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Lebensart

Deutsches Bier - bis ans Ende der Welt

Deutsches Bier bekommt man überall auf der Welt. Manche Sorten werden auch im Ausland nach dem Reinheitsgebot gebraut. Andere Bierbrauer nehmen es aber mit dem alten Gesetz nicht so genau. Was dem Bier nicht schadet.

In den vergangenen Jahrhunderten haben viele deutsche Auswanderer auf anderen Kontinenten Fuß gefasst; einige von ihnen haben ihr Bierbrauerwissen mit in die Neue Welt genommen und angewandt. So ist es kein Wunder, dass viele Brauereien, etwa in Kanada oder in der USA, Namen haben, die deutschen Ursprungs sind: Haffenreffer, Hudepohl-Schoenling, Schaefer... einige Namen sind weltberühmt geworden:

1857 ließ sich der deutsche Brauer Adolphus Busch in St. Louis nieder. Er braute echtes deutsches Bier für die junge amerikanische Nation, selbstverständlich nach dem Reinheitsgebot. Denn Qualität stand für Busch an allererster Stelle. Er lernte den ebenfalls ausgewanderten Braumeister Eberhard Anheuser kennen, heiratete dessen Tochter, beide gründeten das Unternehmen Anheuser-Busch, das später zum größten Brauereikonzern der Welt werden sollte.

USA, St. Louis: Fassade mit Werbelogo Anheuser-Busch, Foto: dpa

Das Anheuser-Busch-Haus in St. Louis

Über 150 Jahre später gehört die William K. Busch Brewing Company Adolphus' Urenkel Billy. Er braut sein "Kräftig Lager" immer noch nach dem deutschen Reinheitsgebot. Und, ganz nebenbei, ist die William K. Busch Company Teil des Anheuser-Busch InBev-Konzerns, der mit 21 Prozent Marktanteil alle Mitbewerber weit hinter sich lässt und viele weltbekannte Biermarken vertreibt.

Ein Bier wie ein Champagner

Auch die Boston Beer Company schwört auf deutsche Braukunst. Es ist die größte Brauerei der USA, die zugleich in US-amerikanischem Besitz ist. Chef Jim Koch entdeckte 1984 auf dem Dachboden das Bier-Rezept seines deutschen Ur-Ur-Großvaters, Louis Koch. Er versuchte, das Rezept in seiner Küche nachzubrauen. Er gab es Freunden zum Probieren, arbeitete es immer weiter aus, bis er es wagte, die Boston Beer Company zu gründen und das Bier seines Ur-Ur-Großvaters an den Mann zu bringen. Er nannte das Bier "Samuel Adams Boston Lager" und verteilte es in Boston am 4. Juli 1985, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag. Sechs Wochen später wurde "Sam Adams" zum besten Bier Amerikas gekürt.

Bierglas und Flasche der Marke Samuel Adams, Foto: dpa

Preisgekrönt: das "Sam Adams"

Zusammen mit Brautechnikern der bayerischen "Weihenstephan"-Brauerei - der ältesten in Deutschland und Hüterin des Reinheitsgebots, das am 23. April 500 Jahre alt wird - lotete Koch zwei Jahre lang die Möglichkeiten der modernen Braukunst aus, ohne die Grenzen des alten Gesetzes zu verletzen. Herausgekommen ist ein Champagner unter den Bieren: "Infinium", ein zehnprozentiges Starkbier. Ein Liter kostet 22 Euro.

Relikt aus der deutschen Kolonialzeit

1897 wurden in China zwei deutsche Missionare ermordet. Für den deutschen Kaiser Wilhelm II., der schon lange stark an China interessiert war, war es ein willkommener Grund, um Kriegsschiffe in die Küstenregion Kiautschou am Gelben Meer zu schicken. Tatsächlich schafften die Deutschen es, den Chinesen die Region abzupressen. Die Ortschaft Tsingtao wurde zum Zentrum der deutschen Kolonialherrschaft in China. Und wo Deutsche sind, ist das Bier auch nicht weit. So nahm die erste Brauerei in Tsingtao unter dem Namen "Germania" 1903 ihren Betrieb auf.

