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Kultur

Chance auf Jahrhundertwein

Für Landwirte eine Plage, für die deutschen Weinbauern ein Segen: die Hitzewelle. Mit etwas Glück wird aus dem Wein 2003 ein Spitzenwein.

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Die Sonne lässt hoffen

"In der ersten Hälfte dieses Jahres hatten wir durchschnittlich 340 Stunden Sonnenschein mehr als in normalen Jahren" schwärmt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut im Gespräch mit DW-WORLD. "Die Bedingungen sind wundervoll."

So süß wie möglich

Die Weintrauben brauchen viel Sonne, um zu reifen. Besonders in der letzten Reifephase wird Zucker aus den Blättern in die Traube transportiert. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Säure, vor allem der Äpfelsäure, die Weinsäure bleibt erhalten. Je mehr Sonne auf die Trauben scheint, desto mehr Zucker wird produziert und je mehr Zucker die Trauben enthalten, desto besser wird der Wein.

Weintrauben Pflege bei Östrich

Weintraubenpflege

"Daher ist es in nördlichen Weinanbaugebieten wie in Deutschland günstig, wenn der Reifeprozess früh einsetzt, weil dann die Trauben länger an den Reben hängen bleiben und mehr Zucker produzieren können", erklärt Büscher. Dank der Hitzewelle, die seit Wochen die Deutschen zum Schwitzen bringt, "ist das Qualitätspotenzial, das da draußen schlummert, enorm".

In ganz Deutschland haben die Trauben im Vergleich zu normalen Jahren einen Entwicklungsvorsprung von zwei bis drei Wochen. Bereits die Blüte hatte früher als gewöhnlich eingesetzt. Beispielsweise haben in Rheinhessen die Weinstöcke das letzte mal 1934 so früh geblüht, sagte Armin Göring, Geschäftsführer des Deutschen Weininstituts, der Deutschen Presseagentur.

Für die einen ein Segen – für die anderen das Aus

Sonnenblumen, Feld

Sonnenblumen: auf dem Feld vertrocknet

Die Kehrseite der Hitze ist die Trockenheit. Allerdings leiden Weinreben weniger unter ausbleibendem Regen. Der Grund: "Bei Getreide reichen die Wurzeln nur in rund 30 Zentimeter Tiefe, Wein dagegen hat Pfahlwurzeln, die bis zu 12 Meter tief in die Erde wachsen", erklärt Jürgen Stumpf, dessen Familie einen Weinberg in Franken in Süddeutschland hat. Das bedeutet: Wenn anderen Pflanzen längst das Wasser ausgegangen ist, können Weinreben immer noch Wasser aus der Erde saugen.

Zu viel des Guten ist auch nicht gut

In vielen Gebieten wie Mosel, Rheinhessen und Franken speichern die Böden Wasser. In anderen Gebieten, besonders in Süddeutschland, bereitet die Trockenheit den Weinbauern inzwischen etwas Probleme." sagt Büscher gegenüber DW-WORLD. "Die Weinstöcke brauchen etwas Regen, aber auch nicht zu viel."

Fällt zu viel Regen, könnte der die Trauben faulen lassen - fällt gar kein Regen, haben die Reben irgendwann zu wenig Wasser. Für die Trauben bedeutet das: Der Reifeprozess stoppt und die Trauben vertrocknen. Mit solchen Trauben kann man aber höchstens einen normalen, keinen Jahrhundertwein keltern.

Gut Ding braucht Weile

Weinlese

Weinlese

Auch die Weinlese beginnt 2003 früher als sonst. Das Deutsche Weininstitut verkündet, am Wochenende (16./17.8.2003) würde die Weinlese beginnen. Vereinzelt haben Winzer schon angefangen zu ernten. Beim augenblicklichen Reifestand produzieren sie einen regulären Wein. Einige Trauben werden jedoch von den Winzern hängen gelassen. Sie sollen weiter reifen, in der Hoffnung, es regnet noch ein bisschen für den ultimativen Wein 2003.

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