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Digitales Leben

Und die Bobs 2014 gehen an...

Zum zehnten Mal kam eine internationale Jury aus Netzexperten in Berlin zusammen, um die Gewinner des DW-Award für Online-Aktivismus zu bestimmen. Sechs außergewöhnliche Web-Projekte wurden ausgezeichnet.

Die virtuelle Diskussion unter dem Hashtag #thebobs14 führten die Jury-Mitglieder genauso leidenschaftlich wie die Debatte im Saal. Im Minuten-Takt twitterten sie Eindrücke, Meinungen und Links zu den nominierten Projekten ins Netz. In der realen Welt rangen sie um die Entscheidungen: Selten waren die Abstimmungen in zehn Jahren Bobs-Geschichte so knapp. 15 Internet-Experten aus der ganzen Welt wählten am Ende sechs Gewinner aus mehr als 3000 Einreichungen.

Best Blog

Screenshot des Facebook-Profils von Bobs-Gewinner Mosa’ab Elshamy (Bild: www.facebook.com/mosaabelshamy)

Das Facebook-Profil von Gewinner Mosa’ab Elshamy

Der Fotoblogger

Mosa'ab Elshamy

aus Kairo gewinnt für seine eindrücklichen Fotos den Preis für den besten Blog. Seine Foto-Stories widmen sich aktuellen Ereignissen in Kairo (siehe Artikelbild), aber auch alltäglichen Geschichten aus der ägyptischen Kultur. Aktuell begleitet er beispielsweise

junge Mahraganat-Musiker im Untergrund von Kairo

. 2013 führte das US-Magazin "Time" eine von Elshamys Fotografien, das er während der ägyptischen Revolution schoss, auf einer Liste der zehn besten Bilder des Jahres. "Mosa'ab Elshamy illustriert auf eindrucksvolle Weise die Gräben, die sich durch die ägyptische Gesellschaft ziehen. In einer verhärteten Auseinandersetzung verschafft sich Mosa'ab Elshamy mit seinen ausdrucksstarken Fotografien Gehör", begründete die Bobs-Jury ihre Entscheidung in der Hauptkategorie.

Best Social Activism

Der Award Best Social Activism geht an die Seite visualizingpalestine.org (Bild: http://visualizingpalestine.org)

Der Award Best Social Activism geht an "Visualizing Palestine"

Die Webseite

"Visualizing Palestine"

wird in der Kategorie Best Social Activism ausgezeichnet. Die Macher erstellen Infografiken zur Situation in den Palästinensergebieten. Dabei geht es nicht nur um viel diskutierte Konfliktthemen wie den israelischen Siedlungsbau, sondern auch um Umwelt, medizinische Versorgung oder Bildung. "Die Webseite bricht einen hoch komplexen und emotional aufgeladenen Konflikt auf eine verständliche Ebene herunter und visualisiert ihn", begründet Jury-Mitglied Georgia Popplewell aus Trinidad und Tobago die Entscheidung.

Most Creative & Original

Screenshot des chinesischen Accounts weicombo bei dem Microblogging-Dienst Weibo (Bild: www.weibo.com/weicombo)

Ausgezeichnet für Kreativität: "weicombo"

Ein Sprachkünstler aus China wird für das kreativste Projekt gewürdigt. Der Mann, der seinen richtigen Namen aus Sicherheitsgründen nicht preisgeben will, betreibt auf dem chinesischen Microblogging-Dienst Weibo den Account

"weicombo"

. Er kommentiert die tagesaktuellen Ereignisse oft mit nur einem chinesischen Schriftzeichen, verändert es leicht und gibt seinen Postings dadurch eine ironische oder satirische Bedeutung. Für seine Leser ist es wie ein tägliches Ratespiel. Wortspiele und Rätsel hätten in China eine besondere Tradition, erklärt Jury-Mitglied und Schriftstellerin Tienchi Martin-Liao. "Weicombo hat eine sehr kreative und schlaue Art gefunden, die Zensur in China zu umgehen. Seine Wortspiele sind nicht nur politisch, sondern auch witzig, dafür lieben ihn seine Leser."

