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Filme

Deutschlands Kunstmarkt 2011

Der Kunstmarkt erholt sich allmählich wieder von der Finanzkrise. Die Umsätze der Messen und der Auktionen gehen wieder in die Höhe. Doch wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?

Im Jahr 2006 stehen die Müllmenschen des Kölner Künstlers HA Schult in Köln vor dem Dom (Foto: Oliver Berg/ dpa)

Die Katastrophe von Fukushima – so ein Ereignis sollte auch der Kunstmarkt nicht unkommentiert lassen. Galerist Thomas Zander präsentiert aus aktuellem Anlass auf der 45. Art Cologne (13.04. bis 17.04.2011 in Köln) ein gigantisches Foto des amerikanischen Künstlers Mitch Epstein aus der Serie "American Power" von 2004.


Zu sehen ist ein unbewohntes Haus, das neben den rauchenden Kühltürmen eines Atomkraftwerks in Cheshire, Ohio, steht und abgerissen werden muss. Der Kölner Kunsthändler ist spezialisiert auf Fotografie, die sich stark an der Konzeptkunst orientiert. Damit bedient er ein eher seltenes, aber sehr gefragtes Marktsegment. "Der Kunstmarkt läuft im Moment sehr, sehr gut", sagt Zander. "Ich glaube, dass die Leute Angst vor der Inflation haben und in Kunstwerte investieren, um nicht so viel Geld zu verlieren."

Foto des US-Amerikaners Mitch Epstein mit dem Titel New Orleans I aus dem Jahre 1974 (Foto: Galerie Thomas Zander/Köln)

"New Orleans I"

Mutter aller Kunstmessen

Ein Ort, wo das zurzeit möglich ist, ist die Art Cologne. Sie ist nicht nur eine von neun Kunstmessen in Deutschland, sie ist auch die älteste der Welt. Angefangen hat es vor 44 Jahren. 1967 eröffnete in Köln der weltweit erste Kunstmarkt, der Vorläufer der Art Cologne. Damals versammelten sich Galerien moderner Kunst, um einen Überblick über aktuelle Strömungen, junge Künstler und neue Trends zu geben. Die Art Cologne verwandelte sich in den 70er bis 90er Jahren zu einer weltweit beachteten Kunstmesse. Die Geschäfte liefen so gut, dass Messen wie Pilze aus dem Boden schossen. Zuerst kam die Art Basel, die zu Beginn des Jahrtausends einen Ableger in Miami Beach eröffnete, später kamen in Europa noch die FIAC in Paris, die Art Brussel oder die Frieze Art Fair in London hinzu. Mittlerweile hat jede Metropole der Welt von Dubai bis Mexiko Stadt eine eigene Kunstmesse. Die Konkurrenz hätte die Art Cologne beinahe ins Aus manövriert.

Gerd Harry Lybke im Portrait (Foto: DW)

Gerd Harry Lybke

Doch seit dem Finanzcrash im September 2008 gehen die Galeristen scheinbar wieder auf Nummer sicher. Und setzen auf die Art Cologne - und auf das Rheinland, das bekannt ist für seine zahlreichen Sammler. Harry Lybke von der Galerie Eigen & Art ist nach langer Pause 2011 zum zweiten Mal nach Köln zurückgekehrt. "In Köln und um Köln herum gibt es so viele Sammler. Das ist ein großes Potential. Vor fünf Jahren war es noch so, dass die Interessenten wie wild herumgereist sind, da war es nicht notwendig dort zu sein, wo die Sammler sind, die Leute waren sowieso unterwegs."

Doch die Zeiten haben sich geändert, bedauert Lybke. "Die Leute müssen wieder mehr arbeiten, um Kunst zu kaufen, das heißt, sie sind gebunden an die Orte, wo sie herkommen."

Zeichen der Krise

Bundesregierung spannt Schutzschirm auf Deutschland (Grafik: DW / Olof Pock)

Schutzschirm für Deutschland

Die Finanzkrise hat auch den Kunstmarkt nicht verschont. Zwar haben in Deutschland kaum Galerien geschlossen. Doch Umsatzeinbußen mussten die meisten verbuchen. Gerrit Friese vom Bundesverband der Galerien (BVDG) ist davon überzeugt, dass die Auswirkungen der Finanzkrise sogar viel größer sind, als die meisten glauben. "Es gibt deutliche Entwicklungen, die zeigen, dass es in den Jahren 2007 bis 2009 Umsatzrückgänge um 20 bis 25 Prozent pro Jahr gegeben hat." Besonders hart habe es die weniger gesicherten künstlerischen Positionen getroffen.

Die waren bis vor ein paar Jahren noch begehrt. Bis 2008 drängten zahlreiche Spekulanten auf den Markt. Sie kauften Kunstwerke nach Namen statt nach Qualität oder persönlicher Sammlerleidenschaft. 2006 – also noch zwei Jahre vor der Krise – machte der Kunsthandel knapp 1,3 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland.

Deutscher Kunsthandel weit abgeschlagen

Auktionator Henry Wyndam versteigert die Skulptur Walking Man I von Alberto Giacometti zu einem Weltrekordpreis von rund 104 Millionen US-Dollar im Februar 2010 (Foto: dpa)

Sotheby's in London

Doch die großen Geschäfte werden weder bei den Zeitgenossen noch bei den Alten Meistern hierzulande gemacht. Das zeigt besonders der Kunsthandel. Deutschland liegt als Auktionsland weit abgeschlagen im internationalen Vergleich. "Der deutsche Kunstmarkt hat immer das schmerzliche Lächeln, dass die großen Geschäfte in London oder New York getätigt werden. In einer Auktionswoche in New York machen die Häuser so viel Umsatz wie hierzulande in einem Jahr", so Friese.

Laut einer aktuellen Studie der Internetplattform artprice.com werden seit dem letzten Jahr die höchsten Umsätze in China erzielt. Gefolgt von New York und London. Negativ auf den deutschen Kunsthandel wirkt sich die starke Regionalisierung aus. Es gibt keine feste Adresse, wo sich die Szene trifft. Anders als in den USA, Großbritannien oder Frankreich kennt der Standort Deutschland viele Zentren. Hamburg, Köln, Berlin, Frankfurt am Main, Dresden oder München. Gerrit Friese sieht in der Vielfalt aber auch eine besondere Qualität des deutschen Kunstbetriebs. "Die tausend professionellen Galerien, die es in Deutschland gibt, das ist international sehr selten, das findet man in Amerika nicht und auch in England nicht."

Autorin: Sabine Oelze

Redaktion: Sabine Damaschke

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