekrutierung von Terroristen."

Autor: Matthias von Hellfeld
Redaktion: Nicole Scherschun

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