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Fußball

Bayern-Glanz und Liga-Boom

Der FC Bayern dominierte in dieser Saison einmal mehr die Bundesliga - am Ende sogar souverän vor Schalke und Bremen. Das Oberhaus müssen Bochum und Hertha verlassen. Am meisten aber bewegte der Tod Robert Enkes.

Die Spieler des FC Bayern lassen sich von ihren Fans feiern (Foto: AP)

So lassen sich Sieger feiern

Bayern-Trainer Louis van Gaal gratuliert seinem Spieler Thomas Müller. (Foto: AP)

Zwei Garanten des Bayern-Erfolgs: van Gaal und Müller

Die Saison endete mit dem erwarteten Resultat: Der FC Bayern sicherte sich mit der spielstärksten Mannschaft und dem zum Schluss auch attraktivsten Fußball die deutsche Meisterschaft. Dabei war der Weg des Rekordmeisters zum 22. Titel beschwerlich und äußerst spannend. Bis zum vorletzten Spieltag konnte überraschenderweise Schalke 04 den Bayern noch Paroli bieten. Und lange Zeit durften auch Herbstchampion Bayer Leverkusen, der Hamburger SV sowie Borussia Dortmund von der Meisterschale träumen. Spektakulär waren in der Rückrunde der Endspurt von Werder Bremen und die Aufholjagd des VfB Stuttgart. Auffällige Schwächephasen in der zweiten Saisonhälfte zeigten wieder einmal Leverkusen und der HSV. Enttäuschende Mittelfeldplätze belegten der entthronte Champion VfL Wolfsburg und Vorjahres-Herbstmeister 1899 Hoffenheim. Den bitteren Gang in die 2. Liga müssen der VfL Bochum sowie Hertha BSC antreten. Relegationshoffnungen darf sich noch der 1. FC Nürnberg machen.

Zuschauer hatten Spaß am FC Bayern

Fans des FC Bayern München (Foto: AP)

Nicht nur die Bayern-Fans hoffen noch auf das Triple

Bis zum 33. Spieltag war die Meisterfrage offen, dann machte Nachwuchsprofi Thomas Müller alles klar. Dank seines Dreierpacks beim 3:1 gegen den VfL Bochum sicherte sich der FC Bayern München vorzeitig den Titel. "Viele arbeiten jahrelang darauf hin, irgendwann Mal Deutscher Meister zu werden. Und wenn es gleich mich in der ersten Saison erwischt, dann ist das ein überragendes Gefühl", sagte "Torjäger" Müller. Für ihn sei ein Traum in Erfüllung gegangen, er wolle aber noch weiterträumen, betonte der 20-jährige WM-Starter. Denn nun soll das Triple mit Pokal- und Champions-League-Sieg perfekt gemacht werden. Doch was machte die Bayern im Saisonendspurt so unwiderstehlich? "Wir spielen ganz klar den besten Fußball", erklärte Nationalverteidiger Philipp Lahm. Außerdem sei eine Handschrift zu erkennen und die Mannschaft zeige sich auf dem Feld geordnet, so dass es "den Fans wieder Spaß macht, uns zu zuschauen."

Robben, Ribery und van Gaals ordnende Hand

Die Bayern-Spieler Arjen Robben (r) und Franck Ribery feiern einen Torerfolg (Foto: AP)

Vor allem die Stars Franck Ribery (links) und Arjen Robben sorgten für Fußball-Glanz in München

Philipp Lahm sieht die ordnende Handschrift beim anfänglich umstrittenen Trainer Louis van Gaal. Der Niederländer machte aus dem Ensemble von Nachwuchsspielern und Stars ein funktionierendes Team. "Ich habe meinem Vorstand gesagt, dass wir alle Titel feiern werden. Ich bin ein Feier-Biest", sagte ein gutgelaunter van Gaal, der eigentlich als knorrig galt. Doch entpuppte sich der 58-Jährige als "Glücksfall für den FC Bayern". Van Gaal ist nun der erste Niederländer, der in Deutschland Meistertrainer wurde. Vor allem auch der 25-Millionen-Euro-Einkauf Arjen Robben faszinierte die Liga mit seinen Tempodribblings und sehenswerten Toren. Nicht umsonst hieß es in Schlagzeilen immer wieder: Der FC Bayern "robbt" zum Titel. Neben dem Niederländer brillierte einmal mehr auch Frankreichs Superstar Franck Ribery – trotz seines Verletzungspechs, seiner Launenhaftigkeit und einer delikaten Rotlicht-Affäre. Zum Erfolg trug aber auch das bayerische "Mir-san-Mir"-Verständnis bei, der klare Glaube an die eigenen Stärken, wie Präsident Uli Hoeneß verdeutlichte. "Wir sind die beste deutsche Mannschaft. Und immer, wenn es darauf ankommt, sind wir halt besser als die anderen."

Schalke muss weiter warten

Spieler und Fans des FC Schalke 04 feiern den zweiten Bundesliga-Platz (Foto: AP)

Schalker Jubel über Platz zwei

Der Vergleich bezieht sich auch auf den großen Konkurrenten FC Schalke 04. Felix Magath, 2009 noch Meistertrainer des VfL Wolfsburg, hatte das nach allgemeiner Einschätzung eher mittelmäßige Team zum Vize-Titel und damit in die Champions League geführt. "Natürlich sind wir alle unheimlich stolz darauf, was die Mannschaft geleistet hat. Keiner, auch ich nicht, hätte Anfang der Saison geglaubt, dass so etwas möglich und machbar wäre", sagte Magath. Zwar wurde der erste Meistertitel nach 52 Jahren wieder einmal verpasst, die Schalker Fans feierten ihr Team nach dem letzten Heimspiel dennoch euphorisch. Und Magath zeigte sich beeindruckt. "Die Fans sind wirklich etwas Außergewöhnliches. So etwas wie hier habe ich in meiner Trainerzeit oder auch vorher in meiner Spielerzeit nicht erlebt."

