1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

"Black is beautiful"

Mit dem Sieg von Halle Berry und Denzel Washington ist bei der glanzvollsten Oscar-Gala seit langem ein neues Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Filmindustrie aufgeschlagen worden.

default

"Oh, mein Gott. Dieser Moment ist viel größer als ich es mir je hätte vorstellen können. Ich fühle mich so geehrt."

"Black is beautiful" wurde in der Oscar-Nacht zum meistzitierten Spruch, nachdem Halle Berry als erste Schwarze in der Oscar-Geschichte den Preis für die beste Hauptdarstellerin bekam. Denzel Washington ist seit dem Beginn der Oscar-Verleihungen vor 74 Jahren erst der zweite Afroamerikaner, den Hollywood als Hauptdarsteller mit seinem goldenen Ritter ehrte.

Bester Film wurde Ron Howards Drama um Genie und Wahnsinn "A Beautiful Mind", das insgesamt vier Oscars erhielt. Auch "Der Herr der Ringe" bekam vier Oscars, allerdings in Neben-Kategorien.

Oscar-Siegerin mit großer Mission

Mit Tränen in den Augen und nahezu fassungslos rang Berry bei ihrer Dankesrede nach Worten. Den Preis nehme sie nicht für sich allein entgegen, sondern "für namenlose, noch unbekannte Farbige, die jetzt eine Chance bekommen, denn die heutige Nacht hat eine Tür aufgestoßen". Als sie die Redezeit von 45 Sekunden überschritt, rief die Schauspielerin, die demnächst als das neue "Bond-Girl" zu sehen sein wird, in den Saal: "74 Jahre hat es gedauert, jetzt nehme ich mir einfach die Zeit."

Die 35-Jährige setzte sich mit der Darstellung der Witwe eines schwarzen Polizistenmörders durch, die sich in dem Südstaaten-Drama "Monster's Ball" ausgerechnet in dessen weißen Gefängnisaufseher verliebt. Sie verwies die lange favorisierte Oscar-Preisträgerin Sissy Spacek ("In the Bedroom") ebenso auf die Plätze wie Nicole Kidman ("Moulin Rouge").

Triumpf der Afroamerikaner

Denzel Washington und Halle Berry bei der Oscarverleihung 2002 in Los Angeles

Denzel Washington ließ zur Überraschung vieler den aus Neuseeland stammenden Star Russel Crowe hinter sich zurück, der in "A Beautiful Mind" den gegen die Schizophrenie ankämpfenden Nobelpreisträger John Nash gespielt hatte. Crowe hatte im vergangenen Jahr als "Gladiator" gewonnen und wäre im Falle eines erneuten Sieges der erste Nicht-Amerikaner geworden, der den Hauptdarsteller-Oscar gleich zwei Mal hintereinander bekommt. Nach Überzeugung vieler US-Kritiker hatte er seine Chancen bei den rund 5.700 stimmberechtigten Mitgliedern der Academy of Motion Picture Arts and Sciences jedoch durch arrogante Ausfälle in der Öffentlichkeit verspielt.

Anders als Berry wollte Washington, der bereits 1989 mit "Glory" einen Oscar als bester Nebendarsteller gewann, seinen Preis nicht unbedingt mit einer schon Wochen vor den Oscars entbrannten Debatte über den "subtilen Rassismus Hollywoods" in Verbindung bringen. "Schaut Euch doch Randy Newman an", sagte er Journalisten hinter der Bühne. "Der war 16 Mal nominiert bis es geklappt hat. Als Weißer kann der das nicht auf den Rassismus schieben." Newman siegte mit seinem Titelsong für den Animationsstreifen "Die Monster AG".

Washington hatte vor seinem Sieg als Hauptdarsteller drei Mal vergeblich gehofft. Jetzt gewann er mit der Darstellung eines korrupten Polizisten in "Training Day".

Für Washington und Berry hatten sich zahlreiche weiße Stars stark gemacht. "Ich mag nicht in einer Umgebung leben, wo ich einen Hauptrollen-Oscar bekommen kann, Denzel aber nicht", erklärte Julia Roberts, die zu den ersten Gratulanten gehörte.

Zu einem wahren Fest der Afroamerikaner wurde die Show im nagelneuen Kodak Theater, mit der die Oscars nach Jahrzehnten in Los Angeles und anderen Orten wieder an ihren Geburtsort in der Kleinstadt Hollywood zurück kehrten, auch durch Sidney Poitier und Whoopi Goldberg.

Whoopi Goldberg bei der Eröffnung der Oskarverleihung 2002

Sidney Poitier war 1963 als erster Schwarzer mit einem Hauptrollen-Oscar geehrt worden. Er erhielt nun einen Sonder-Oscar für sein Lebenswerk. "Ich nehme diese Auszeichnung an im Gedenken an alle anderen afroamerikanischen Schauspieler, auf deren Schultern ich hier stehe."

Whoopi in Höchstform

Sidney Poitier bei der Oskarverleihung in Los Angeles

Goldberg führte mit etlichen heftig beklatschten Lachnummern durch die Gala-Nacht. In Anspielung auf den harten Konkurrenzkampf um die Oscars, sagte sie am Anfang: "In diesem Jahr ist so viel Dreck geschleudert worden - jetzt sehen alle Nominierten schwarz aus."

Premiere für Woody Allen

Der bewegendste Moment der Oscar-Nacht war gekommen, als Kevin Spacey darum bat, der Opfer der Terroranschläge vom 11. September zu gedenken. Die mehr als 3.000 Gäste erhoben sich für eine Schweigeminute von ihren Plätzen.

Vorher hatte Woody Allen, der erstmals überhaupt zu einer Oscar-Verleihung kam, eine kleine Retrospektive von New-York-Filmen mit einem Tribut an seine Heimatstadt eingeleitet. "Der Gedanke dort wieder zu drehen, wo einst
das World Trade Center stand und wo jetzt diese Wunde klafft, der tut weh", sagt er Journalisten hinter der Bühne. (dpa/kas)

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links