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Wirtschaft

Bioboom ohne deutsche Bauern

Bioprodukte gehören in vielen Geschäften in Deutschland zum Standard. Die Nachfrage steigt, aber der Anbau hinkt hinterher. Viele Bioprodukte werden importiert, weil hierzulande nicht genug produziert wird.

Bioäpfel aus Argentinien, Tomaten aus Spanien - beim Blick auf die Auslage in deutschen Bio-Supermärkten kann man als Verbraucher ins Grübeln kommen. Da möchte man ökologisch korrekt und nachhaltig einkaufen, doch zahlreiche Obst- und Gemüsesorten haben einen langen und wenig umweltfreundlichen Transportweg hinter sich. Nicht nur Bio-Produkte, die hier nicht angebaut werden können, wie Bananen oder Mangos kommen aus anderen Ländern. Kartoffeln, Äpfel und Gurken, aber auch Schweinefleisch und Milchprodukte werden ebenfalls für den deutschen Markt importiert.

Bio-Kaffeeanbau in Uganda (Foto: DW/Ludger Schadomsky)

Bestimmte Lebensmittel wie Kaffee können nur importiert werden

Laut einer aktuellen Studie der Universität Bonn kommt sogar jeder zweite Bioapfel aus dem Ausland. Während sich das Handelsvolumen mit diesen Produkten in Deutschland nach Angaben der Studie in den letzten Jahren verdreifacht hat, wuchs die Anbaufläche für Bioprodukte nur auf gerade mal 6,3 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Der Boom im Biobereich geht an den deutschen Bauern vorbei. Das hat nicht nur wirtschaftliche Folgen für den einzelnen Bauern, sondern in der Biolandwirtschaft könnten auch deutlich mehr Arbeitsplätze entstehen.

Bioanbau nicht attraktiv für deutsche Bauern

An zuwenig Förderung, meinen Experten, scheitert der deutsche Bio-Anbau nicht. Die einzelnen Bundesländer, die Bundesregierung und sogar die EU fördert Bioanbau, aber es gibt keine konstante Entwicklung. "Viele Bauern fragen sich, ob sich der Anbau auf lange Sicht lohnt, und ob die Förderungen verlässlich sind. Einige Bundesländer haben diese deutlich gekürzt oder sind sogar aus dem Programm ausgestiegen", erklärt Ulrich Köpke, Herausgeber der Studie der Universität Bonn, im Gespräch mit der Deutschen Welle. Auch der Preisabstand zwischen Bio- und Nicht-Bioprodukten ist inzwischen so klein, dass sich eine Umstellung nicht lohnen würde.

Der Ausbau von Bio-Landbau stagniert in Deutschland schon seit ein paar Jahren. Viele Bauern stellen mittlerweile vom ökologischen Anbau auf den herkömmlichen zurück. In den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein war im Jahr 2010 die Zahl der Flächen, die eine Umstellung von Bioanbau auf konventionelle Landwirtschaft machten, höher als andersherum. Grund dafür ist nicht nur, dass der Preisunterschied zu konventionellen Produkten gesunken ist, sondern auch, dass der Ertrag gering ist. "Erfahrungsgemäß bedeutet die Umstellung auf Biolandwirtschaft in den ersten Jahren einen Rückfall in den Erträgen. Der jahrelang gedüngte Boden muss lernen, ohne zusätzliche Düngemittel auskommen", sagt Markus Arbenz von der Internationalen Vereinigung ökologischer Landbaubewegungen (IFOAM) gegenüber der DW.

Grafik: Die Zunahme ökologisch bewirtschafteter Agrarflächen in der EU (Foto: 2013_05_13_bio_agrarfläche.psd)

Die Zunahme ökologisch bewirtschafteter Agrarflächen in der EU

Deutschland hinkt dem Rest der EU hinterher

Wer sich als Bauer an Bio-Kriterien hält, der hält seine Tiere auf größeren Flächen und setzt weniger Dünger ein als seine konventionell arbeitenden Kollegen. Im EU-Durchschnitt ist die Bioanbaufläche in den letzten Jahren um 50 Prozent angestiegen. Frankreich hat, als Land mit dem zweitstärksten Bioumsatz, einen Zuwachs von 60 Prozent gehabt. In Polen ist die Fläche sogar um 500 Prozent gewachsen.

Deutschlands Nachbarländer haben aus verschiedenen Gründen beim Bioanbau aufgeholt. In der Regel ist der arbeitsintensiver als konventionelle Landwirtschaft. Staaten mit niedrigen Löhnen haben deswegen Wettbewerbsvorteile. Auch das Wetter spielt eine entscheidende Rolle. Wer auch im Winter Zucchini und Tomaten essen möchte, kann kein Gemüse aus deutschem Anbau erwarten.

Ssozi Muwangwa, Biobauer aus Uganda (Foto: DW/Ludger Schadomsky)

Entwicklungsländer sehen Bioanbau als Chance für einen wirtschaftlichen Aufschwung

Österreich führt in der EU den Biomarkt an: Kein EU-Land wirtschaftet auf seinen Flächen ökologischer -13 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe waren im Jahr 2010 bio-zertifiziert. Den zweiten Platz belegt Tschechien. Das Land setzte nach der Wende schnell auf Bio-Anbau, gründete einen Bioverband, und baute die nötigen Strukturen auf - eine Entwicklung, die sich heute auszahlt. Aber auch außerhalb der EU wächst die Bioindustrie. Erkennbar sind entsprechende Entwicklungen in Argentinien, Äthiopien, Australien, Brasilien, China, Indien und Peru.

Chance für Entwicklungsländer

Kritiker argumentieren, dass lange Transportstrecken etwa aus Ländern in Asien oder Afrika nicht dem Bio-Gedanken entsprechen. Arbenz meint, dass der Bioanbau Entwicklungsländern auch Chancen bietet, um Armut zu bekämpfen und mehr Umweltschutz umzusetzen. Hier würden nicht nur große Unternehmen profitiere, auch kleineren Bauern bekämen Absatzchancen.

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