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Filme

Deutsches Kino - Endlich in Cannes angekommen

Ein Jahr nach dem Kritikerjubel für Maren Ades "Toni Erdmann" widmet Cannes dem deutschen Film größere Aufmerksamkeit. Und Hollywoodstar Diane Kruger gibt im neuen Film von Fatih Akin ihr deutsches Debüt.

Obwohl er mit keiner der höchsten Film-Trophäen ausgezeichnet wurde, war "Toni Erdmann" ein Publikums- und Kritikerliebling. Von Cannes aus trat er letztes Jahr seinen weltweiten Siegeszug an, der in der Nominierung für den Auslands-Oscar und der Verleihung fünf europäischer Filmpreise gipfelte.

Auch die deutschen Beiträge beim Festival in Cannes dieses Jahr können sich sehen lassen: Fatih Akin läuft mit seinem neuen Thriller "Aus dem Nichts" im Wettbewerb: Hamburg, Terroristen, NSU und ein Rachefeldzug. Das Screening des Films vom deutsch-türkischen Regisseur am Freitag wird mit Spannung erwartet.

Sandra Hüller als Indes Conradi singt in Toni Erdmann ein spontanes Ständchen (Foto: Komplizen Film)

"Toni Erdmann": keine Goldene Palme aber viel Applaus

"Aus dem Nichts" ist Akins erster Auftritt an der Côte d'Azur seit 2007, als er für "Auf der anderen Seite" den Preis für das Beste Drehbuch entgegennahm. Außerdem konkurriert ein weiterer deutscher Film um einen Festivalpreis: "Western" von Valeska Grisebach läuft in der Sektion "Un certain regard".

Politik spielt auf subtile Weise mit

Weiterhin sind fünf deutsche Koproduktionen im Wettbewerb um die Goldene Palme: Michael Hanekes französischsprachiger Film "Happy End", "Loveless" (orig. Nelyubov) vom russischen Regisseur Andrei Swjaginzew, die schwedische Kunstwelt-Satire "The Square" und der phantastische Thriller "Jupiter's Moon" vom Ungar Kornél Mundruczó.

Beim deutschen Empfang in der Villa Rothschild brachte Kulturstaatsministerin Monika Grütters ihren Stolz auf die diesjährige deutsche Beteiligung zum Ausdruck: "Wir hatten selten einen so starken Jahrgang wie dieses Jahr", sagte die Politikerin. So gebe es 16 Filme mit deutscher Beteiligung. "Nach Toni Erdmann sind wir besonders glücklich, wieder eine großartige weibliche Regisseurin im Wettbewerb zu haben", so Grütters, die damit auf Valeska Grisebach anspielte.

Grisebachs Film "Western" erzählt die Geschichte einer Gruppe von deutschen Bauarbeitern, die für einen Auftrag in ein kleines bulgarisches Dorf kommen. Dabei benutzt Grisebach zahlreiche Westernelemente. Im Gegensatz zu dem, was von Fatih Akins Film erwartete wird, behandelt Grisebachs Film politische Themen subtil - wie viele Filme dieses Jahr. "Das Western-Genre ist sehr konservativ - aber gleichzeitig modern", kommentiert die Regisseurin. "Es geht immer um gesellschaftliche Grundsatzfragen: Wo ist dein Platz? Hältst du dich an die Regeln? Es geht um Fragen des Mitgefühls und das Recht des Stärkeren."

Mann auf einem weißen Pferd (Foto: Festival de Cannes)

"Western" von der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach läuft in der Sektion "Un certain regard"

Deutscher Film stärker gefördert - im In- und Ausland

"Das sind ganz starke Auftritte" sagte Grütters begeistert. Der Film sei ein Paradebeispiel für deutsches Autorenkino. "Deutschland ist politisch wichtig, gerade wenn es darum geht, globale Perspektiven aufzuzeigen. Das macht den deutschen Film wichtig. Er zeigt die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Probleme", erklärt sie. Dabei verwies sie auch auf den Einfluss der deutschen Filmförderung, deren Beiträge vor kurzem deutlich erhöht worden waren. Dieser sei zentral, gerade weil der deutsche Film auf der internationalen Bühne zunehmend präsent sei.

"Die angehobenen Budgets helfen, damit die Filmemacher ihr Ding machen können. Außerdem können große internationale Filmfirmen in Deutschland ihre Filme produzieren - und große deutsche Filmfirmen müssen nicht ins Ausland gehen. Das sind zwei wichtige Signale an unsere Filmschaffenden", so Grütters.

Diane Kruger in ihrem ersten deutschen Film

In Fatih Akins Drama spielt die deutschstämmige Hollywood-Schauspielerin Diane Kruger die Hauptrolle: Sie spielt eine Frau, die ihren Ehemann bei einem Terroranschlag verliert. Es ist überraschenderweise der erste Film, in dem die 40-Jährige in ihrer Muttersprache spielt.

Auf die Frage ob sich die deutsche Filmlandschaft seit "Toni Erdmann" verändert habe, sagte Fatih Akin ohne Zögern: "Ja, definitiv! Maren Ade hat einen riesen Einfluss gehabt - und ein weltweites Interesse an deutschen Filmen angestoßen. Davor ging es eher um einzelne Filmemacher, nun interessieren sich Kritiker und Zuschauer für den deutschen Film insgesamt." Akins bekanntester Film "Gegen die Wand" hat 2004 auf der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen. Wie das Filmfestival in Cannes gegen Berlin abschneidet? "Das Wetter ist besser", antwortet Akin und lacht.

Maren Ade mit dem Cannes-Emblem im Hintergrund (Foto: Getty Images/C. Bilan)

Maren Ade ist Teil der neunköpfigen internationalen Jury

"Cannes war immer ein Ort, an dem die Frage gestellt wurde, was modernes Kino ist", ergänzt Grisebach, deren zweiter Film "Désir(s)" 2006 bei der Berlinale im Wettbewerb lief. "Es ist sehr intensiv. Man hat viel Respekt - für Regisseure und für die Geschichte des Films - aber es geht immer um die Modernität, um die Frage was Kino heute ist. Man spürt das in jedem Gespräch, jedem Interview, bei jeder Begegnung mit dem Publikum."

Grisebach ist dieses Jahr eine von zwölf weiblichen Regisseurinnen in Cannes. Es wurde wiederholt heftig kritisiert, dass das Filmfestival nicht mehr Filme von Frauen zeige. Umso bemerkenswerter, dass Deutschland in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit herausragenden weiblichen Regisseurinnen aufwartet.

Maren Ade als Botschafterin des deutschen Films

Auch Maren Ade ist zurück in Cannes, diesmal als Mitglied von Pedro Almodóvars neunköpfiger Jury. Zusammen mit Will Smith, Jessica Chastain und Paolo Sorrentino wird sie im Wettbewerb um die Goldene Palme aus 19 Filmen auswählen. Zwar war "Toni Erdmann" letztes Jahr leer ausgegangen, doch Ades Berufung in die Jury wirkt wie eine Auszeichnung durch den Festivaldirektor Thierry Frémaux. Kulturstaatsministerin Grütters sagte es so: "Maren Ade und 'Toni Erdmann' haben der ganzen Welt gezeigt, was der deutsche Film kann." 

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