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Projekt Zukunft

'Deutschland ist kein rohstoffarmes Land.'

Zu Gast ist Prof. Jens Gutzmer vom Institut für Mineralogie an der TU Bergakadem. Viele Rohstoffe sind schon heute ein knappes und teures Gut. Es stellt sich die Frage, aus welchen neuen Quellen könnten Eisen, Kupfer & Co. kommen? Neue Funde machen die Rohstoffausbeutung in Deutschland wieder interessant.

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DW: Im Jahr 2018 soll in Deutschland das erste Kupferbergwerk seit fast 30 Jahren in Betrieb gehen.Was lässt sich außer Kupfer hier noch alles finden?

Jens Gutzmer: Wir werden sicherlich in den nächsten Jahren, wenn wir uns wieder um unsere Rohstoffe kümmern, sehr viele Überraschungen erleben. Deutschland ist kein rohstoffarmes Land. Wir haben bloß vor 20,25 Jahren entschieden, dass wir uns nicht mehr um die heimischen Rohstoffe kümmern.

Und wenn man jetzt suchen würde? Zum Beispiel Gold, seltene Erden oder auch die ganzen High-Tech-Metalle – findet man die auch hier diesen Landen?

Es gibt zumindest im östlichen Teil von Deutschland gute Indikationen, dass es seltene Erden gibt. Ob diese gewinnbar sind sei jetzt mal dahingestellt. Es gibt außerdem sehr gute Indikationen, dass wir im südöstlichen Teil von Deutschland Hochtechnologie-Metalle wie Wolfram oder Indium in größeren Mengen haben. Aber die müssen erkundet werden und dann kann man entscheiden ob es wirtschaftlich ist.

Das heißt, man muss diese Lagerstätten erstmal entdecken. Nun hat sich da wahnsinnig viel getan bei den entsprechenden Technologien. Können sie uns zusammen fassen, wie sie heute in den Untergrund schauen?

Man hat verschiedene Erkundungsmethodiken. Man kann im Grunde genommen die ersten Kilometer der Erdkruste recht gut beleuchten. Aber um eine Lagerstätte mineralischer Rohstoffe zu finden, würde ich sagen: die ersten 500 Meter sind gut erkundbar.

Wie geht man da vor?

Man kann beispielsweise mit einem Flugzeug darüber fliegen und so verschiedene physikalische Eigenschaften der Gesteine begreifen oder messen. Zum Beispiel die Schwere, also die durchschnittliche Dichte, die elektromagnetische Leitfähigkeit oder auch die Radioaktivität.

Das klingt, wenn man diese verschiedenen Parameter zusammen bringt, als wäre es relativ einfach. Oder braucht es eine besondere Spürnase, um zu wissen, genau hier ist die Lagerstätte.

Jedes Signal trägt ein gewisses Potenzial, aber nur in einer gemeinsamen Interpretation dieser Signale können sie recht eindeutige Belege finden, dass im Untergrund eine Lagerstätte sein könnte. Das ist aber immer noch nur indirekt. Um die Lagerstätten nachzuweisen muss man hineinbohren – und das ist teuer. Dafür werden die physikalischen Signale genutzt, um einzuschränken, wo sie bohren sollten.

Nun scheint es ja viele Metalllagerstätten an den unterschiedlichsten Flecken dieser Erde zu geben. Wie lange werden die Metalle noch reichen?

Geologisch gesehen gibt es eigentlich keine sichtbare Grenze der Verfügbarkeit, aber die Qualität der Rohstoffe, die wir abbauen können, zum Beispiel für Kupfer oder für Eisen, die nimmt immer weiter ab. Wir finden keine sehr hochwertigen Lagerstätten mehr. Insofern ist die Lagerstätte, die in Süd-Ost-Deutschland auf Kupfer erkundet wird, eine sehr hochwertige Lagerstätte mit recht hohen Konzentrationen von Kupfer.

Müssen wir nun mit Umweltschäden durch den Abbau von Kupfer rechnen, wie es eben genau in dieser Region auch durch den Kohleabbau passiert ist?
 

Der Bergbau ist ein Eingriff in die Umwelt. Das ist keine Frage, aber das Verständnis der Umweltproblematik ist so gut, dass man diesen Einfluss minimieren kann.

(Interview: Ingolf Baur)