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Politik

Der Kampf der Kulturen findet nicht statt

Die Diskussion um das Verhältnis zum Islam ist verzerrt. Eine radikale Minderheit kämpft für islamistische Ziele - und die breite, friedliche Mehrheit gerät dabei aus dem Blickfeld. Peter Philipp kommentiert.

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Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

Wenn es doch alles so einfach wäre: Nach dem 11. September stand für Theoretiker des "Kampfes der Kulturen“ auf beiden Seiten fest, dass dieser Kampf in vollem Gange ist und dass man sich auf das Schlimmste gefasst machen müsse. Wobei die US-Regierung einige Schritte weiter ging als andere: Der 11. September war ein Angriff in den USA und ein Angriff auf die USA. Und die antworteten mit ihrem "Krieg gegen den Terrorismus" - ohne klar genug abzugrenzen, wo der Kampf gegen bewaffnete Gewalttäter aufhört und wo die Verdächtigung - und auch Verfolgung - von Muslimen allgemein beginnt.

Deutschland hat sich dem US-Kurs angeschlossen


Europa, auch Deutschland, hat sich dem amerikanischen Kurs angeschlossen: Nicht nur aus transatlantischer Treue, sondern auch aufgeschreckt durch die Bomben von Madrid und London, zuvor schon durch die Schläfer von Hamburg und dann die missglückten Kofferbomben in deutschen Bahnhöfen. Anders als in den USA hat dies in Europa aber vor allem die Diskussion ausgelöst, wie wir "es mit dem Islam halten": Ob die muslimischen Minderheiten sich in Europa integrieren lassen oder überhaupt integrieren wollen, und ob Islam und Demokratie überhaupt miteinander vereinbar sind. Eine Diskussion, die so manches Extrem hervorbrachte: Von der harten Forderung nach bedingungsloser Assimilation bis hin zu einer von übermäßiger "political correctness" geprägten Nachgiebigkeit.

Der Sache gerecht wurde man damit nicht. Nicht im Karikaturenstreit, auch nicht im Disput über die Papstrede von Regensburg. Der Fehler lag nicht allein auf der europäischen, nicht-muslimischen, sondern auch auf der muslimischen Seite. Hier wie auch außerhalb Europas: Zu wenig hat sich hier bisher ein klares und vernünftiges – im Sinne von "Vernunft betontes“ - Verhältnis zum Westen und seinem Gesellschaftssystem entwickelt. Zu rasch werden wirkliche oder auch nur empfundene Benachteiligungen als gezielte Diskriminierung missverstanden – was wiederum den Nährboden bereitet für die Demagogie des "Kampfes der Kulturen".

Beide Seiten müssen Kompromisse eingehen


Trotz aller gegenteiligen Argumente: Dieser "Kampf der Kulturen“ findet nicht statt. Zumindest nicht dort, wo diese Kulturen zusammen leben. Wie zum Beispiel in Europa. Natürlich wird es immer Verrückte auf beiden Seiten geben, die dieses Miteinander oder Nebeneinander stören, aber die breite Mehrheit ist doch ganz anderer Meinung: Die – zahlenmäßig wachsende – muslimische Minderheit will Europa nicht "islamisieren" und die nichtmuslimische Mehrheit ist meist vernünftig genug, von der Minderheit nicht eine Aufgabe ihrer selbst zu verlangen. Dabei müssen beide Seiten Kompromisse eingehen, der Gegenseite Respekt erweisen und sich in Toleranz üben.

Nur so kann ein friedliches Miteinander gelingen. Im Großen und Ganzen gelingt das in Europa. Auch in Deutschland. Was einen freilich nicht der Pflicht entbindet, immer verantwortungsbewusst mit dem Thema umzugehen und jene in die Schranken zu weisen, die dagegen verstoßen – sei es aus Unbedacht oder auch Absicht.





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