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Fußball

Der Meister sonnt sich in Klischees

Der FC Bayern ist neuer Deutscher Fußballmeister. Dabei hatte die Saison alles andere als meisterlich begonnen. Aber Trainer van Gaal trifft den Ton, der in München gefragt ist.

Die Münchener Spieler feiern die 22. Deutsche Meisterschaft nach dem 3:1 am 33. Spieltag gegen Bochum. (Foto: apn/Uwe Lein)

Bayern-Trainer Louis van Gaal blickt während des Heimspiels gegen Wolfsburg zur Videowand (Foto: AP/Christof Stache)

Warm und familiär - van Gaal taute erst nach und nach auf in München

Schon die Trainervorstellung im vergangenen Sommer war alles andere als gewöhnlich. Louis van Gaal, gerade aus Alkmaar zu den Bayern gestoßen, ließ die versammelte Presse gleich wissen, dass das bayerische Lebensgefühl deckungsgleich mit seinem Selbstverständnis sei: "Mir san mir – wir sind wird! Und ich bin ich! Selbstbewusst, arrogant, dominant, ehrlich, arbeitsam, innovativ – aber auch warm und familiär“, ließ er vom Podium verlauten. Das gefiel den Club-Bossen. Ein FC Bayern hat es nicht nötig, bescheiden zu sein. Aber wer eine Stelle so offensiv antritt, der muss sich an seinen Worten messen lassen. Und Louis van Gaal wäre fast an seinen Ansprüchen gescheitert. Der Saisonstart: eine Katastrophe! Zwei Punkte aus drei Spielen. Die Fans wurden ungeduldig angesichts des hochkarätigen Kaders. Und ehe innerhalb weniger Wochen stand Van Gaal schon in der Kritik – auch durch den neuen Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger, der eindringlich eine Leistungssteigerung gegen den VfL Wolfsburg anmahnte: "Da muss sich dramatisch etwas in die richtige Richtung entwickeln.“

Arjen, das 25-Millionen-Schnäppchen

Arjen Robben nach seinem Tor im Champions League-Halbfinale zwischen dem FC Bayern und Olympique Lyon (Foto: apn/Uwe Lein)

Robben, der Überflieger

Und um diese Forderung zu unterstreichen, legten er kurz vor der Partie gegen den deutschen Meister noch mal auf dem Transfermarkt nach und holte Arjen Robben für 25 Millionen Euro von Real Madrid. Hatten doch die zu Saisonbeginn investierten 50 Millionen für Gomez, Tymoschtschuk, Braafheid und Pranjic noch keine Dividende in Form von Leistung abgeworfen. Robben jedenfalls deutete gleich nach seiner Einwechslung an, dass er jeden Cent seiner Ablösesumme wert ist: Zwei Tore beim 3:0 gegen Wolfsburg. Der neue Stern am Bayern-Himmel war geboren. Robben kommentierte es damals noch auf englisch: „A special day for me. You can´t dream of a better start - ein spezieller Tag für mich, man könnte sich keinen besseren Start erträumen."

Die Wende in Turin

Bayern-Torwart Hans- Jörg Butt bei seinem Strafstoß im Champions League-Gruppenspiel gegen Juventus Turin. (Foto: AP/Alberto Ramella)

Der Strafstoß, der alles zum Gute drehte: Hans-Jörg Butt in Turin

Inzwischen gibt Robben seine Interviews in tadellosem Deutsch und ist der treffsicherste Mann im Kader. Aber auch mit ihm lief zunächst noch nicht alles rund. Die Münchener schienen van Gaals Philosophie noch nicht verstanden, zumindest aber noch nicht verinnerlicht zu haben. Die Wende kam Anfang Dezember mit dem letzten Gruppenspiel in der Champions League. Nur bei einem Sieg bei Juventus Turin würden sie weiterkommen - eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Vor allem nach dem frühen Rückstand. Dann Elfmeter für Bayern. Doch wer soll schießen? Alle verunsichert. Aber da war doch noch einer, der sich aufs Elferschießen verstand: Torwart Hans-Jörg Butt! Eiskalt verwandelte er zum Ausgleich, am Ende gewann der FCB mit 4:1, war weiter, und künftig auch in der Bundesliga nicht wiederzuerkennen. Neun Siege in Folge, die Tabellenspitze nach anderthalb Jahren endlich wieder greifbar.

Die Mischung macht´s

Louis van Gaal gratuliert Thomas Müller zu seinen drei Toren gegen Bochum. (Foto: AP/Matthias Schrader)

Es müllert wieder bei den Bayern: van Gaal und sein Lieblingsschüler

Die übernahmen sie dann am 24. Spieltag und ließen sich nur noch einmal kurz von den Schalkern ablösen. Aber als es darauf ankam, nämlich in Gelsenkirchen, da waren die Bayern hellwach und entschieden die Partie für sich. Am 33. Spieltag war nach dem 3:1 zu Hause gegen Bochum alles klar, die 22. Meisterschaft war perfekt, nur wenige Tage, nachdem sie den Einzug ins Finale der Champions League geschafft hatten. Gegen Lyon hatte Ivica Olic dreimal getroffen, gegen Bochum war Shootingstar Thomas Müller dreifacher Torschütze. Scheinbar selbstverständlich erzielte der Jung-Nationalspieler seine Saisontreffer elf, zwölf und 13.

Vor einem Jahr hatte Müller noch bei den Junioren gekickt, jetzt ist er aus der Meistermannschaft kaum noch wegzudenken, hat einen Miroslav Klose auf die Bank verdrängt, einen Luca Toni zum Wechsel nach Rom genötigt. Und jetzt steht er mit seinem Team vor dem Triple. „Wir haben ein Konzept vom Trainer vorgegeben bekommen und das haben wir Schritt für Schritt besser umgesetzt", erklärt er routiniert in die Mikrofone, "Natürlich haben wir auch überragende Einzelspieler. Und wir haben im Team eine Superstimmung und arbeiten füreinander. Das ist das A und O.“

Bloß nicht das Triple - sonst geht van Gaal!

Das Santiago Bernabeu-Stadion von Madrid, Austragungsort des Champions League-Finales am 22. Mai 2010 zwischen Bayern München und Inter Mailand. (Foto: AP/Arturo Rodriguez)

Bernabeu-Stadion in Madrid: Am 22. Mai Endspielort gegen Inter Mailand

Was macht sie noch aus, diese Bayern der Saison 2009/2010? Da ist diese perfekte Mischung aus Nachwuchskräften wie Müller, Badstuber oder Contento und internationalen Superstars wie Robben oder Ribery. Da ist diese Mittelfeldzentrale, der „Doppelkopf“ der Mannschaft, mit van Bommel und Schweinsteiger und da ist diese Unberechenbarkeit im Angriff: Hat Olic einen schlechten Tag, trifft Müller. Klappt´s bei beiden nicht, dann sind eben Gomez oder Robben da. Diese Offensivstärke hat es geschafft, die Schwächen in der Innenverteidigung zu überdecken, und Bayern in die europäische Spitze zurückzuführen. Jetzt können sie das historische Triple schaffen, neben der Meisterschaft noch den Pokal und die Champions League gewinnen. Wäre fast schade, wenn das klappen sollte, denn zum Spaß kündigte Louis van Gaal für diesen Fall vorsorglich seinen Abschied aus München an.

Autor: Tobias Oelmaier
Redaktion: Wolfgang van Kann

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