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Erster Weltkrieg

Bildergeschichten: Will Gott das wirklich?

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1915: Deutsche Soldaten beten bei einem Feldgottesdienst.

Da stehen sie, in Reih und Glied, lauschen dem Pfarrer und beten zu Gott. Es ist wieder Herbst geworden in den Vogesen, für die deutschen Soldaten fern der Heimat. Der Weltkrieg ist gerade in sein zweites Jahr gegangen, ein Ende der Kämpfe nicht in Sicht. Und je länger der Krieg dauert, desto fragwürdiger erscheinen die Parolen aus dem vergangenen Sommer, die den Deutschen einen schnellen und siegreichen Feldzug in Aussicht stellten. Und da war auch der liebe Gott: Er werde die deutschen Soldaten zum Sieg führen, hatten Pfarrer und Bischöfe versprochen. "Gott will es", hatten sie den Gläubigen zugerufen.

Dass sich Katholizismus und Protestantismus im Sommer 1914 massiv für die deutschen Kriegsanstrengungen engagierten, war für die Militärs und die Reichsführung eine willkommene Unterstützung: Überall im Reich knieten Soldaten auf den Stufen der Altäre und wurden gesegnet. Den Kirchen ging es einerseits um die Treue zum Kaiser und Vaterland, andererseits waren sie begeistert über den geradezu explodierenden Kirchenbesuch: In der Stunde der Not waren die Kirchen wieder voll. Der Krieg als Glücksfall für die Moral des Volkes? Der "Ruf zu den Fahnen" wurde in beiden Kirchen tatsächlich als "Weckruf der sittlichen Volkskraft" verstanden.

Mit den Soldaten zogen auch Geistliche an die Fronten, die als Militärseelsorger evangelische, katholische und jüdische Kämpfer betreuten. Das waren Theologen, die selbst eine militärische Laufbahn hinter sich hatten und sich in besonderem Maße mit Kaiser und Vaterland identifizierten. Die patriotische Sache (oder was sie dafür hielten) wurde in ihren Feldgottesdiensten nicht in Frage gestellt. Sie verstanden sich als Garanten der Kampfmoral – und zugleich als Seelsorger mit einem angeblich besonderem Glück: "Ein herrliches Los ist ihnen zugefallen", rief ihnen beispielsweise der katholische Bischof Faulhaber hinterher. "Ein Saatfeld mit hundertfältiger Ernte ist ihnen anvertraut."

Doch gerade die Militärseelsorger wurden rasch Zeugen des großen Schreckens an den Fronten. Wollte Gott wirklich diesen Krieg? In katholischen Kreisen begann 1915 ein erstes vorsichtiges Umdenken. Immerhin sprach der Bischof von Rottenburg vom Krieg erstmals von einem "Massensterben", von einem "mit allen Mitteln der Kunst und der Wissenschaft geförderten und beschleunigten Völkermord". Doch noch war dies eine Minderheitenmeinung, in Deutschland wie anderswo. Selbst der Papst konnte sich nicht durchsetzen. Die Friedensinitiative Benedikts XV. verpuffte 1917 bei allen kriegsführenden Mächten. Die Kirchen hielten Kriegskurs …

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