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Kultur

Bildergeschichten, die vom Krieg handeln

Kairoer Straßenschlachten, aggressive Demonstranten: Der junge ägyptische Fotograf Mosa’ab Elshamy traut sich mit seiner Kamera in die gefährlichsten Situationen. Dafür erhielt er jetzt den Bobs-Hauptpreis

Mosa’ab Elshamy ist sehr jung, 23 erst, und hat den Sturz des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak noch als Pharmazeutik-Student erlebt. Fotografieren war bis dahin lediglich sein Hobby gewesen.

Mosa'ab Elshamy (Copyright: Mohamad Houssam Eddin)

"Da musste ich raus": Der ägyptische Fotograf Mosa'ab Elshamy

Das änderte sich während der ägyptischen Revolution schnell, als Elshamy hautnah erleben konnte, welche Kraft Bilder in solchen Zeiten haben können. "Da musste ich raus", erzählt er im Skype-Interview mit der DW. "Ich habe es als Aufgabe gesehen, diese Bilder zu machen und ich merkte, dass auch immer mehr Leute diese Bilder sehen wollten."

Er brach sein Studium ab und wandte sich dem Fotojournalismus zu. Mit sehr schnellem Erfolg. Schon bald erschienen seine Fotos in großen internationalen Zeitungen: im Time Magazine, Paris Match, The New York Times, auch im Musikmagazin Rolling Stone. Er arbeitete für die großen internationalen Presseagenturen - und landete auf vielen Titelseiten rund um die Welt. Er wurde schon mehrfach ausgezeichnet und zählt mittlerweile zu den besten Pressefotografen der Welt. Eine bemerkenswert schnelle Karriere für den jungen Fotografen.

Bilder ohne journalistischen Filter

Er postet auf

Twitter

,

Facebook

, auf

Flickr

und natürlich auf seiner eigenen

Homepage

. Diese Webseite ist kein originäres Weblog. Es ist eher eine Seite, auf der Elshamy seine Geschichten erzählt. Bildergeschichten, die vom Krieg handeln, von Verfolgung, Ungerechtigkeit, Trauer.

Video ansehen 02:14

Mosa'ab Elshamy überzeugt die Bobs-Jury

Auch ganz kleine, schöne oder alltägliche Momente hält er fest. Lachende Kinder mit eisverschmierten Mündern - oder die Wäscheleine auf dem Dach eines Hauses, Bilder, die Normalität in bewegten Zeiten vorgaukeln. Seine Nähe zu den Menschen ist auf vielen Fotos sichtbar. Er zeigt Emotionen ohne journalistischen Filter, die Gesichter sind echte Momentaufnahmen, entstanden in Augenblicken, in denen die Menschen die auf sie gerichtete Kamera nicht wahrzunehmen scheinen. Solche Bilder sind nicht einfach, weiß Elshamy: "Das letzte, was die Leute in solchen Momenten sehen wollen, ist eine Kamera. Und so musste ich auch lernen, auf die Menschen, die ich fotografieren möchte, sehr einfühlsam zuzugehen."

Mann bei Revolution in Ägypten (Foto: Mosa’ab Elshamy)

Ägypten im Ausnahmezustand

Inmitten von Krawallen muss Mosa'ab Elshamy tatsächlich möglichst unsichtbar sein. Er weiß, dass er sich stets in Gefahr begibt, dennoch ist seine Kamera immer in Bereitschaft, genau so wie sein Auge. Seine Fotos leben auch von dem Unerwarteten: Er fotografiert einen Mann in einer aufgebrachten Menge, Bild für Bild - und plötzlich hat der Mann eine Kugel im Kopf. Solche Szenen hat Elshamy schon erlebt. Er hält Momente fest, in denen Väter ihre toten Kinder in den Armen tragen, in denen Frauen um ihre Männer weinen, während um sie herum das Chaos weitergeht. Diese kleinen Geschichten inmitten eines großen Settings faszinieren Elshamy und machen seine Bilder so besonders.

Fotos haben eine eigene Sprache

Die Intensität der Bilder hat auch das Bobs-Jurymitglied Tarek Amr überzeugt. Er hat den jungen Fotografen nominiert. "Dieser Blogger berichtet von Ereignissen, die sonst nicht in den Medien vorkommen", sagt Amr. "Er zeigt auch andere Seiten aus dem Leben der Ägypter, die der breiten Öffentlichkeit so nicht vermittelt werden, auch weil vieles in Gegenden stattfindet, die nur wenigen zugänglich sind."

Auseinandersetzungen mit der Polizei in Kairo am 14. August 2013 (Copyright: MOSAAB EL-SHAMY/AFP/Getty Images)

Mosa’ab Elshamy setzt sich für seine Fotos gefährlichen Situationen aus

Die Nominierung für die Hauptkategorie der Bobs erscheint zunächst ungewöhnlich, schließlich ist seine Seite kein originäres Weblog. Tarek Amr interessiert aber ein ganz anderer Aspekt: "Bei den Bobs konkurrieren 14 Sprachen miteinander. Mosa'ab aber braucht keine Sprache. Er bloggt Fotos - und niemand muss seine Muttersprache verstehen, um zu erkennen, was er sagen will."

Das hat schließlich auch die 15-köpfige Bobs-Jury überzeugt. Sie wählten Mosa'ab Elshamys Fotoblog zum "Best Blog" und haben damit den

Hauptgewinner der zehnten Bobs-Awards

gekürt. Für den jungen Fotografen eine besondere Ehre: "Die Bobs zeigen seit vielen Jahren, was die Leute im Untergrund machen. Deswegen freue ich mich besonders, dass mir und meiner Arbeit durch den Preis noch mehr Aufmerksamkeit zuteil wird." Für ihn sei der Bobs-Preis eine tolle Motivation zum Weitermachen, er werde weiter Geschichten erzählen, sagt Elshamy - und es vielleicht schaffen, wenigstens ein bisschen was zu ändern in seinem Land.

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