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Afrika

Investoren entdecken Afrikas Landwirtschaft

Internationale Investoren haben Afrikas Agrarsektor entdeckt. Doch wie kann die Landwirtschaft so modernisiert werden, dass auch die Afrikaner selbst davon profitieren? Ein Thema auf der "Africa Business Week".

Burundische Frauen beackern ein Feld (Foto: picture alliance/africamediaonline)

Nachhaltige Landwirtschaft soll auch Kleinbauern Knowhow und Zugang zu Märkten bringen.

Die Zahl der Einwohner auf dem afrikanischen Kontinent wächst rasant. Noch leben dort eine Milliarde Menschen, bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl verdoppelt haben - so die Prognose. Immer mehr von ihnen werden in Zukunft in den Städten leben. Und alle müssen essen und trinken. Die Nachfrage nach Lebensmitteln steigt stetig und die afrikanische Mittelschicht erwartet eine hohe Qualität. Afrikas Landwirtschaft steht also vor einer gewaltigen Herausforderung - da sind sich die Experten auf der Africa Business Week in Frankfurt am Main einig.

Investoren aus aller Welt machen sich deshalb schon heute überall auf dem Kontinent auf die Suche nach ertragreichen Böden. Viele haben dabei aber zunächst die Märkte in ihren Heimatregionen im Blick: Getreide und Gemüse werden oft direkt von den afrikanischen Farmen in die arabische Welt oder nach Asien exportiert. Nur wenige Afrikaner profitieren in solchen Fällen von den Investitionen.

Moderne Technik hält die Jugend im Dorf

Mpoko Bokanga, Chef von UNIDO (Foto: Thomas Mösch/DW)

Mpoko Bokanga: "Ausländisches Knowhow allein reicht nicht."

Mpoko Bokanga von der UN-Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) fordert deshalb, dass Investoren auch die lokalen Bauern unterstützen sollen, damit sie bessere Ernten und damit höhere Erträge erwirtschaften. Wer allein mit ausländischem Knowhow moderne Agarbetriebe aufbaue, der werde den vielfältigen Problemen nicht gerecht, warnt Bokanga.

Wer es richtig mache und moderne Technik auf die Felder bringe, könne auch die weit verbreitete Landflucht eindämmen. "Das würde es attraktiver für junge Leute machen, auf den Farmen zu arbeiten. Und es würde natürlich die Produktivität erhöhen. Das wäre ganz eindeutig eine Win-Win-Situation", so Bokanga.

Moderne Technik allein könne aber nicht die Lösung sein, betont Bokanga, der selbst aus der Demokratischen Republik Kongo stammt. Die UNIDO habe deshalb den gesamten Produktionsprozess im Blick: den Anbau auf den Feldern, die Ernte, die Verarbeitung und die Vermarktung der landwirtschaftlichen Produkte.

Soja und Weizen für Sambia

Der deutsche Unternehmer Carl Heinrich Bruhn, Chef der Firma Amatheon (Foto: Thomas Mösch/DW)

Carl Heinrich Bruhn: Per Zentralfarm angrenzende Kleinbauern integrieren

Einer, der sagt, er verfolge einen solchen ganzheitlichen Ansatz, ist der deutsche Unternehmer Carl Heinrich Bruhn, Chef der Firma Amatheon. Das Unternehmen will in Afrika ertragreiche Agrarbetriebe aufbauen, um seinen Investoren hohe Renditen bieten zu können. Für das erste Projekt hat die Firma 30.000 Hektar in Sambia gepachtet - mit einer Laufzeit von 99 Jahren.

Die Fläche liege in einem seit langem für kommerzielle Landwirtschaft vorgesehenen Gebiet, aber die Eigentümer hätten bisher nicht das Geld für die nötigen Investitionen gehabt. Amatheon habe sich die Umstände vor Ort zunächst genau angesehen, so Bruhn. Denn die Deutschen wollten auf keinen Fall in den Ruf kommen "Landgrabbing" zu betreiben - also Landnahme auf Kosten der lokalen Bevölkerung.

Seine Firma habe zusammen mit den lokalen Bauern ein Konzept entwickelt, dass allen Seiten Vorteile bringen soll, erklärt Bruhn. So hätten die Bauern in dem abgelegenen Gebiet bisher keinen Zugang gehabt zu Dünger, Saatgut oder Pflanzenschutzmitteln. "Dadurch, dass wir dann eine Zentralfarm aufbauen, können wir genau diese Stoffe liefern, mit denen dann die kleineren Farmer ihren eigenen Produktionszyklus starten können".

Zugang zu Märkten schaffen

Seine Firma wolle den selbständigen Bauern dann auch helfen, ihre Produkte zu vermarkten, erklärt Bruhn. Denn bisher hätten die Nachbarn von Amatheon keinen Zugang zu den Großmärkten in der Hauptstadt Lusaka. "Diesen Zugang können wir bieten, weil wir die Produkte, die produziert sind, aufkaufen und über unsere Logistik dann in die Hauptstadt bringen und sie dort wieder verkaufen können."

Ende April erntet das deutsche Unternehmen das erste Mal Soja. Dann soll Weizen ausgesät werden. Beides ist nicht für den Export gedacht, denn in Sambia selbst gebe es eine große Nachfrage. Ganz ohne Probleme verläuft allerdings auch dieses Geschäft nicht. "Eigentlich sollten wir schon seit Januar an das öffentliche Stromnetz angeschlossen sein. Doch der Bau der Leitung stockt", klagt der deutsche Investor. Er ist aber optimistisch, dass seine Mitarbeiter schon in wenigen Wochen die Generatoren wieder ausschalten können.

Afrikas Böden brauchen viel Pflege

Birgit Wilhelm vom WWF Deutschland (Foto: Thomas Mösch/DW)

Birgit Wilhelm: düngen ja, aber mit Rücksicht aufs Ökosystem

Die Umweltschutzorganisation WWF sieht das steigende Interesse an Afrikas Böden mit Skepsis. Grundsätzlich sei es notwendig, die Produktion von Nahrungsmitteln zu erhöhen, sagt Birgt Wilhelm, die beim WWF Deutschland für nachhaltige Landwirtschaft zuständig ist. Auch sie weiß, dass 60 Prozent der heute weltweit nicht genutzten Landwirtschaftsflächen in Afrika liegen.

Doch Birgit Wilhelm gibt zu bedenken, dass die Böden in Afrika viel ausgelaugter seien als in anderen Weltgegenden - und damit arm an Nährstoffen. "Das sind geologisch alles sehr, sehr alte Böden" erklärt sie. Das sei auch den Investoren bekannt. Deren Antworten seien oft aber wenig einfallsreich, kritisiert die Umweltschützerin. "Man sagt, die Böden sind arm, da braucht man Nährstoffe, deswegen muss gedüngt werden, ohne die Prozesse und das Ökosystem zu beachten."

Insbesondere wenn es um den Anbau von Pflanzen für Bio-Treibstoffe gehe, müsse man aufpassen, dass die Investoren nicht nur auf schnelle Renditen setzen und dann nach einigen Jahren zerstörte Böden zurückließen, warnt Wilhelm. Sie würden dann immer wieder neue Flächen brauchen. Dieser Teufelskreis würde die Artenvielfalt insgesamt zerstören und somit auch die Fruchtbarkeit der Böden dauerhaft verschlechtern.

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