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Geschichte

Bildergeschichten: Elefanten in der "Volksgemeinschaft"

Wir stellen jede Woche ein Bild vor und erzählen seine Geschichte. Diesmal gehen wir zurück in das Jahr 1918: Exoten müssen für die Deutschen den Karren ziehen

Mit Beginn des

Ersten Weltkriegs

hatten die Deutschen notgedrungen die "Volksgemeinschaft" entdeckt: Jeder packte demnach mit an, ohne Ansehen des Standes. So gesehen, könnte man mit Verlauf des Krieges allerdings auch davon sprechen, dass selbst Elefanten fester Bestandteil dieser Volksgemeinschaft wurden. Sie trotteten immer häufiger durch deutsche Städte, denn sie mussten sich zwangsläufig nützlich machen: Wo keine Pferde mehr zum Ziehen schwerer Lastkarren vorhanden waren (denn auch Pferde waren ja in den Krieg gezogen), mussten jetzt die exotischen Dickhäuter ran. Und das zuweilen auch noch mitten im Winter – wie auf diesem Bild im Jahr 1918 in Berlin.

Die Motorisierung Deutschlands befand sich mit Kriegsausbruch noch in den Kinderschuhen, in der Landwirtschaft oder im öffentlichen Transportwesen fehlte es an Zugmaschinen. Und auch in der Armee war jede Hilfe gefragt, weshalb Hagenbecks Tierpark in Hamburg den Militärs umgehend Elefanten schickte. Sie galten als gut abgerichtet und wurden deshalb höchst wertvolle Pack- und Arbeitstiere. Andere Zoo-Tiere fanden im sogenannten Kriegshilfsdienst Verwendung: In Dresden zogen Elefanten des Zirkus Sarrasani schwere Fuhrwerke durch die Straßen, das Bild aus Berlin zeigt einen Dickhäuter des Zirkus Krone.

Die exotischen Tiere auf den deutschen Straßen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Not in der Heimat längst katastrophale Ausmaße angenommen hat: Der Hunger hatte die Menschen fest im Griff. Lebensmittel waren nicht nur knapp und teuer, sie wurden auch immer schlechter. Das Brot war gestreckt, die Milch verdünnt, bald ersetzten Steckrüben die nicht mehr greifbaren Kartoffeln. In den Städten waren im Frühjahr 1917 erstmals Menschen mit Hungerödemen zu sehen, mit stark angeschwollenen Armen und Beinen. Öffentliche Kriegsküchen sorgten für ein billiges Essen – Massenspeisungen in Zeiten der Not.

Die Elefanten, die nahezu gleichzeitig mit den hungernden Menschen durch die Straßen zogen, waren zugleich ein Menetekel: Die asiatischen, indischen oder afrikanische Elefanten stammten sämtlich aus Weltregionen, in denen die Deutschen nach dem Ende dieses Weltkrieges endgültig an politischem Einfluss verlieren sollten: Die Kolonien waren 1919 verloren. Elefanten gab es nur noch daheim in den Zoos, für manche ein wehmütiges Symbol verlorener Kolonialzeiten …

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