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Nahost

Der Gazakrieg 2.0

Der Krieg im Gazastreifen wird in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert. Wut, Trauer und Empörung dominieren die Debatte. Aber es gibt auch Foren, die sich für den Dialog einsetzen.

Ein Vater, der seinen getöteten Sohn in den Armen hält. Vier Kinder, die im Kofferraum eines Kleinwagens Schutz suchen. Ein Ehepaar, das fassungslos vor den Trümmern seines zerstörten Hauses steht. Die Fotos, die in diesen Tagen unter Hashtags wie #PrayForGaza und #PalestineUnderAttack über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet werden, zeigen den Angaben zufolge die eskalierende Gewalt im Gazastreifen. Oft sind sie verbunden mit der Forderung, die israelische Offensive gegen die radikalislamische Hamas sofort zu beenden.

"Israel muss daran gehindert werden, unschuldige Familien auszulöschen", schreibt ein Twitter-Nutzer unter dem Namen "Tweet_Palestine". Seit Beginn der Offensive am 8. Juli sind mehr als 700 Menschen im Gazastreifen getötet worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Auf israelischer Seite starben bisher mehr als 30 Menschen, davon drei Zivilisten. "Möge Gott jeden Arzt, jede Krankenschwester, jeden Sanitäter segnen", hofft ein User.

Forderung nach Schutz für die Bevölkerung

Der mangelnde Schutz für die Bevölkerung im Gazastreifen, aber auch für Ärzte und Berichterstatter wird im Netz immer wieder thematisiert. "Wir fordern umgehenden Schutz für #Journalisten, die über die Bodenoffensive in #Gaza berichten", twittert die deutsche Sektion der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen – und bekommt prompt die Gegenfrage: "Wie kann man Euch denn schützen, wenn es sogar null Rücksicht auf Frauen und Kinder gibt?"

Tweet der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen

Via Twitter fordert "Reporter ohne Grenzen" Schutz für Journalisten im Gazastreifen

Über Twitter bricht sich die Verzweiflung über die vielen unschuldigen Toten Bahn – teilweise in drastischen Worten: "Mir doch scheißegal wer wen warum #Palästina #Israel … können die nicht verflucht nochmal das Töten aufhören?" fragt Nutzerin Christine. "Es bricht mir das Herz, wenn ich an die Situation in Gaza denke", schreibt ein anderer Twitter-User, "so viele unschuldige Menschen sind bereits getötet worden." Und Steven ergänzt: "Auch nach zwei Wochen ist kaum zu erkennen, was die eine oder andere Seite damit erreicht hat."

Kritik an Israel und der Hamas

Unter dem Titel "Mein traurigstes Foto" hat sich auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst zu Wort gemeldet und eine Aufnahme vom Gaza-Konflikt veröffentlicht - aus dem Weltall. Von der Internationalen Raumstation ISS aus "sehen wir Explosionen und Raketen über Gaza und Israel", schreibt Gerst. Die ISS umkreist die Erde in etwa 400 Kilometern Höhe. Das Foto ist offenbar entstanden, als in Israel und den palästinensischen Gebieten Nacht war. Mehrere hell erleuchtete Stadtgebiete und mögliche Raketenschweife sind darauf zu erkennen. Diese könnten aber auch von dem Abwehrsystem "Eisenkuppel" in Israel stammen. Das System schießt Raketen ab, die aus Gaza abgefeuert werden.

Blick auf den Gazastreifen von der ISS (Foto: Alexander Gerst)

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hat den Gazastreifen vom Weltraum aus fotografiert

Wo die Gefahr von Raketen aus dem Gazastreifen in Israel gerade am größten ist, posten viele Israelis unter dem Hashtag #IsraelUnderFire. Auch die israelischen Streitkräfte sind bei Twitter und Facebook vertreten. Die Armee nutzt die Plattform, um ihre Militäraktionen zu erläutern - und hat bereits mehr als eine Million Fans. Das Vorgehen der israelischen Armee wird von vielen Twitter-Usern aber auch scharf kritisiert. "Gibt es noch irgendwelche Ziele in Gaza, die Israel nicht mit Granaten oder Geschossen treffen will?" fragt Joseph und spielt darauf an, dass die Armee bei weitem nicht nur die Gebäude und Waffenarsenale der Hamas zerstört, die ihr erklärtes Ziel sind. Auch Krankenhäuser und Schulen wurden zerstört. Der Zorn im Netz richtet sich aber nicht allein gegen Israel. Auch die Hamas wird in die Mangel genommen. "Keine Gnade den Terroristen!" schreibt ein Twitter-Nutzer. Und eine Gruppe jüdischer Studenten meint: "Hamas, nicht Israel, ist der wahre Feind der Palästinenser."

Versöhnliche Foren auf Facebook

Viele Kommentare auf Twitter und viele Profile auf Facebook sind voller Wut und Rachegedanken. Doch es gibt auch Initiativen, die sich für den Dialog einsetzen. Unter dem Hashtag #JewsAndArabsRefuseToBeEnemies und auf der gleichnamigen Facebook-Seite zeigen Juden und Araber seit gut zwei Wochen Fotos von überkonfessionellen Freund- und Liebschaften - und demonstrieren damit für ein Ende des Krieges im Gazastreifen. Mehr als 19.000 Facebook-Nutzern gefällt das.

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