Global Media Forum Award

Screenshot der Website der Zeitung Khabar Lahariya (Bild: www.khabarlahariya.org/)

Die Wochenzeitung "Khabar Lahariya" informiert die Dorfbevölkerung Nord- und Ostindiens

Von Information zu Partizipation - das ist das Thema des diesjährigen Global Media Forums in Bonn (30.06. bis 02.07.2014). Die Bobs widmen diesem Motto eine eigene Kategorie. Die Juroren haben sich für

"Khabar Lahariya"

entschieden - eine ländliche Wochenzeitung, die in sechs Hindi-Dialekten erscheint. Sie wird seit zwölf Jahren von einem Frauenkollektiv geschrieben, produziert und vertrieben. Viele von ihnen haben erst spät Lesen und Schreiben gelernt. Ihre Artikel richten sich an die Dorfbevölkerung in Nord- und Ostindien. Dort gibt es nahezu keinen Zugang zum Internet, "Khabar Lahariya" ist für viele die wichtigste Informationsquelle. Jury-Mitglied und Bloggerin Rohini Lakshané: "Die Zeitung ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass das Funktionieren einer Demokratie vom Zugang zu Informationen abhängt - und zwar für alle."

Best Innovation

Screenshot des Projekts BanglaBraille, das Blinde in Bangladesh unterstützt (Bild: www.banglabraille.org)

"BanglaBraille" unterstützt Blinde in Bangladesh

Das Projekt

"BanglaBraille"

ermöglicht es, Schulbücher zu digitalisieren und in Blindenschrift (auch Braille genannt) zu drucken. Außerdem laden die Macher auf ihrer Seite vertonte Texte und Schulmaterialien als Audio-Dateien hoch. Mehr als eine Millionen Menschen in Bangladesch sind blind. Für mehr als 50.000 blinde Schulkinder gibt es keine geeigneten Lehrbücher. "BanglaBraille" hat ein Netzwerk von engagierten Freiwilligen geschaffen, das die Bücher transkribiert und Spenden sammelt. Jury-Mitglied Shahidul Alam aus Bangladesch: "BanglaBraille hat das Leben von vielen Schülern in Bangladesch grundlegend verbessert und kämpft gegen ein Problem, das die Behörden in unserem Land sträflich vernachlässigen."

Reporters Without Borders Award

In diesem Jahr geht der Spezial-Preis der Organisation "Reporter ohne Grenzen" an das ukrainische Portal

"YanukovychLeaks"

. Eine Gruppe von ukrainischen Aktivisten sammelt und verarbeitet dort Dokumente, die in der Villa des ehemaligen Präsidenten Janukowitsch kurz nach seiner Flucht gefunden wurden. Viele Dokumente waren beim Verlassen des Gebäudes in einen See geworfen worden. "YanukovychLeaks" hat sich zum Ziel gesetzt, die große Datenmenge zu untersuchen und zu katalogisieren. "Vor allem in der jetzigen Krisenzeit ist es wichtig, kritischen Journalisten den Rücken zu stärken. Wir müssen sie ermutigen, trotz der Gefahren ihren Weg weiterzugehen", begründet Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen Deutschland und Jury-Mitglied, die Entscheidung.

Screenshot Gewinner Bobs-Award (Bild: yanukovychleaks.org)

Das ukrainische Portal "YanukovychLeaks" bekommt den Spezial-Preis von "Reporter ohne Grenzen"

"The Bobs - Best of Online Activism" wurde von der Deutschen Welle 2004 ins Leben gerufen – mit dem Ziel, die Meinungsfreiheit im Internet voranzutreiben und einen offenen Austausch ohne Zensur zu fördern. "Ich glaube, die Bobs haben in den letzen zehn Jahren gezeigt, welchen Einfluss eine solche Auszeichnung haben kann", sagt Christian Mihr. "Die Bobs haben vielen Preisträgern das Weiterarbeiten in repressiven Staaten ermöglicht, denn die Zensoren sind in vielen Fällen vor weiteren Angriffen auf die ausgezeichneten Aktivisten zurückgeschreckt."

Auch Internetnutzer konnten in verschiedenen Kategorien ihre favorisierten Projekte zu Bobs-Gewinnern machen. Welche Webseiten und Blogs sich beim Publikum durchgesetzt haben, können Sie auf der

Webseite der Bobs

nachlesen.

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WWW-Links

Audio und Video zum Thema