COP23: Bewegung für weltweiten Kohleausstieg | Wissen & Umwelt | DW | 16.11.2017
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Wissen & Umwelt

COP23: Bewegung für weltweiten Kohleausstieg

Kohlekraft führt zur Erderwärmung. Auf der Weltklimakonferenz bildet sich deshalb eine Länderallianz für den Kohleausstieg. Nicht dabei: Deutschland. Dabei mehren sich auch hier Stimmen für einen schnellen Kohleausstieg.

Kohle liefert derzeit rund 40 Prozent der Energie weltweit. Das dabei freigesetzte CO2 trägt als wichtigster Faktor zum Treibhauseffekt bei.

Großbritannien und Kanada haben auf der Weltklimakonferenz in Bonn jetzt eine Anti-Kohle-Allianz vorgestellt. Der Allianz schlossen sich unter anderen auch Fiji, Frankreich, Finnland, Dänemark, die Niederlande, Italien, Österreich, Portugal, Mexiko, Costa Rica, Neuseeland,  und mehrere US-Bundesstaaten an. Die Länder und Bundesstaaten wollen die Kohleverstromung bis spätestens 2030 beenden.

Zur sogenannten Powering Past Coal Alliance gehören derzeit insgesamt 20 Länder, bis zur nächsten Weltklimakonferenz 2018 in Polen sollen es 50 werden.

Die Abkehr von der Kohle-Energie sei der richtige Schritt, sagte Kanadas Umweltministerin Catherine McKenna. Kohle sei der "schmutzigste fossile Energieträger" und ersetzbar durch preisgünstige erneuerbare Energien. "Der Markt hat sich bewegt, die Welt hat sich bewegt, die Kohle kommt nicht zurück", fügte McKenna hinzu.

Mit dem zügigen Ausstieg aus der besonders schädlichen Kohle soll ein wesentlicher Schritt zur Umsetzung der Pariser Klimaziele erreicht werden. Alle Szenarien zeigen, dass die vereinbarten Klimaziele mit einer weiteren Nutzung von Kohle zur Stromerzeugung nicht erreichbar sind. Zudem könne die Gesundheit der Bevölkerung so besser geschützt werden. Kohle, so heißt es in der Erklärung, verursache massive Gesundheitskosten und sei verantwortlich für über 800.000 Todesfälle weltweit pro Jahr. 

Rückenwind für Kohleausstieg in Deutschland

Deutschland ist der Kohleallianz nicht beigetreten. "Ich habe um Verständnis gebeten, dass wir das nicht im Vorgriff auf die nächste Regierung entscheiden können", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. "Die Initiative wird uns aber auf dem Laufenden halten." 

Bei den derzeitigen Jamaika-Koalitionsverhandlungen wird über eine starke Begrenzung der Kohleverstromung gerungen, damit Deutschland seine international versprochene Minderung von Treibhausgasen bis 2020 noch erfüllt.

Derzeit liegt die Menge der deutschen Treibhausgasemissionen bei rund 906 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Im Jahr 2020 sollen es maximal noch 750 Millionen Tonnen CO2 sein. Das entspricht einer Reduktion um gut 17 Prozent.

Alle Experten sind sich einig, dass zur Verminderung der Treibhausgase die deutliche Reduzierung der Kohleverstromung unausweichlich ist.

"Deutschland muss die Stromerzeugung aus Kohle schnellstens reduzieren und mittelfristig beenden, sonst sind die Klimaziele in Deutschland nicht zu erreichen", sagt die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Sachverständigenrat für Umweltfragen, der die Bundesregierung berät. Kurz nach der Wahl empfahl das Expertengremium in einer Stellungnahme die Einleitung des unverzüglichen Kohleausstiegs.

Deutschland Demo von Kindern zur Klimakonferenz COP23 (DW/G. Rueter)

Junge Demonstrantin bei COP23: Sie und ihre Kinder werden den Klimawandel besonders spüren

Konzept vom Umweltbundesamt für Kohleausstieg

Das Umweltbundesamt (UBA) machte jetzt einen Vorschlag, damit die zügige Drosselung der Kohlekraft in Deutschland günstig und gut gelingen kann und die gesetzten Klimaziele auch erreicht werden können.

Dieser sieht vor allem zwei Maßnahmen vor: Zum einen sollen Braun- und Steinkohlekraftwerke, die älter als 20 Jahre sind, nur noch eine begrenzte Strommenge produzieren. Zum anderen sollten die ältesten und ineffizientesten Braunkohlekraftwerke stillgelegt werden. Das betrifft Kapazitäten in Höhe von mindestens fünf Gigawatt.

Diese Stilllegungen sollten zusätzlich zu den ohnehin geplanten Stilllegungen von 4 Gigawatt erfolgen. Beide Maßnahmen seien nach Berechnungen der UBA-Experten am kostengünstigsten und am schnellsten umsetzbar, um bis 2020  eine Reduktion von etwa 50 bis 65 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr bei der Stromerzeugung zu erzielen. Damit könne die Lücke für das deutsche Klimaziel zu einem Großteil geschlossen werden. 

Das Positionspapier des UBA betont zugleich, dass die Versorgungssicherheit in Deutschland durch die vorgeschlagenen Maßnahmen bestehen bleibt. Wind- und Sonnenkraft müssten jedoch deutlich schneller ausgebaut werden als bisher geplant: Die Ausbauziele müssten mindestens verdoppelt werden.

Kohleausstieg spart Kosten in Milliardenhöhe

Laut UBA könnte Deutschland mit einem Kohleausstieg erhebliche Kosten sparen. Würde die Kohleverstromung bis 2030 um deutlich mehr als die Hälfte reduziert, ließen sich alleine im Jahr 2030 Umweltkosten von mehr als 23 Milliarden Euro im Vergleich zu heute vermeiden, heißt es im Papier.

Würde man Gesundheits- und Materialschäden auf die Stromerzeugung umlegen, so würde sich laut UBA der Preis für Strom aus Steinkohle und Braunkohle um 16 - 19 Cent pro Kilowattstunde erhöhen, der Strom aus Wind und Sonnenkraft jedoch nur um bis zu zwei Cent. In der Gesamtbetrachtung bedeutet dies, dass Strom aus neuen Wind- und Solaranlagen im Vergleich zu Kohlekraftwerken mindestens drei Mal günstiger ist.

COP23 Klimademo in Bonn (DW/G. Rueter)

Klimaschutz, Kohleausstieg und Erneuerbare Energien: Farbenfrohe Demo während der Klimakonferenz in Bonn.

Bürger wollen Kohleausstieg in Deutschland

Nach einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid steigt die Zustimmung für einen Kohleausstieg in Deutschland. Demnach wollen 76 Prozent der Befragten einen Schrittweisen Kohleausstieg in Deutschland, um die nationalen Klimaziele zu erreichen. 

Besonders interessant an der Umfrage ist: Die Deutschen sind bei diesem Thema über Parteigrenzen hinweg ähnlicher Meinung. Die höchste Zustimmung zu einem schrittweisen Kohleausstieg gibt es bei Grünen-Wählern (99 Prozent), gefolgt von Anhängern der SPD (81 Prozent) und der CDU/CSU (75 Prozent). Bei AfD-Wählern lag die Zustimmung bei immerhin 70 Prozent.

Beauftragt wurde die Umfrage von der der globalen Bürgerbewegung Avaaz. Die "Bild"-Zeitung hatte Anfang November ebenfalls von Emnid eine ähnliche Umfrage durchführen lassen. Damals wollten 69 Prozent der Befragten Umwelt- und Klimaschutz im Zweifel Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen geben.

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