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Nahost

Bodentruppen vor Bombenteppich

Massive Luftangriffe mit Tausenden von Raketen und Bomben hatte das US-Militär für den Beginn des Irakkriegs angekündigt. Bislang verläuft der Krieg jedoch anders. Spekulationen von Experten über die "wahre" Strategie.

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Basra einnehmen und siegen?

In der Nähe von Basra waren am frühen Freitagmorgen (21.3.) schwere Explosionen zu hören, berichtet der arabische Fernsehsender El Dschasira. Doch zuvor waren britische, amerikanische und australische Bodentruppen unter schwerem Artilleriefeuer in das südliche Grenzgebiet zwischen Kuwait und dem Irak

Alliierte Flugzeuge über dem Irak

eingedrungen. "Es macht Sinn, so schnell wie möglich nach Basra zu gehen. Das ist die Stadt, in der Schiiten leben, die sehr gegen Saddam Hussein eingestellt sind. Wenn man Basra auf die eigene Seite bringt, dann hat man einen sehr großen, sicheren Aufmarschbereich", erläutert Ex-Nato-General Klaus Reinhard im Gespräch mit DW-RADIO die Bodenoffensive.

Bombardements sollen folgen

Iraks Präsident Saddam Hussein im irakischen Fernsehen nach den ersten Bombenangriffen auf Bagdad

"Die Operation kommt gegenwärtig nach Plan beziehungsweise schneller als geplant voran", kommentierte ein hochrangiger Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. Doch die Offensive hätte auch schiefgehen können. "Es ist nicht ganz ohne Risiko, wenn man Bodentruppen losmarschieren lässt, ohne vorher mit Luftangriffen den Widerstand des Gegners erheblich eingeschränkt oder gar gebrochen zu haben", gibt Gebhard Schweigler vom National War College in Washington im Interview mit DW-RADIO zu bedenken.

Derweil erläutert US-Verteidigungsminister Rumsfeld in Washington seine Strategie. Die bisherigen Luftangriffe seien kaum mehr als ein Vorgeschmack auf das Bombardement, das bald zu erwarten sei, sagte er. "Was darauf folgt, wird an Schlagkraft, Umfang und Ausmaß alles übertreffen, was wir bisher erlebt haben." In britischen Militärkreisen hieß es, die Großoffensive beginne in der Nacht von Freitag auf Samstag (21./22.3.). Ursprünglich sollte der Krieg überhaupt erst dann beginnen, vermutet Militärexperte Schweigler.

Was vom ursprünglichen Plan übrigblieb

Bomben auf Flugzeugträger Theodore Roosevelt

In der Nacht zum Donnerstag und auch in der Nacht zum Freitag sollten eigentlich keine Angriffe geflogen werden, "mit Rücksicht darauf, dass der Freitag der 'Sonntag der Muslime‘ ist. Man will die Muslime nicht noch mehr reizen, als man das ohnehin schon tut", so Schweigler. "Der Strich durch die Rechnung wurde gemacht, als man die Möglichkeit sah, vielleicht mit einem einzigen Schlag die gegnerische Führung empfindlich zu treffen." Das wiederum hätte die Gegenreaktion und den irakischen Angriff auf Kuwait ausgelöst und dem musste man wieder folgen, in dem man früher, als man wollte, mit den Bodentruppen einmarschiert sei. "Das Interessante ist", sagt auch Holger May vom Institut für strategische Studien, "dass ganz gezielt die Führung angegriffen wurde. Was dahinter stand, war zu zeigen, wie rasch die Marschflugkörper der Amerikaner auf spontane Ziele programmiert und zum Einsatz gebracht werden können."

Militärische Übermacht auf dem Vormarsch

US-Angaben zufolge trafen die Bodentruppen und die riesige Kolonne von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen bislang kaum auf Widerstand. "Im Moment bewegen sich die alliierten Streitkräfte noch in den Flugverbotszonen. Die Amerikaner werden selbstverständlich den Himmel freihalten - und bei möglichen Raketenangriffen ist es immer besser, aufgelockerte Truppen zu haben als Truppenkonzentrationen", erklärt Holger May bei DW-RADIO. Nicht nur er rechnet damit, dass die irakischen Truppen dem Krieg nicht gewachsen sind.

Britische Panzer stehen bereit in Kuwait

"Es sind mit Sicherheit keine duellartigen Kämpfe Panzer gegen Panzer zu erwarten. Denn die amerikanischen Panzerhubschrauber können auch auf Entfernung absolut zielsicher wirken, worauf die Iraker keine Chance haben zu reagieren", erläutert Klaus Reinhard. "Die konventionelle Armee mit 300.000 Mann ist auf dem Ausrüstungsstand der 1960er Jahre. Die Republikanische Garde, etwa 80.000 Mann, ist zwar moderner ausgerüstet, aber seit dem letzten Golfkrieg hat sich nichts geändert." Das sei frustrierend - mit den entsprechenden Folgen. "Wenn die Soldaten merken, dass sie keine Chance haben, sondern Kanonenfutter sind, das für Saddam geopfert wird, dann ziehen sie auch sehr schnell die weiße Fahne hoch."

Reinhard ist davon überzeugt, dass der Krieg nicht länger als zehn bis vierzehn Tage dauern wird. Gebhard Schweigler ist dagegen vorsichtiger. Er verweist darauf, dass bislang noch keine öffentliche Stimme überzeugend dargelegt hätte, dass der Krieg ein kurzer sein würde. Die Strategie der Bush-Regierung sei, sich nicht festzulegen. "Lieber einen längeren Krieg in Aussicht stellen, und ihn dann doch schnell gewinnen, als einen schnellen Krieg in Aussicht stellen, der sich dann nicht erzielen lässt", sagt Schweigler. (arn)

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