Tsingtao Bierflaschen, Foto: dpa

Kaum ein Ort auf der Welt, an dem es dieses Bier nicht gibt

Das "Glück" hielt nicht lange vor. 1914 begann der Erste Weltkrieg. Die Japaner verscheuchten die Deutschen aus der Kolonie. Aber das Bier behielten sie und brauten es unter dem Namen "Tsingtao" einfach weiter, genau nach dem vorgegebenen Verfahren. Die Chinesen übernahmen schließlich. Der Rest ist Geschichte: "Tsingtao" gehört zu den berühmtesten Bieren der Welt.

Biernation Brasilien???

Eigentlich denkt man im Zusammenhang mit Brasilien eher an erfrischende Cocktails wie Caipirinha. Doch auch hier hat die deutsche Braukunst seine Spuren hinterlassen. Der Wiesbadener Louis Bücher wanderte 1885 nach Sao Paolo aus und gründete die Antárctica-Brauerei. Fast zeitgleich braute der Schweizer Auswanderer Joseph Villiger die erste "Brahma"-Cerveja.

Brauhaus Eisenbahn in Blumenau, Foto: dpa

In Blumenau wird noch nach alter Tradition gebraut

Und in der deutschesten aller brasilianischen Städte, in Blumenau, gab es deutsches Bier für deutsche Kehlen. Und zwar strikt nach dem Reinheitsgebot - zumindest wirbt man bis heute damit. Die "Eisenbahn"-Brauerei hat heute mehr als 15 Sorten Bier im Angebot und gehört zu den erfolgreichsten brasilianischen Bierproduzenten. Auch wenn sie es mit dem Reinheitsgebot heutzutage nicht mehr so ernst nimmt, denn das ist Biertrinkern außerhalb Deutschlands recht egal. Dafür bleiben die Bezeichnungen vieler Eisenbahn-Biere deutsch: Dunkel, Weizenbock, Lust - und Kölsch.

Kölsch am Mount Everest

Das obergärige Bier aus Köln wird vielleicht von anderen Bierbrauern und -trinkern belächelt, weil es in den typischen 0,2 Liter- "Reagenzgläsern" serviert wird. Der feine, herbe und leicht rauchige Geschmack aber ist überall auf der Welt beliebt. Vor allem den Kanadiern hat es das Kölner Bier angetan. So brüstet sich die Mt. Begbie Brauerei mit ihrem "High Country Kölsch" - und schreibt den Namen auch mit "ö". Das Bier preisen sie als leichtes Sommerbier an: "Es wird mit original 'Kölschbier'-Hefe gebraut. Die Hefe, kombiniert mit einer Portion Weizenmalz, gibt dem Bier seinen unvergleichlichen Charakter." Jeder Kölsch-Brauer würde sich hierzulande die Haare raufen. Denn Weizen gehört laut Reinheitsgebot nicht ins Bier.

Stefan Nestler trinkt Khumbu-Kölsch, Foto: Stefan nestler

DW-Sportreporter Stefan Nestler hat das Khumbu-Kölsch vor Ort probiert und für gut befunden

Doch das "German Beer Purity Law" interessiert viele erfolgreiche Bierbrauer nicht. Und die Tatsache, dass das Kölsch nur "Kölsch" genannt werden darf, wenn es in Köln gebraut wird - auch da schert man sich außerhalb von Europa nicht drum, schon gar nicht in den Bergen des Himalaya. Eine unabhängige Sherpa-Brauerei in Khumbu, am Fuß des Mount Everest, nennt ihre Bierspezialität "Khumbu Kölsch". Die Sherpas werben damit, dass ihr Bier handgemacht ist, nur mit ausgesuchten Zutaten hergestellt und allerhöchsten Qualitätsansprüchen gerecht wird. Passend zu den höchsten Gipfeln der Erde.

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