Endspurt von Werder und VfB

Bremens Torsten Frings (r) und Hugo Almeida im Torjubel (Foto: AP)

Bremer Freude über Rang drei

Platz drei und damit die Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League sicherte sich Werder Bremen dank einer starken Rückrunde. Das Team von Trainer Thomas Schaaf kassierte nur eine Niederlage in den letzten 14 Punktspielen und kämpft gegen Bayern München auch noch um die Krone im DFB-Pokal. Titelambitionen hegte Bayer Leverkusen nach dem Start-Rekord von 24 Partien ohne Niederlage. Der von Jupp Heynckes trainierte Herbstmeister rutschte aber in der zweiten Saisonhälfte auf den vierten Platz ab, der immerhin aber noch zur Teilnahme an der Europa League berechtigt. Klar bestes Team der Rückrunde war übrigens der VfB Stuttgart. Der VfB kam hier auf 12 Siege und qualifizierte sich hinter Borussia Dortmund ebenfalls für die Europa League.

Trainerkarussell mit zehn Entlassungen

Hamburgs Trainer Bruno Labbadia (Foto: AP)

Bruno Labbadia, einer von zehn gescheiterten Trainern

Die internationale Qualifikation hatte lange Zeit auch der Hamburger SV im Visier, doch dann enttäuschte das Team von Trainer Bruno Labbadia. "Und da mussten wir jetzt handeln, das war für uns alternativlos, auch wenn es zu einem sehr späten Zeitpunkt ist", begründete HSV-Vorstandschef Bernd Hoffmann die Entlassung Labbadias nach dem 32. Spieltag. Auch Heiko Herrlich musste beim Abstiegskandidaten VfL Bochum kurz vor dem Saisonende noch seinen Stuhl räumen. Es war bereits die zehnte Trainerentlassung in dieser Spielzeit. Vor Herrlich hatten die Bochumer im September 2009 bereits den Schweizer Marcel Koller entlassen. Auch Hannover 96 verschliss in der Spielzeit zwei Fußball-Lehrer: Nach Dieter Hecking musste auch Andreas Bergmann vorzeitig gehen.

Herthas Absturz

Herthass Trainer Friedhelm Funkel (von links) und die Spieler Christoph Janker, Arne Friedrich und Theofanis Gekas (Foto: AP)

Hertha BSC muß bereits zum fünften Mal das Bundesliga-Oberhaus verlassen

Einen fast beispiellosen Absturz erlebte Hertha BSC. Die Berliner, in der vergangenen Saison noch auf Platz vier, steigen bereits zum fünften Mal nach 1965, 1980, 1983 und 1991 ab. Trainer Friedhelm Funkel meinte, "dass wir in vielen Spielen ebenbürtig und teilweise besser waren. Aber wir haben einfach unsere klarsten Torchancen nicht genutzt haben. Und dann muß man den bitteren Gang in die zweite Liga antreten", bilanzierte ein enttäuschter Funkel, der erst im Oktober 2009 Lucien Favre abgelöst hatte. Berlin ist damit die einzige bedeutende Hauptstadt Europas ohne einen Fußball-Erstligisten. Neben Hertha muß auch der VfL Bochum absteigen, bereits zum sechsten Mal. In die Relegation gegen den FC Augsburg rettete sich der 1. FC Nürnberg. Aufsteiger sind der 1. FC Kaiserslautern und der FC St. Pauli aus Hamburg.

Die Liga boomt

Zuschauer von Borussia Dortmund mit Fanschals (Foto: dpa)

Ein Dortmunder Meer in Gelb und Schwarz

13.004.717 Millionen Fans strömten in dieser Saison in die 18 Bundesliga-Stadien. Damit wurde die Rekordzahl aus der letzten Spielzeit (13.013.422) nur knapp verfehlt. Wirtschaftlich gesehen kann sich die Bundesliga auch im europäischen Wettbewerb sehen lassen. "De facto liegen wir heute auf Platz zwei hinter der Premier League, was die Umsätze angeht", bilanzierte Liga-Chef Christian Seifert. Und auch sportlich gehe der Trend nach mageren Jahren eindeutig nach oben. In der Fünfjahres-Wertung verdrängte Deutschland vorerst Italien von Rang drei. Sollte es dabei bleiben, könnte die Bundesliga ab der Saison 2011/12 wieder vier Champions-League-Starter stellen.

Enkes Tod

Robert Enke, Torhüter von hannover 96 (Foto: dpa)

Robert Enke

Emotionaler Höhepunkt der Saison war der Tod Robert Enkes. Der Torhüter der Nationalmannschaft und von Hannover 96 hatte sich am 10. November 2009 vor einen Zug geworfen. Der 32-Jährige litt an Depressionen. DFB-Teammanager Oliver Bierhoff stellte fest, dass "keiner, wirklich keiner, irgendeinen Anlass gehabt hat, zu glauben, dass Robert Enke an dieser Krankheit leidet. Im Gegenteil, wir haben ihn immer als sehr gefestigt und als sehr stabil gesehen. Um so mehr erschüttert uns das natürlich", sagte Bierhoff.

Autor: Arnulf Boettcher
Redaktion: Calle Kops

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