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Irak

Blutige Bombenanschläge in Bagdad

Seit Monaten verübt die sunnitische Terrorgruppe IS in der irakischen Hauptstadt blutige Anschläge auf Schiiten. Nun traf sie das belebte Viertel Karada. Kurz darauf ging in einem anderen Viertel eine zweite Bombe hoch.

Bei einem Autobombenanschlag im Zentrum von Bagdad sind wenige Tage nach Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan mindestens 15 Menschen getötet worden. Das teilten die Behörden mit. Zudem gab es zahlreiche Verletzte. Die sunnitische Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich über ihr Sprachrohr Amak zu dem Anschlag, der sich gegen eine "Versammlung von Schiiten" gerichtet habe.

Die Autobombe explodierte in der Nacht zum Dienstag vor einer Eisdiele im belebten Einkaufsviertel Karada. Sicherheitskräfte riegelten den Anschlagsort und die umliegenden Straßen ab. Fotos und Videoaufnahmen auf der Internetseite des Senders Al-Arabija zeigten brennende Gebäude, zerfetztes Restaurantmobiliar und mit Trümmern übersäte Straßen.

Nur wenige Stunden später explodierte in Bagdad eine zweite Autobombe, diesmal in der Nähe der nationalen Pensionsagentur im zentralen Viertel Karkh. Dabei wurden mindestens elf Menschen getötet und etliche weitere Menschen verletzt. Bisher ist unklar, wer den Anschlag verübt hat.

McGurk empört

Der US-Sonderbeauftragte für die Koordination der internationalen Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, verurteilte die erste Tat. "IS-Terroristen haben heute Abend in Bagdad Kinder und Familien angegriffen, die in einer Eisdiele zusammen Spaß hatten", teilte er über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

In den vergangenen Monaten hatte der IS wiederholt Ziele in Bagdad angegriffen. Die Terrorgruppe ist unter anderem für den blutigsten Anschlag seit Jahren im Irak verantwortlich, bei dem ein Selbstmordattentäter im Juli 2016 - ebenfalls in Karada - mehr als 320 Menschen mit in den Tod riss. Auch dieser Anschlag galt Schiiten. Danach reichte der damalige Innenminister seinen Rücktritt ein.

Der für Hunderte Millionen Muslime weltweit geltende Fastenmonat hatte am Wochenende begonnen und dauert bis Ende Juni. Mit Beginn des Ramadans wächst die Sorge vor neuen islamistisch motivierten Anschlägen. Im vergangenen Jahr hatte der IS mit einer Terrorserie in mehreren Ländern für Schrecken gesorgt.

Racheakt für Rückschlag in Mossul?

Derweil steht die Terrormiliz IS in der nordirakischen Großstadt unter wachsendem Druck. Bei ihrer Offensive auf mehrere Stadtviertel, die noch vom IS kontrolliert werden, kommen die Regierungstruppen nach eigenen Angaben voran. Die Soldaten seien inzwischen bis in die Zielgebiete vorgedrungen, teilte ein Sprecher des Einsatzkommandos mit. Der Westteil der zweitgrößten irakischen Stadt ist die letzte Hochburg des IS im Irak. Die Dschihadisten hatten Mossul im Sommer 2014 unter ihre Kontrolle gebracht. Die irakische Armee startete im Oktober 2016 die Rückeroberung.

Video ansehen 02:20

Kampf um Mossul: Krieg der Scharfschützen

Der Ostteil der durch den Fluss Tigris geteilten Stadt ist bereits seit Januar wieder unter Kontrolle der Regierung, die Offensive zur Rückeroberung des Westteils begann im Februar. Derzeit kämpfen sich irakische Einheiten durch die Stadtviertel al-Schifaa, al-Sindschili und al-Saha al-Ula nördlich der Altstadt. Dichte Bebauung und enge Gassen erschweren das Vorrücken. Nach Angaben des Einsatzkommandos stoßen die irakischen Truppen auf erbitterten Widerstand des IS. Die Dschihadisten bekämpften die Soldaten mit Selbstmordattentaten, Schüssen von Heckenschützen und mit Sprengstoff bestückten Fahrzeugen, sagte ein Militärsprecher.

Flugzeuge warfen zum zweiten Mal binnen einer Woche tausende Flugblätter über den umkämpften Stadtvierteln ab. Auf ihnen wurden die verbliebenen Einwohner aufgefordert, die vom IS kontrollierten Gebiete in Richtung der Armee zu verlassen. Die Hilfsorganisation Save the Children hatte dies zuletzt scharf kritisiert. Zivilisten und insbesondere auch Kinder würden dadurch dem Risiko ausgesetzt, ins Kreuzfeuer zu geraten.

kle/hk (dpa, afp, ape)

 

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