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Wirtschaft

Berlin schon wieder im Euro-Krisenmodus

Frankreichs Präsident Sarkozy, IWF-Chefin Lagarde, Italiens Premier Monti – in Berlin geben sich in dieser Woche die Krisenmanager die Klinke in die Hand. Die Lage im Euro-Raum ist so angespannt wie nie.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und IWF-Chefin Christine Lagarde (Foto: dpa)

IWF-Chefin Christine Lagarde zu Gast im Bundeskanzleramt

Wenn jemand Geld dafür bekommt, dass er sich Geld leiht, dann muss etwas ganz schön schief laufen. Genau das ist an den Finanzmärkten derzeit der Fall. Als am Montag (09.01.2012) deutsche Geldmarktpapiere im Wert von knapp vier Milliarden Euro angeboten wurden, war das Interesse so groß, dass die Anleger erstmals sogar bereit waren, auf Zinsen zu verzichten und eine Sicherheitsprämie zu zahlen.

Deutschland als sicherer Hafen? Tatsächlich erscheint vielen Anlegern die Bundesrepublik die letzte Bastion im krisengeschüttelten Euroraum zu sein. Die Wirtschaft brummt entgegen allen Unkenrufen, die Arbeitslosigkeit sinkt und die Bürger sind offenbar nicht besonders beunruhigt. Und ist es nicht die deutsche Kanzlerin, bei der in der Eurokrise alle Fäden zusammenzulaufen scheinen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Bundeskanzleramt in Berlin mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy (Foto: dapd)

Zwei, die Optimismus verbreiten wollen: Sarkozy und Merkel

Auch im neuen Jahr steht die politische Führungsriege schon wieder Schlange vor dem Kanzleramt. Am Montag empfing Angela Merkel den französischen Staatspräsidenten, am Dienstag war die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Berlin zu Gast. Der IWF ist neben EU und Euro-Ländern mit Milliardensummen an den aktuellen Finanzhilfeprogrammen für Griechenland, Irland und Portugal beteiligt. Am Mittwoch will der italienische Premier der Kanzlerin berichten, wie er die Staatsschuldenkrise in seinem Land bewältigen und die drohende Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen verhindern will.

Angespannte Lage

Dass Europa sich nach wie vor in einer tiefen Krise befindet – über die Feiertage und den Jahreswechsel war das fast in Vergessenheit geraten. Doch nur weil auch Politiker mal ein paar Tage ausspannen müssen, verflüchtigen sich die Probleme nicht. In Griechenland ist die Lage inzwischen so angespannt, dass es niemanden mehr verwundern würde, wenn das Land freiwillig wieder zur Drachme zurückkehrte.

Am Wochenende sickerte durch, dass der Internationale Währungsfonds wohl erhebliche Zweifel am griechischen Sanierungsplan hat. Mitte Januar will die Troika aus IWF, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission die Reformfortschritte der griechischen Regierung prüfen. Die Griechen müssten noch viel härter sparen, heißt es, und IWF-Chefin Christine Lagarde ist skeptisch, ob sie das schaffen können.

Eine Nachricht, die Angela Merkel nicht gerne hört. Die Bundeskanzlerin will die Griechen unbedingt in der Währungsunion halten und ist sich dabei mit Nicolas Sarkozy einig. Der Franzose kämpft derzeit an mehreren Fronten. Die Krise, natürlich, aber vor allem will er im April wiedergewählt werden. Das heißt in der Konsequenz: Bis dahin sollte es bitte keine neuen Katastrophen geben. Wenn Griechenland die Waffen strecken und sich aus dem Euro verabschieden würde, dann wäre das aber erst einmal ein Donnerschlag.

Was passiert, wenn Griechenland fällt?

Italiens Premier Mario Monti vor einer Grafik (Foto: EPA/Guido Montani)

Wenn die Zinsen nicht sinken, ist Italien ruiniert

Daher werden Sarkozy und Merkel alles versuchen, um die Griechen irgendwie auf Kurs zu halten. Wie das gelingen soll, ist allerdings nicht ganz klar. Die Verhandlungen mit den Banken über einen Schuldenverzicht sollen jetzt schnell abgeschlossen werden, heißt es. Spätestens im März braucht Griechenland neue Finanzhilfen in Höhe von rund 130 Milliarden Euro. Doch was, wenn die Troika für das erneute Rettungspaket kein grünes Licht gibt? Fällt Griechenland dann und was hat das für Folgen für die übrigen Länder? Auch Ungarn steht vor dem Bankrott, was große Auswirkungen auf das Euro-Land Österreich haben würde, das finanziell in Ungarn sehr engagiert ist. Und dann sind da noch Italien, Spanien, Portugal und Belgien – alles potenzielle Wackelkandidaten.

Knapp sieben Prozent Zinsen mussten die Italiener zuletzt bieten, um an frisches Geld zu kommen. 2012 werden italienische Staatsanleihen im Wert von mehr als 300 Milliarden Euro fällig und müssen durch neue Kredite refinanziert werden. Bereits in dieser Woche geht es mit knapp 20 Milliarden Euro los. Wenn die Anleger dann auch wieder sieben Prozent verlangen, dann wäre das der Weg in den Ruin. Premier Mario Monti wird daher in Berlin auf Hilfen der EU-Partner drängen und darauf verweisen, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat. Schließlich hat er seinen Bürgern ein Sparprogramm verordnet, das man nur als Rosskur bezeichnen kann.

Mehr Wachstum und mehr Jobs

Doch aus der Schuldenkrise werden die Europäer nicht nur mit Sparprogrammen kommen. Es wird ein schwieriges Jahr für die Weltwirtschaft werden, hat IWF-Chefin Lagarde prognostiziert und alle Wirtschaftsexperten geben ihr Recht. In dieser Lage kann der Rotstift, wenn er zu dick angesetzt wird, auch zerstörerisch wirken.

Eine 1-Euro-Münze und eine griechische 10- Drachmen-Münze (Foto: dapd)

Euro oder Drachme, womit werden die Griechen zukünftig zahlen?

Die deutsche Bundeskanzlerin weiß das. Sie will daher nicht nur verschärfte Sparrichtlinien in den EU-Verträgen festschreiben, sondern spricht nun auch von einem zweiten Standbein, das sich auf mehr Wettbewerb, mehr Wachstum und mehr Jobs stützen soll. Und mehr Optimismus, so lautet der spürbar fromme Wunsch. Nach dem schwarzen Jahr 2011 soll 2012 das Jahr der Entscheidungen und der Wende zum Guten werden. Nicht von ungefähr haben Merkel und Sarkozy am Montag verkündet, eine Finanztransaktionssteuer könne auch im Alleingang in der Euro-Zone eingeführt werden.

Am 30. Januar steht der nächste EU-Sondergipfel auf dem Programm. Er wird Substanzielles liefern müssen, um die Finanzmärkte zu beeindrucken. Das wissen Merkel, Sarkozy, Lagarde, Monti und all die anderen Krisenmanager nur zu gut. Denn sie sehen, dass sich die Märkte bislang wenig um das scheren, was seit dem "historischen" EU-Gipfel im Dezember verkündet wurde. Die Anleger bleiben misstrauisch und solange sie das sind, wird sich die Negativspirale nicht stoppen lassen.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redaktion: Nina Werkhäuser

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