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Filme

Halbzeit in Cannes - das Rennen um die Goldene Palme

Die Goldene Palme ist der prestigeträchtigste Festivalpreis der Welt. 19 Regisseurinnen und Regisseure bewerben sich in diesem Jahr um die Auszeichnung für den besten Film. Doch auch Cannes steht derzeit unter Schock.

Eine Schweigeminute hatten die Festivalmacher für den Nachmittag angesetzt - so sollte der schrecklichen Tat von Manchester gedacht werden. Angesichts des Horrors, der mutmaßlich auf einen Terrorakt zurückzuführen ist, verblassen natürlich alle Diskussionen über Filmkunst und die Frage, wer am Ende die Goldene Palme gewinnt. "Dies ist ein weiterer Angriff auf Kultur, Jugend und Fröhlichkeit, auf unsere Freiheit, Generosität und Toleranz", hieß es seitens der Festspielleitung.

Trotzdem - oder jetzt erst recht: Das Festival geht weiter. Gerade Frankreich hatte ja in der letzten Zeit mehrere terroristische Anschläge zu verkraften. Vom Terror will man sich das Lebensgefühl und die Kultur nicht vermiesen lassen. Dass die Angst vor Terrorismus auch das Festival an der Côte d’Azur im Griff hat, sieht man an der erhöhten Präsenz von Polizei und Militär. 2016 hatte Cannes ebenfalls unter Schock gestanden. Die Pariser Anschläge vom November 2015 hatte die Grande Nation nachhaltig erschüttert.  

Im vergangenen Jahr ging der Favorit leer aus

Im Mai 2016, als das Festival dann unter starken Sicherheitsvorkehrungen stattfand, war die Enttäuschung über den Ausgang der Palmen-Konkurrenz besonders auf deutscher Seite groß. Aber auch auf Seiten der allermeisten Festivalbeobachter aus dem Ausland. Maren Ades Film "Toni Erdmann" war bis zur feierlichen Preisverleihung der große Favorit gewesen. Sowohl das Publikum in Cannes als auch die Pressevertreter aus aller Welt hatten die irrwitzige Geschichte um eine kriselnde Vater-Tochter-Beziehung, die sich zu großen Teilen in Rumänien abspielt, zum Palmenfavoriten erkoren.

Maren Ade in Cannes (Getty Images/C. Bilan)

Sitzt in diesem Jahr in der Jury in Cannes: Maren Ade

Doch die Jury um ihren Vorsitzenden, den australischen Mad-Max-Regisseur George Miller, hatte anderes im Sinn. Sie vergab den Hauptpreis des Festivals an Ken Loachs Sozialdrama "I, Daniel Blake". Loachs Film über einen in die Arbeitslosigkeit gestürzten Tischler aus dem Norden Englands war eine erschütternde Anklage gegen soziale Kälte. Ein Film, der sein Publikum tief berührte. Ein Film aber auch, der formal wenig wagte und ganz auf die Wucht seiner Geschichte setzte, weniger auf ästhetischen Mut.

Die Kritiker sahen "Toni Erdmann" vorne

"Toni Erdmann" ging am Ende komplett leer aus, bekam auch keinen offiziellen Nebenpreis des Festivals. Doch immerhin konnte sich Maren Ade mit dem Preis der internationalen Kritikervereinigung FIPRESCI trösten. Und auch danach konnte sich die Regisseurin kaum noch retten vor Auszeichnungen und vor allem einem enormen Publikumszuspruch.

Filmfestival Cannes Goldene Palme Trophäe 2017 (Getty Images/AFP/F. Coffrini)

Dieses Mal besonders wertvoll: Die Goldene Palme ist diamantenbestückt

Juryentscheidungen sind oft umstritten. In Cannes, aber noch vielmehr auf anderen Festivals, in Venedig oder Berlin zum Beispiel. Und so dürften sich die Festivalbeobachter auch in diesem Jahr zur Halbzeit der Veranstaltung mit Wetten, wer den nun Chancen auf die Goldene Palme hat, sehr zurückhalten. Die deutsche Presse hielt sich in den ersten Tagen mit Lob jedenfalls sehr zurück. Kaum ein Film begeisterte das Fachpublikum.

Buhrufe für Michael Hanekes neuen Film "Happy End"

In Cannes gab es während der (Presse-)Vorstellungen der Wettbewerbsfilme sogar zum Teil lautstarke Buhrufe - auch während des neuen Films des zweifachen Palmen-Gewinners Michael Haneke. Das Festival wartet also auf eine zweite, womöglich bessere Hälfte. Und dann auf eine weise Entscheidung des diesjährigen Jurypräsidenten, des spanischen Filmregisseurs Pedro Almodóvar. Der wird am Abend des 28. Mai verkünden: "The winner is ...".

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