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Politik

Blutiger Lauf der Geschichte

Die EU-Friedenstruppe ist erstmals in die Kämpfe im Kongo verwickelt worden. Ob die Truppe in dem Land überhaupt Frieden stiften kann, ist fraglich. Der Krieg hat dort eine mehr als hundertjährige Geschichte.

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Unter Beschuss: französische Soldaten im Kongo

Im Nordosten Kongos kam es am Samstag (14.6.2003) zu einem Feuergefecht zwischen französischen Soldaten der neuen EU-Friedenstruppe und unbekannten afrikanischen Kämpfern. Nach Angaben eines dpa-Fotografen wurde die EU-Patrouille in einem Vorort von Bunia mit leichten Waffen angegriffen und erwiderte das Feuer. Die Soldaten, die unverletzt blieben, setzten bei dem ersten Gefecht seit Aufnahme ihrer Streifen am Montag außer leichten Waffen auch eine Panzerkanone ein. Über Verletzungen oder Verluste bei den Angreifern wurde nichts bekannt.

Rückblick

Kämpfe in Kongo französische Soldaten

Franz. Soldaten geraten unter Beschuss in Bunia (14.6.2003)

Krieg, Unterdrückung und das Leiden der Menschen haben eine lange Tradition in Kongo. Die systematische Ausbeutung und Zerstörung dieses Landes begann nach der Kongo-Konferenz 1884/85 - besser bekannt als Berliner Afrika-Konferenz. Damals ergriff der belgische König Leopold II vom Kongo Besitz. Zuvor hatte der berühmt-berüchtigte Journalist und Afrikaforscher Henry Morten Stanley als erster Mensch den afrikanischen Kontinent von Ost nach West durchquert. "Stanley war dafür berüchtigt, dass er sich seinen Weg nicht bahnte, sondern pflügte, und zwar mit Waffen und Munition", erklärt Afrikaexperte Reinhard Klein Arendt. "Er hat große Teile des heutigen Kongogebietes zusammengeraubt."

König Leopold II betrachtete den Kongo als seinen Privatbesitz. Innerhalb von nur 30 Jahren hatte Leopold mindestens eine Milliarde Dollar für seine Privatschatulle aus dem Kongo gepresst. "Man hatte ein Zwangsarbeitersystem aufgebaut, wobei die Arbeiter ausschließlich von der einheimischen Bevölkerung rekrutiert wurden. Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Menschen, wurden verheizt", berichtet Klein Arendt. Vielen Kongolesen sind die Hand oder der Arm amputiert worden als Strafe für nicht ausreichend geleistete Arbeit. Gleichzeitig schwärmte der König öffentlich vom "Freien Negerstaat" im Kongo. Erst 1960 wurde das Land unabhängig.

Freiheit und Gerechtigkeit

Patrice Lumumba

Patrice Lumumba auf einem Foto aus den frühen 1960er-Jahren

Gerade mal ein Dutzend Akademiker bildeten die geistige Elite des Landes. Dennoch träumte der charismatische Ministerpräsident und Kopf der Unabhängigkeitsbewegung des Kongo, Patrice Lumumba (Foto), von einer gesamtafrikanischen Bewegung und einem wirtschaftlich freien Land. "Lumumba hatte vor, die Minen- und Plantagengesellschaften zu verstaatlichen - keine politische Unabhängigkeit ohne wirtschaftliche Unabhängigkeit", erläutert Klein Arendt. Und: "Daran ist er gescheitert. Deshalb musste er sterben." Lumumba wurde von belgischen und amerikanischen Truppen gefangen und ermordet. Seine Überreste wurden zerhackt und verbrannt.

Aus dem politischen Chaos im bürgerkriegsgeschüttelten Kongo ging schließlich 1965 mit US-Unterstützung General Mobutu Sese Seko als Staatsoberhaupt hervor. Kurz darauf taufte er den Kongo in Zaire um. Mobuto entwickelte sich in den folgenden drei Jahrzehnten zu einem der größten Kleptokraten Afrikas. Doch als Spätfolge des Genozids in Ruanda 1994 stürzte der Mann mit der Leopardenfellmütze. Der Ostkongo wurde Flüchtlings- und Bürgerkriegsgebiet, wo sich Rebellenführer Laurent Kabila aufmachte, die im Westen liegende Hauptstadt Kinshasa zu erobern und Mobuto aus dem Land zu jagen.

Selbsternannter Präsident

1997 war es soweit: Laurent Kabila machte sich selbst zum Präsidenten. Aber auch er überlebte nur kurz. Anfang 2001 wurde er von einem Leibwächter ermordet, und sein Sohn Joseph Kabila übernahm die Führung des Landes, wohlwollend unterstützt von Belgien und den USA sowie von seinen Nachbarn, Uganda und Ruanda. "Kabila wurde genauso ausgerüstet wie jetzt die verfeindeten Hema und Lendu ausgerüstet werden. Das ist nicht zufällig", erläutert Klein Arendt. Während der neue Machthaber seine Machtbasis im Westen absichern konnte, sind die Befriedungsaktionen im Ostkongo bislang gescheitert.

Im Ostkongo befinden sich wertvolle Bodenschätze, auf die Staaten wie Ruanda und Uganda ein begehrliches Auge geworfen haben. Ein Teufelskreis, denn so entspann sich ein Krieg, der sich selbst finanziert. Uganda und Ruanda unterhalten im Nordosten des Kongo starke Armeen, um die dortigen Bodenschätze zu kontrollieren. Das nötige Geld entstammt genau aus diesen Bodenschätzen. "Uganda und Ruanda benehmen sich wie Kolonialmächte", fasst Klein Arendt zusammen. Sie finanzieren "kongolesische Armeen" - so wie die Hema und Lendu.

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