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Wirtschaft

Deutschland einig Euroskeptikerland

Die Stimmung ist endgültig gekippt: Die Deutschen sorgen sich um den Euro und wollen den Griechen kein Geld mehr leihen. Die Politik der letzten Tage ist da nicht ohne Schuld.

Eine Münze mit dem Wert Ein Euro, um die von Brennpaste erzeugte Flammen lodern (Foto: DAPD)

Der Euro ist in Gefahr - das glauben 80 Prozent der Deutschen

Die Deutschen hatten von Anfang an ein - skeptisches - Verhältnis zu ihrer neuen Währung, dem Euro. Sie liebten ihre D-Mark, glaubten an deren Stabilität - und sie misstrauten der neuen Gemeinschaftswährung, die von so vielen Staaten getragen werden musste. Bis heute gilt den Deutschen der Euro als "Teuro", weil mit ihm angeblich die teuren Preise kamen.

Doch seit Juni dieses Jahres ist das Verhältnis der Deutschen zum Euro endgültig gestört. In einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) gaben 71 Prozent der Befragten an, "weniger", "kaum" oder sogar "gar kein Vertrauen" mehr in den Euro zu haben. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als noch im vergangenen Monat. Vor drei Jahren lag die Zahl der Eurobefürworter immerhin bei rund 50 Prozent, heute sind es gerade einmal 19 Prozent, die noch "großes" bis "sehr großes" Vertrauen in den Euro haben, wie der FAS zu entnehmen ist.

Ein Fass ohne Boden?

Generalstreik in Griechenland (Foto: AP)

Generalstreik in Griechenland - fürs zweite Hilfspaket müssen die Griechen noch mehr sparen

Die Sorge um die Gemeinschaftswährung erreicht ihren Höhepunkt just zu dem Zeitpunkt, als abzusehen ist, dass Griechenland mit einem erneuten Hilfspaket der Europäischen Union rechnen darf, obwohl das Land noch nicht einmal alle Tranchen des ersten Hilfspaketes von 110 Milliarden Euro erhalten hat und obwohl die Hilfe bis jetzt einfach verpufft ist. Griechenland hat nicht weniger Staatsschulden, sondern mehr. Mittlerweile liegen sie bei 340 Milliarden Euro. Vorausgesetzt das griechische Parlament stimmt einem erneuten Sparpaket zu, dann sollen die Griechen diesmal 120 Milliarden Euro bekommen.

Dürften die deutschen Bürger entscheiden, würde es solche Transfers in Zukunft nicht mehr geben. Laut einer Umfrage des ZDF-Politbarometers wollen 60 Prozent keine weiteren EU-Finanzhilfen für Griechenland in Form von Krediten mehr. Und das "Nein" zur Griechenland-Rettung geht quer durch alle Parteien. Die meisten Nein-Sager sitzen sogar in der Regierungspartei.

Die Entscheidung der Euro-Finanzminister, die Banken nur freiwillig an der zweiten Griechenland-Hilfe zu beteiligen, spielt den Euroskeptikern in die Hände. Und so warnt Wolfgang Gerke, Präsident des Bayrischen Finanz Zentrums davor, die Gewinne den Banken zu überlassen, die Verluste aber dem Steuerzahler aufzubürden.

Statistik untermauert Skeptiker

Die Umrisse Irlands, das auf Euroscheinen liegt (Foto: Fotolia)

Nicht nur Griechenland, auch Irland erlebte nach der Euroeinführung einen Boom

Auch wenn von den Eurobefürwortern oft gesagt wurde, Deutschland sei ein Gewinner der Euroeinführung - viele Deutsche haben das von Anfang an nicht geglaubt. Und schaut man sich die Zahlen an, ist ihr Misstrauen nicht ganz unberechtigt. Seit der Einführung des Euro am 1. Januar 1999 ist Deutschland mit am Wenigsten im Durchschnitt gewachsen - trotz des jüngsten Aufschwungs. Es lag mit 1,2 Prozent 0,3 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt des Euro-Raums.

Am stärksten von der Eurozone profitierten hingegen die Länder am Rande Europas - also Länder wie Griechenland. Vor der Euro-Einführung mussten die Länder ihre höhere Inflation mit höheren Zinsen bezahlen. Nach der Einführung des Euro fielen ihre Zinsen drastisch - eine gute Zeit für Investoren.

Der Euro ist stabil

Mehrere 50-Dollar-Scheine (Foto: Picture Alliance)

Noch investieren die Chinesen überwiegend in Dollar - aber sie schichten um

Am Boom Griechenlands, das nun in der Krise steckt, ist der Euro also maßgeblich beteiligt. Ob sich die Griechenland-Krise auf die Stabilität des Euro auswirken wird, vermag im Moment keiner genau zu sagen. Die Meinungen gehen da selbst bei den Experten weit auseinander. Von: Eine Pleite Griechenlands kann im Euro-Raum gut verkraftet werden, bis hin zu: Wir bekommen eine zweite, noch schlimmere Finanzkrise, die diesmal das Vertrauen in den Euro erschüttern kann, ist alles zu hören.

Noch geht es dem Euro gut. Denn nicht die Stimmung der Deutschen entscheidet, ob die Stabilität der Gemeinschaftswährung in Gefahr ist. Sondern die Nachfrage internationaler Großanleger ist ausschlaggebend. Asiatische Notenbanken wie beispielsweise die chinesische ersetzen immer mehr Dollartitel gegen Anlagen in Euro. Daran hat auch die Griechenlandkrise nichts geändert.

In Deutschland beruhigen solche Fakten allerdings nicht. Laut der Umfrage des ZDF-Politbarometers sehen 80 Prozent der Deutschen in der Krise Griechenlands eine Gefahr für die Stabilität des Euro.

Autor: Jutta Wasserrab
Redaktion: Reinhard Kleber

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