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Wirtschaft

Billig um den Globus

Deutschlands Urlauber reiben sich die Hände: Langstreckenflüge für 99 Euro, das ist konkurrenzlos billig - aber auch am Rande dessen, womit Fluggesellschaften ihre Kosten decken können.

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Zu Schnäppchenpreisen über den Großen Teich

Reisende am Flughafen

Das Fernweh ruft

Seit Airlines wie Germanwings, Ryan Air oder Easy Jet zum "Taxipreis" durch Europa fliegen, war es nur eine Frage der Zeit: Jetzt geht es für einen Spottpreis um die Welt. Das Traditionsunternehmen Condor will als erste und einzige deutsche Fluggesellschaft Amerika, Afrika und Asien zu Preisen ab 99 Euro ansteuern. Ralf Teckentrup vom Vorstand der Muttergesellschaft Thomas Cook erhofft sich von dieser Strategie eine Steigerung der Auslastung von derzeit 85 auf 90 Prozent. Bereits im Geschäftsjahr 2004/2005 sollen die Billigflüge Condor einen Ergebniszuwachs von 240 Millionen Euro bescheren.

Nur PR-Strategie?

Gerd Aberle, Verkehrswissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität in Gießen betrachtet diese Kampfpreise eher kritisch: "Dieses Angebot ist lediglich ein 'eyecatcher', um Aufmerksamkeit zu erregen und den Markt zu erschließen." Längerfristig sei das von Condor angepriesene Kontingent von 40.000 Tickets in dieser Preisklasse jedoch nicht finanzierbar. Aberle rechnet damit, dass die billigen Tickets dann lediglich noch zehn Prozent der verfügbaren Gesamtplätze ausmachen werden. "Und auch die können trügerisch sein", fügt er hinzu, "denn es handelt sich stets um Einfachflüge, der Rückflug wird dann meist erheblich teurer."

Keine Flexibilität

Condor kalkuliert diese Niedrigpreise durch Einsparungen bei den Sach- und Personalkosten, doch genau bei diesen knappen Rechnungen sieht Bernd Aberle das Problem: Der Konkurrenzdruck sei groß, Rationalisierungsmöglichkeiten weitgehend ausgeschöpft und somit könnten diese "low-cost-carrier" Veränderungen des Marktes kaum abfedern.

Ein Lufthansa Flugzeug startet vom Frankfurter Flughafen

steigende Rohölpreise machen den Fluggesellschaften zu schaffen

Bestes Beispiel: die steigenden Rohölpreise, die derzeit auch den Billigfliegern zu schaffen machen. Die Kerosinpreise sind für die Airlines nach den Personalkosten der größte Kostenfaktor und machen nach Aberles Schätzungen rund 25 Prozent des Gesamtaufwandes aus. Nach den Anschlägen in Saudi-Arabien vom vergangenen Wochenende hatte der Ölpreis weltweit sofort kräftig angezogen und pendelt derzeit um rund 40 Dollar pro Barrell (159 Liter).

Entscheidung in der Hand der Saudis

Mit Spannung erwarten daher auch die Fluggesellschaften das Treffen der erdölexportierenden Länder OPEC am 3. Juni in Beirut, bei dem über eine Erhöhung der Förderungsmengen abgestimmt werden soll. Aberle schätzt die Einigungsmöglichkeiten dieses "sehr heterogenen Kreises" als eher gering ein. Letztlich könnten nur die Saudis die Förderungen ausweiten, da sie als einzige ihre Kapazitäten mit 85 Prozent noch nicht voll ausschöpfen. Die übrigen Länder fördern an ihrem Limit. Doch die blutigen Anschläge Ende Mai hätten gezeigt, wie stark die Widerstände sind. Das sei durchaus als Warnung zu deuten, mit der die Entscheidung zur Erhöhung der Fördermenge verhindert werden solle.

Klimakiller Nummer eins

Urlauber in Italien Strand von Rimini

Für ein Wochenende in die Sonne

Währenddessen laufen Umweltschützer Sturm gegen den neuen Billigfliegerboom: Werner Reh, Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erwartet, dass sich so der Flugverkehr als energieintensivste Art der Fortbewegung zum "Klimakiller Nummer Eins" entwickeln wird. Denn: Ob zum Shoppen nach Paris oder zum Lunch nach London - Billigangebote verführen zu Flügen, die zu normalen Preisen nicht gemacht werden würden. "Die Billigflieger", so Aberle, "haben ein völlig neues Marktsegment erschlossen."

Er vertraut auf die Selbstheilungskräfte dieses Marktes: "Langfristig muss bei solchen Kampfpreisen eine Marktbereinigung stattfinden, und das Preisniveau wird steigen." Gut für die Umwelt - schlecht für den deutschen Urlauber.

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