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Aktuell Deutschland

CSD: Bunt, laut und selbstbewusst

Noch immer gibt es Vorurteile und Attacken gegen Homosexuelle. Für mehr Toleranz und Gleichstellung gehen zum Christopher Street Day (CSD) in Berlin Hunderttausende auf die Straße. Ihr Protest ist schrill, bunt und laut.

Gleich mehrere bunte Paraden der Schwulen und Lesben zogen durch die Hauptstadt. Zu der traditionellen und größten Demonstration in Charlottenburg kamen nach Angaben des Veranstalters mehrere hunderttausend Menschen und 30 Umzugswagen. Sie startete am Kurfürstendamm, dann zogen die Teilnehmer Richtung Siegessäule, um dort gemeinsam zu feiern.

Nach einem Streit mit dem CSD-Verein hatte sich noch eine zweite, deutlich kleinere Demonstration gebildet. Sie wurde von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit, Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (beide SPD) und der Vorsitzenden des Rechtsausschusses des Bundestages, Renate Künast (Grüne), eröffnet. Der Zug begann vor der Botschaft des homosexuellenfeindlichen Landes Uganda. Nach Angaben des Veranstalters kamen etwa 7000 Menschen.

Noch immer vorbestraft

Zuvor hatte Schwesig bei einer Gedenkfeier für die in der NS-Zeit verfolgten Homosexuellen eine vollständige Rehabilitierung von Opfern gefordert, die ab 1945 nach dem früheren Paragrafen 175 verurteilt wurden. Dieser belegte seit 1872 jede Art von sexuellen Handlungen zwischen Männern mit Strafe. Erst 1969 wurde er entschärft und 1994 endgültig aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Nach 1945 ist es laut Schwesig noch zu 54.000 Verurteilungen gekommen. Die Betroffenen gelten als vorbestraft.

Redner verschiedener Parteien und Gruppen beklagten zudem Homophobie im Alltag. "Das Schimpfwort 'schwule Sau' gehört runter von Schulhöfen und Stadien", kritisierte Schwesig vor Demonstranten. Die frühere Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, gab zu bedenken, dass Schimpfwörter nicht verboten werden könnten. Allerdings könne schon in Schulen aufgezeigt werden, was Vielfalt bedeute und wie wichtig sie sei. An diesem Samstag ging es aber auch um die Rechte der Menschen in Ländern mit schwulen- und lesbenfeindlichen Gesetzen wie Uganda oder Russland. Veranstalter und Politiker riefen zur Solidarität mit den Betroffenen auf.

Erinnerung an New York 1969

Der CSD steht weltweit für das Selbstbewusstsein sexueller Minderheiten - eine politisch korrekte Vokabel lautet aktuell: "LGBTI" ("Lesbian, gay, bisexual, transgender, intersex") - und ihren Widerstand gegen Diskriminierung. Der Tag erinnert an das Aufbegehren von Homo- und Transsexuellen gegen Polizeiwillkür am 27. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street. Die erste Parade in Berlin fand am 30. Juni 1979 statt. Dieses Jahr hatte es unter den Organisatoren Streit über den künftigen Namen der Parade gegeben. Darauf formierte sich ein Aktionsbündnis, das eine eigene Demonstration auf die Beine stellte. Wowereit appellierte an alle Beteiligten, sich wieder auf einen gemeinsamen Umzug zu einigen.

rb/jj (dpa, epd)