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Wirtschaft

Der Euro kommt ins Kosovo

Offiziell gehört die Provinz Kosovo zu Jugoslawien. Weil die D-Mark hier aber schon lange Zweitwährung ist, wird das Kosovo auch den Euro bekommen. Eine Umstellung nicht ohne Schwierigkeiten.

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Kosovare beim Euro-Umtausch in Pristina

Argon Dida behauptet tatsächlich, dass er noch ruhig schlafen kann. In seinem Beruf ist das nicht selbstverständlich. Argon Dida ist der stellvertretende Direktor der Bank- und Zahlungsbehörde des Kosovo. Der UN-Übergangsverwaltung UNMEC untersteht sie und darf sich wohl auch deshalb nicht Zentralbank des Kosovo nennen. Neue Münzen und Scheine im Wert von einer halben Milliarde Euro sind hier schon eingetroffen. Sicherheitsbedenken sind Argon Dida trotzdem fremd. Das sagt er zumindest: "Wir haben hier unseren eigenen Wachdienst und sind mit modernsten technischen Mitteln wie eine Alarmanlage gesichert. Das entspricht den europäischen Anforderungen."

Ganz offiziell gehört die Provinz immer noch zu Jugoslawien. Und Jugoslawien ist weder Mitglied der Eurozone noch der Europäischen Union. Weil im Kosovo die D-Mark aber schon lange auch offiziell die Zweitwährung ist, beschloss die UNMEC den Euro einzuführen. Die politische Situation, in der die Währungsumstellung stattfindet, könnte günstiger sein. Auf der anderen Seite scheinen den meisten Kosovaren Bedenken etwa wegen der Stabilität der neuen Währung fremd zu sein. Das bestätigt auch ein Lehrer auf der Haupteinkaufsstraße von Pristina: "Der Euro ist im Kosovo willkommen", sagt der 50jährige und fügt hinzu: "Wir hoffen, das trägt dazu bei, uns zu einem Teil Europas zu machen."

Viele der serbischen Kosovaren dürften diese Hoffnung nicht so einfach teilen. Zehntausende leben vor allem im Norden bei Mitrovica, viele andere in Enklaven, die von der KFOR bewacht werden müssen. Dies bringe auch Probleme für den Tausch D-Mark gegen Euro. Mike Todt, der Sprecher der EU im Kosovo, nennt weitere Schwierigkeiten. Zum einen habe man im Kosovo viel weniger Vorbereitungszeit gehabt als in den anderen Ländern der Eurozone. Schwierigkeiten mache vielleicht auch das Bankensystem. "Die erste Bank wurde erst im Januar 2000 eröffnet", sagt Todt, "jetzt haben wir sieben Banken mit Lizenzen, darunter auch eine in Mitrovica, die für Serben und Albaner zugänglich ist. Aber es gibt hier ein kulturelles Problem, nämlich mangelndes Vertrauen in das Bankensystem."

300.000 Briefe hat die Übergangsverwaltung an die Familien im Kosovo geschickt. Die UNMEC versucht, alle Kosovaren davon zu überzeugen, gehortete D-Mark-Bestände bei den Banken einzuzahlen, dort also Konten zu eröffnen und so automatisch umzutauschen.

Doppelte Preisauszeichnungen in D-Mark und Euro sind im Kosovo natürlich auch nicht die Regel. Sogenannte Starter-Kits, erste Euro-Münzmischungen, sind nicht angekommen.

Immerhin haben die Geschäftsleute hier über Jahrzehnte mit vielen verschiedenen Währungen gearbeitet. Doch selbst das muss keine Garantie dafür sein, dass die Phase des gleichzeitigen Umlaufs von D-Mark und Euro in zwei Monaten abgeschlossen sein wird. Spätestens dann gibt es noch einmal ein Sicherheitsproblem, dass natürlich auch EU-Sprecher Todt fest im Blick hat: "Die Euro-Münzen und -Scheine sind aus Deutschland gekommen. Und dorthin müssen die D-Mark-Bestände im Gegenzug wieder zurück transportiert werden."

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  • Datum 08.01.2002
  • Autorin/Autor Gerwald Herter
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