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Welt

Das Wrack der "Costa Concordia" sackt ab

Die Rettungsarbeiten am Unglücksschiff "Costa Concordia" haben sich zum Nervenkrieg entwickelt. Weil das Wrack sich leicht bewegt hat, musste die Suche nach den Vermissten eingestellt werden.

Die Costa Concordia vor der Küste der Insel Giglio (Foto: dapd)

Das Schiffswrack droht komplett zu sinken

Messgeräte verzeichneten bei dem auf einem Felsen liegenden Wrack am Mittwoch (18.01.2012) eine leichte Bewegung. Das havarierte Kreuzfahrtschiff könnte in tieferes Gewässer abrutschen – zu gefährlich für die Taucher und Feuerwehrleute, die nach den Eingeschlossenen gesucht hatten.

Fünf Tage nach dem Schiffsunglück vor der toskanischen Küste meldeten die Behörden in der italienischen Stadt Grosseto, eine als vermisst gemeldete Deutsche sei in Deutschland ausfindig gemacht worden. Die Frau habe sich gegenüber der Polizei identifiziert. Damit gelten noch 21 Menschen als vermisst.

Noch 21 Menschen vermisst

Eine Suchmannschaft am Wrack der Costa Concordia (Foto: dapd)

Weil sich das Schiff bewegt, ist die Suche gefährlich

Das Auswärtige Amt in Berlin sprach bislang von zwölf vermissten Personen aus Deutschland. Es gebe allerdings "Hinweise" auf "eine sehr kleine Zahl" weiterer vermisster Bundesbürger.

Die "Costa Concordia" hatte Freitagabend mit mehr als 4200 Menschen an Bord vor der Küste der Insel Felsen gerammt und war havariert. Dabei kamen bisher mindestens elf Menschen ums Leben, wahrscheinlich gibt es auch deutsche Todesopfer. Der italienische Zivilschutzchef Franco Gabrielli sagte: "Mir scheint, dass das am Montag geborgene Opfer deutscher Nationalität ist." Doch das Auswärtige Amt bestätigte dies nicht.

Kapitän steht unter Hausarrest

Kapitän Francesco Schettino (r.) (Foto: dapd)

Der Kapitän (r.) streitet die Vorwürfe ab

Die Ermittler und die Reederei machen den Kapitän, Francesco Schettino, für das Unglück verantwortlich, weil er zu nah an die Insel Giglio herangefahren sei. Er soll eigenmächtig die gefährlich nahe Route gewählt haben, um seinem von der Insel stammenden Oberkellner die Möglichkeit zu geben, Giglio zu grüßen. Doch es war nicht das erste Mal, dass ein Kreuzfahrtschiff zu nahe an die Insel kam. Nach Augenzeugenberichten wählten in der Vergangenheit auch andere Boote den eigentlich verbotenen Kurs in Küstennähe.

Der 52-jährige Schettino befindet sich seit vergangener Nacht in seinen Heimatort Meta di Sorrento. Richterin Valeria Montesarchio hatte nach seiner dreistündigen Vernehmung am Dienstag den Haftbefehl gegen ihn in einen Hausarrest umgewandelt. Sie erklärte im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, es bestehe "keine Fluchtgefahr". Zudem sagte sie, dass der Kapitän zwar das Schiff verlassen habe, aber einige Stunden in einem Rettungsboot nahe des Schiffes geblieben sei.

Staatsanwalt Francesco Verusio, der nach der Havarie Schettino hatte festnehmen lassen, sagte, er verstehe die Entscheidung nicht. Er kündigte an, dagegen Einspruch einzulegen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kapitän mehrfache fahrlässige Tötung, Verursachung eines Schiffbruchs sowie Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vor. Dem Kapitän drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

"Ins Rettungsboot gefallen"

Schettino sagte, er habe das Schiff nicht aufgegeben, vielmehr mit dem Kurs nach der Kollision noch Menschenleben gerettet. "Ich wollte nicht abhauen, sondern habe Passagieren geholfen, ein Rettungsboot ins Wasser zu lassen", sagte er italienischen Medienberichten zufolge der Richterin. Doch veröffentlichte Gespräche zwischen Küstenwache und Kapitän belasten Schettino schwer: Sie könnten belegen, dass er das Problem heruntergespielt, das Schiff tatsächlich verfrüht verlassen und die Passagiere sich selbst überlassen hat. Er soll sich auch mehrfach geweigert haben, an Bord zurückzukehren. Zudem geht aus den Gesprächsprotokollen hervor, dass die Evakuierung völlig chaotisch verlaufen sei.

Costa Concodia bei Nacht vor der Kütse (Foto: dapd)

2400 Tonnen Treibstoff müssen abgepumpt werden

Schettino machte in der Vernehmung ein technisches Problem bei der Evakuierung dafür verantwortlich, dass er das Schiff frühzeitig verließ, berichten italienische Medien. Als der Absenkmechanismus blockierte, plötzlich aber wieder ansprang, "bin ich gestrauchelt und lag plötzlich zusammen mit den Passagieren im Boot". Daraufhin habe er nicht mehr auf das Schiff zurückkehren können, weil sich dieses schon zu sehr in Schräglage befunden habe.

Das 290 Meter lange und 114.500 Tonnen schwere Schiff liegt derzeit in starker Schräglage vor der Insel. Durch die Meeres- und Windbewegung droht es abzurutschen und vollkommen zu versinken. Naturschützer befürchten eine Umwelt-Katastrophe. Denn es befinden sich noch rund 2400 Tonnen Treibstoff im Rumpf des Schiffes, die gegebenenfalls austreten könnten. Somit könnte die toskanische Küstenregion verseucht werden.

Max Iguera von der beauftragten niederländischen Bergungsfirma Smit Salvage schätzt, dass es - sollte das Schiffwrack nicht sinken - zwei bis fünf Wochen dauern werde, die 21 vollen Tanks der "Costa Concordia" leer zu pumpen. Italiens Umweltminister Corrado Clini sagte, zur Bewältigung des Unfalls werde der Notstand erklärt. Schon im Verlauf des Mittwochs soll die Reederei Costa Crociere einen Plan für das Abpumpen vorlegen und innerhalb von zehn Tagen angeben, wie sie das gekenterte Schiff abtransportieren wolle. Auch Clini befürchtet erhebliche Umweltschäden, sollte der Treibstoff auslaufen.

Autorin: Naima El Moussaoui (dpa, rtr, dapd, afp)

Redaktion: Eleonore Uhlich/Julia Elvers-Guyot

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