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Boxen

Deutsches Profiboxen hängt in den Seilen

Das Profiboxen steckt sei einigen Jahren in der Krise. Wladimir Klitschko ist der letzte aktive Boxer, den viele Deutsche kennen. Wenn er aufhört, ist auch die letzte Lichtgestalt des deutschen Boxens Geschichte.

Deutschland Boxen WBC Weltmeisterschaftsboxkampf in Dortmund - Marco Huck vs. Mairis Briedis (Imago/osnapix)

Bezeichnend für die Krise im deutschen Boxen: Marco Huck (oben) bei seiner Niederlage gegen Mairis Briedis

Die Zeiten, in denen sich die Deutschen alle paar Monate samstagnachts vor den Fernseher setzten, um den lange ersehnten Boxkampf zu schauen, sind lange vorbei. Der einzige aktive Boxer, den noch wirklich viele in Deutschland kennen, ist der Wahl-Hamburger Wladimir Klitschko. Seine Niederlage gegen den Briten Tyson Fury vor anderthalb Jahren verfolgten immerhin rund neun Millionen Zuschauer. Doch auch diese Quote ist für einen "WM-Kampf des Jahres" eher mau. Zum Vergleich: Die in den Neunzigerjahren so erfolgreiche Generation um Henry Maske, Axel Schulz, Sven Ottke und Graciano Rocchigiani lockte im Durchschnitt rund 18 Millionen Zuschauer vor die Röhre, also doppelt so viele. Doch diese goldenen Zeiten sind vorbei.

Den WM-Fight zwischen Marco Huck und dem Letten Mairis Briedis Anfang April sahen nur rund drei Millionen Menschen. "Das Boxen braucht dringend gute Kämpfe. Dann steigt auch das Interesse wieder", ist sich Ex-Weltmeister Maske sicher. Jene werden jedoch immer rarer. Auch Kult-Trainer Ulli Wegner weiß nur zu gut, wie sehr seine Sportart auf Persönlichkeiten angewiesen ist. "Nach der Wende hatten wir den Boom mit Maske, Michalczewski und Ottke. Die kannte jeder, die wollte jeder sehen." Nun müsse man eine neue Generation aufbauen. Doch die ist bisher nicht in Sicht. Hinzu kommt, dass auch Wladimir Klitschkos Karriere am Scheideweg steht.

Wladimir Klitschko (picture-alliance/dpa/ R. Vennenbernd)

Darf nach seiner bitteren Niederlage gegen Tyson Fury nun endlich wieder boxen: Wladimir Klitschko

Klitschko kann nicht ewig weitermachen

Sollte der Schwergewichtler am Samstag gegen den 13 Jahre jüngeren Anthony Joshua verlieren, ist es gut möglich, dass er seine Boxhandschuhe an den Nagel hängt. Und selbst bei einem Sieg gegen den Briten: Klitschko ist 41 Jahre alt - und kann nicht ewig weitermachen. Wenn er aufhört, ist auch die letzte Lichtgestalt des deutschen Boxens Geschichte. "Klitschko wird natürlich genug Interesse auf sich ziehen", sagt Maske, "aber auch die anderen Kämpfer müssen überzeugen - am besten durch Qualität im Ring." Die Story drumherum könne noch so heiß gestrickt sein, so der ehemalige "Gentleman-Boxer" weiter, "die Leute schauen genau hin, ob der Kerl im Ring etwas kann oder nicht. Darum geht es."

Mit "andere Kämpfer" meint Maske die Hand voll Boxer, die in Deutschland zumindest noch halbwegs bekannt sind. Doch Felix Sturm, Marco Huck, Jürgen Brähmer, Arthur Abraham und Jack Culcay sorgen eher für negative Schlagzeilen, haben die jüngsten WM-Kämpfe verloren, sind kurz vor dem Karriereende oder einfach keine Gallionsfiguren.

Boxen -Felix Sturm (picture-alliance/dpa/F. v. Erichsen)

Des Dopings überführt - Titel niedergelegt: Ex-Champion Felix Sturm

Nur noch ein einziger deutscher Weltmeister

Ex-Champion Felix Sturm, mittlerweile auch schon 37 Jahre alt, war nach seinem fraglichen Sieg gegen den Russen Fedor Tschudinov im Februar 2016 positiv auf Doping getestet worden. Seinen WM-Gürtel hat der Supermittelgewichtler bereits abgegeben - ob er je wieder in den Ring steigen wird, ist fraglich. Marco Huck, fünf Jahre jünger als Sturm, musste gegen Briedis jüngst eine schmerzhafte Niederlage einstecken. Der Cruisergewichtler verlor dabei nicht nur den (unbedeutenden) IBO-Gürtel, sondern musste auch den Traum vom wichtigen WBC-Gürtel begraben. Auch seine Zukunft ist ungewiss. Und Jürgen Brähmer? Auch seine Karriere ist längst auf dem absteigenden Ast. Den vielleicht letzten WM-Kampf, den er wegen einer Ellenbogenverletzung verlor, verfolgten nicht mal mehr zwei Millionen TV-Zuschauer.

Arthur Abraham hat sein Karriereende noch Mal etwas nach hinten verschoben. Der 37-Jährige siegte am vergangenen Samstag gegen den Wahl-Münchner Robin Krasniqi und darf nun immerhin doch noch einmal auf einen WM-Kampf gegen WBO-Champion Gilberto Ramirez aus Mexiko hoffen. Doch vorerst bleibt ein Blick auf die Liste amtierender Box-Weltmeister der vier bekanntesten Boxverbände (WBA, WBC, IBF, WBO) bitter. In 17 verschiedenen Gewichtsklassen gibt es derzeit nur  einen einzigen deutschen Weltmeister: der 24-jährige Tyron Zeuge hält den WBA-Titel im Supermittelgewicht. Doch ob der wenig charismatische Boxer zu einer neuen Lichtgestalt des deutschen Boxens wird? Mehr als fraglich, das zeigt auch das Interesse der deutschen Zuschauer. Seinen Titelkampf verfolgten gerade mal anderthalb Millionen Zuschauer. Das entsprach einem Marktanteil von 7,7 Prozent.

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