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Politik

Britischer Drahtseilakt

Wenn der britische Premier Tony Blair mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush zusammentrifft, ist das Ziel klar: Die enge Beziehung zu den USA festigen, aber gleichzeitig eigenes Profil zeigen.

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Verlässlicher US-Partner: Tony Blair

Tony Blair hat es nicht leicht: Außenpolitisch ganz "auf Linie" mit den USA, ist er einer der aktivsten Befürworter der US-amerikanischen Strategie im Irak-Konflikt. Innenpolitisch muss sich der britische Premier mit dem stetig wachsenden Widerstand seines Wahlvolks auseinandersetzen.

"Das Problem für Blair besteht darin, dass die deutsch-französische Position näher dran ist an den Empfindungen der meisten europäischen Bürger zu einem Krieg im Irak", kommentiert die linksliberale britische Zeitung "The Independent" die Politik des Premierministers.

Auch aus den Reihen der eigenen Partei kommt immer wieder Kritik: Blair sei doch nichts weiter als "the poodle", George W. Bushs Schoßhündchen, so der spöttische Vorwurf, der bereits vor einem halben Jahr die Runde machte. Doch ganz berechtigt ist diese Kritik nicht.

Besonderes Verhältnis

Blair selbst beschwört immer wieder die "special relationship" - die "besondere Beziehung" -, die sein Land mit den USA verbinde. Diese Beziehung war keineswegs immer nur positiv, sondern Produkt einer zwiespältigen Entwicklung: Die "Pilgrim Fathers" waren die ersten englischen Auswanderer, die den 13 britischen Kolonien in Nordamerika ihr Gepräge gaben – bis sich die Kolonien 1776 ihre Unabhängigkeit vom Mutterland erkämpften. Eine bittere Schlappe für Großbritannien. Der kontinuierliche Aufstieg der USA als Gegengewicht zum "Alten Europa" war nicht mehr aufzuhalten.

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg verkehrten sich die einstigen Abhängigkeitsverhältnisse ins Gegenteil: Großbritannien bekam von der ehemaligen Kolonie sogar eine dringend benötigte Finanzspritze aus dem Marshall-Plan.

Zwischen Europa und Übersee

1967 wusste der französische Präsident Charles de Gaulle den Beitritt der Briten zur Europäischen Gemeinschaft fürs erste zu verhindern. Daraufhin konzentrierte sich Großbritannien auf den Commonwealth und die Beziehungen zu den USA. Vor allem Margaret Thatcher, Premierministerin von 1979 bis 1990, pflegte ein sehr enges Verhältnis zu den USA: Präsident Ronald Reagan war ein enger Vertrauter der "Eisernen Lady".

Zwischen Bill Clinton und Tony Blair stimmte die Chemie ebenfalls. Beide gelten als Vertreter des "Third Way", einer politischen Richtung, die versucht die traditionellen Gegensätze zwischen Links und Rechts zu überwinden.

Dennoch, auch unter Blair lastet die selbstgewählte Abschottung vom "continental Europe" – dem europäischen Festland – den Briten noch immer an. Obwohl Blair alles andere als ein Euro-Skeptiker ist. "Durch die Verklammerung mit den USA ist Blair nicht in der Lage, den Vermittler zu den europäischen Nachbarn zu spielen. Diese Rolle kommt eher Frankreich zu. Aber in der undurchsichtigen ‚Konsenssoße‘ der Europäer ist sowieso nicht damit zu rechnen, dass sie zu einer gemeinsamen Position kommen werden", schätzt Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler an der Universität Dortmund, die aktuelle Entwicklung ein.

Kein Befehlsempfänger

Im Gespräch mit DW-WORLD erläutert Korte außerdem, wie sich die "special relationship" heutzutage darstellt. "Die USA integrieren die Briten bereits in der frühen Phase politischer Vorahnung‘. Blair wird eingebunden in die Entscheidungsfindungsprozesse, er ist kein bloßer Befehlsempfänger", sagt er.

Dies wird Blair gerade auch beim Treffen in Camp David unter Beweis stellen wollen. Denn der britische Premierminister weiss, dass dem Mini-Gipfel in der Nähe Washingtons vorentscheidende Bedeutung über das Vorgehen gegenüber dem Irak zukommt. Und er sitzt nicht am Katzentisch, sondern hat Mitspracherecht.

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