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Sport

Deutschland bezwingt Portugal

Es ist vollbracht: Mit einer Ausnahmeleistung besiegt die deutsche Nationalmannschaft die favorisierten Portugiesen mit 3:2. Die Republik steht Kopf, der Jubel kennt keine Grenzen.

AP

Jubel nach dem Sieg: Simon Rolfes (li.) und Michael Ballack feiern den Sieg

Deutschland ist wieder da - mit einer mutigen System- und Personalumstellung hat Joachim Löw von der Tribüne aus Portugal überrumpelt. Angeführt vom überragenden Bastian Schweinsteiger warf das DFB-Team am Donnerstag (19.6.2008) in Basel den hoch gehandelten Turnier-Favoriten im Viertelfinale mit 3:2 (2:1) aus dem Rennen und steht nach zwölf Jahren wieder in der Vorschlussrunde einer Fußball-Europameisterschaft. "Wir waren hungrig und heiß, wir wollen jetzt mehr. Das Endspiel ist unser Ziel", sagte "Aushilfs-Bundestrainer" Hansi Flick nach dem Spiel.

Erstmals bei der EURO 2008 zeigte sich die DFB-Auswahl als echter Titelkandidat und feierte durch Tore von Schweinsteiger (22.), Miroslav Klose (26.) und Michael Ballack (61.) einen verdienten Erfolg. Der Gegner im Halbfinale am kommenden Mittwoch wiederum in Basel wird an diesem Freitag im Duell zwischen Kroatien und der Türkei ermittelt. Nuno Gomes (40.) und Helder Postiga (87.) trafen für den EM-Zweiten von 2004, der die deutsche Elf am Ende noch mal mächtig zittern ließ.

Schweinsteiger "Man of the Match"

Euro 2008 Viertelfinale Portugal Deutschland Schweinsteiger

Machte das 1:0: Bastian Schweinsteiger (li.) vom FC Bayern

Nach seinem 1:0 warf Bastian Schweinsteiger Kusshände in den Abendhimmel, nach der Vorarbeit zum 2:0 feierte er mit Hilfscoach Hansi Flick und spätestens mit dem Freistoß zum 3:1 hatte der Portugiesen-Schreck seine Bringschuld endgültig mehr als erfüllt. Der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler des FC Bayern München wirbelte beim Viertelfinalerfolg wie in besten Zeiten und wurde zum "Man of the Match" gewählt. So will Fußball-Deutschland "Schweini" sehen - und feiern.

"Ich bin überglücklich. Wir sind in den Top 4. Das ist sensationell. Wir haben die meiner Meinung nach beste Mannschaft aus dem Turnier gekegelt", sagte Schweinsteiger. Bei der Vorrunden-Pleite gegen Kroatien baute der 54-malige Nationalspieler den Reservisten-Frust noch mit einer Tätlichkeit ab, im K.o.-Duell in Basel gegen seinen Lieblingsgegner setzte er die Energie so um, wie es Bundestrainer Joachim Löw verlangt hatte und durfte sich in der 83. Minute bei seiner Auswechslung frenetisch feiern lassen. "Heute haben wir auch für den Trainer gespielt. Ich habe mir vorgenommen, der Mannschaft so gut es geht zu helfen."

Deutsches Team kaum wiederzuerkennen

AP

Nicht immer konnten die Deutschen die Portugiesen halten, hier kämpft Ballack (li.) mit Deco

Nach einer Vorrunde mit mehr Schatten als Licht war die deutsche Mannschaft im ersten K.o.-Spiel kaum wiederzuerkennen und präsentierte sich körperlich und geistig auf den Punkt topfit. Die durch zuletzt nicht überzeugende Vorstellungen einiger Spieler sowie Torsten Frings' Rippenbruch veranlassten Änderungen zeigten beim Kraftakt gegen die ausgeruht ins Spiel gegangenen Portugiesen die erhoffte Wirkung. In einem kompakten Mittelfeld sicherten die neu ins Team gekommenen Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger zusätzlich nach hinten ab und hielten damit auch Ballack den Rücken frei. Ohne seinen bisherigen Sturmpartner Mario Gomez blühte auch Klose auf. Der Angreifer überwand nach 375 torlosen Minuten seine Ladehemmung und traf zum 40. Mal im DFB-Trikot ins Schwarze.

