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Kultur

Come to where the Mafia is

Der bislang größte Tabakprozess ist in Washington in die erste Runde gegangen. 280 Milliarden Dollar Strafe soll die Zigarettenindustrie an die US-Regierung zahlen. Der Vorwurf: Mafiosi-Mauscheleien.

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Verliert die Tabak-Industrie den Prozess, drohen höhere Zigarettenpreise

Mit einem Anti-Mafia-Gesetz von 1970 will die US-Regierung vor einem Bundesgericht in Washington die Tabakindustrie zur Verantwortung ziehen. Darunter die ganz großen, wie Philip Morris USA, RJ Reynolds und Brown and Williamson. Die sollen die Gewinne aus fünf Jahrzehnten zurückzahlen - knapp 280 Milliarden Dollar. Die Anklage lautet auf Jahrzehnte lange kriminelle Verschwörung und Irreführung der amerikanischen Öffentlichkeit. Hier die Hauptpunkte der 2500 Seiten starken Anklageschrift:

Die Hauptanklagepunkte

Punkt 1: Verschwörung. 1953 sollen sich die amerikanischen Tabakherren im New York Plaza Hotel getroffen und konspirativ vereinbart haben, auf immer und ewig jegliche Gesundheitsschäden durch Nikotingenuss zu leugnen, obwohl die schädliche Wirkung zum damaligen Zeitpunkt bereits absehbar war.

Punkt 2: Irreführung. Die Tabakherren schufen zum Zwecke der Irreführung eigene Forschungsinstitute, etwa das Tobacco Industry Research Committee. Hierbei soll es laut Justizministerium nicht um die medizinische Untersuchung von Gesundheitsschäden durch Zigarettenkonsum gegangen sein. Vielmehr sollten diese Institute Lügenwolken in die Öffentlichkeit pusten, um die Chimäre einer wissenschaftlichen Kontroverse über die kausale Verbindung von Zigaretten und Raucherbeinen oder Lungenkrebs am Laufen zu halten.

Raucher raucht Zigarette - Weltnichtrauchertag

Lungenkrebs ist in Deutschland die die fünfthäufigste Todesursache

Punkt 3: Förderung der Abhängigkeit. Aus Profitgier sollen die Konzerne auch an die Zigarette selbst Hand angelegt haben. Um den Abhängigkeitseffekt der Süchtigen zu erhöhen, soll der Tabak mit verschiedenen Formen von Ammonium versetzt worden sein, um den Rauchern mit einer rascheren Nikotin-Zufuhr einen schnelleren Kick zu versetzen.

Punkt 4: Manipulation. Massiv sollen die Tabakherren psychologisch manipuliert haben, indem sie mit "Light"-Zigaretten die potentiellen Gesundheitsrisiken herunter gespielt hätten. Besonders dreist, weil ihre Forschungsinstitute gleichzeitig Gesundheitsschäden leugneten. Natürlich soll einkalkuliert gewesen sein, dass die armen Raucher den geringeren Nikotinanteil durch tieferes Inhallieren oder erhöhten Zigarettenkonsum kompensieren würden.

James Dean Smoking

Cool und easy: Marketingstrategien der Tabakindustrie

Punkt 5: Verführung Minderjähriger. Auch Kinder und Jugendliche soll die Tabakindustrie zum Glimmstengel verführt haben, indem ihre Werbestrategien gezielt Spots und Slogans mit jugendwirksamen Assoziationenen wie "Rebellion" oder "Unabhängigkeit" einsetzten.

Verschwörungs-Nachweis unwahrscheinlich

Für die Tabakherren steht viel auf dem Spiel: Kann ihnen die Regierung eine kriminelle Verschwörung mit Betrug nachweisen, sie also 280 Milliarden Dollar Strafe zahlen müssen, könnte einigen Konzernen der Bankrott drohen. Das scheint allerdings fraglich, denn die betroffenen Konzerne verweisen auf ihre veränderten Marketingstrategien einerseits und auf den bereits 1998 an 46 US-Bundesstaaten gezahlten 202-Milliarden-Dollar-Vergleich andererseits. Außerdem würde man seit einigen Jahren auf den Zigarettenschachteln vor Gesundheitsrisiken warnen. Sie haben Antrag auf Berufung gestellt, über dessen Annahme Bundesrichterin Gladys Kessler während des Prozesses entscheiden wird.

Raucher sind Steuerzahler

Die Klage war bereits unter Ex-Präsident Bill Clinton eingereicht worden und dann an seinen Nachfolger George W. Bush weiter gegangen. Der hatte sich zunächst um einen unternehmerfreundlichen Vergleich bemüht - Wahlkampf ist teuer, und immerhin bringt das Nikotin-Geschäft insgesamt jährlich rund 17 Milliarden Dollar Steuern ein. Nachdem Bush dem öffentlichen Druck schließlich nachgegeben hatte, wird nun die Dauer des bislang größte Tabak-Prozess mit 300 Zeugen auf mindestens sechs Monate geschätzt.

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  • Datum 22.09.2004
  • Autorin/Autor Katrin Matthaei
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5bIo
  • Datum 22.09.2004
  • Autorin/Autor Katrin Matthaei
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