Sichtlich wohl in etwas offensiverer Rolle fühlte sich Ballack. Der Kapitän verteilte klug die Bälle, war am Führungstor beteiligt und besorgte mit seinem 38. Länderspiel-Tor die Entscheidung. Ein großes Pensum leistete die Defensive, in der Arne Friedrich und Lahm auf den Außenpositionen gegen Simao und Cristiano Ronaldo jederzeit hellwach waren. Dennoch war es gegen die spielstarken Portugiesen nicht immer möglich, Pässe in die Spitze zu verhindern. Dabei hatten Christoph Metzelder und Per Mertesacker im Deckungszentrum oft Mühe, die Übersicht zu behalten.

Löw weit weg vom Geschehen

Euro 2008 Viertelfinale Portugal Deutschland Klose

Klose markiert das 2:0 per Kopf

Der gesperrte Löw hatte unmittelbar nach der Ankunft der Mannschaft am Stadion das Kommando an seinen Assistenten Flick abgetreten und war von einem UEFA-Offiziellen auf die Tribüne geleitet worden. Von seinem Platz in einer VIP-Loge aus sah der 48- Jährige, der bis zehn Minuten nach Ende der Partie keinen Kontakt zu seinen Spielern haben durfte, eine sehr konzentriert beginnende DFB- Elf. Auf dem frisch verlegten Grün des St. Jakobs-Parks, das eher einem Flickenteppich glich, gaben Ballack und Co. gegen den in Bestbesetzung angetretenen Vize-Europameister keinen Ball verloren.

Gleich der erste gelungene Spielzug des WM-Dritten führte zum Führungstor: Nach doppeltem Doppelpass mit Ballack lief Podolski auf dem linken Flügel zwei Portugiesen auf und davon und passte scharf und flach nach innen, wo sein Münchner Clubkollege Schweinsteiger nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte. Nur vier Minuten später war Portugiesen-Schreck "Schweini" mit einer Freistoß-Flanke auch Wegbereiter des 2:0. Klose köpfte die Hereingabe unhaltbar für Ricardo in die Maschen. Rund 12.000 deutsche Anhänger, die ihrer Mannschaft das erste "Heimspiel" bei der EURO bescherten, waren schier aus dem Häuschen.

Portugiesen mit starkem Spiel

AP

Geschlagen: Portugals Star Cristiano Ronaldo trauert nach der Niederlage

40 Minuten lang konnte die deutsche Elf den Gegner mit Erfolg von ihrem Tor fernhalten, dann kassierte sie doch den Anschlusstreffer. Nach einem Stellungsfehler von Mertesacker lief Cristiano Ronaldo alleine auf Lehmann zu, der den Schuss des Weltfußballers zwar noch parieren konnte, doch gegen den nachsetzenden Nuno Gomes waren der Keeper und Metzelder auf der Linie machtlos. Sekunden vor der Pause wäre Cristiano Ronaldo sogar beinahe aus spitzem Winkel noch der Ausgleich gelungen.

Nach Wiederbeginn geriet die Abwehr noch stärker unter Druck, weil man vor allem Deco zu viele Freiheiten ließ. In dieser Phase war aber Lehmann ein sicherer Rückhalt. Mit der ersten Chance der zweiten 45 Minuten stellte die deutsche Elf dann den alten Abstand wieder her - und erneut war Schweinsteiger mit einem Freistoß Ausgangspunkt. Diesmal fand der Ball den Kopf von Ballack, der sich mit einem Schubser freie Bahn verschaffte und zum 3:1 traf. Helder Postiga verkürzt in der 87. Minute für den EM-Vize von 2004 zum 3:2., worauf die Portugiesen nochmals in die Offensive gingen. Doch die deutsche Abwehr hielt stand und machte den Sieg perfekt. (tos)

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