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Automobilindustrie

Autoindustrie: "Kein Grund zum Jubeln wegen China"

Trotz einer Lockerung der geplanten Verkaufsquote für Elektroautos in China sollten die deutschen Autobauer schnell vom Diesel loskommen, fordert der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer im DW-Interview.

Deutsche Welle: Herr Dudenhöffer, China will die Produktionsquote für Elektroautos entschärfen. Wie wichtig ist das für die deutsche Autoindustrie?

Ferdinand Dudenhöffer: Für die deutsche Autoindustrie gibt das ein bisschen mehr Spielraum- gerade für Daimler, für Audi; für BMW und für VW - ist China der wichtigste Markt weltweit. Dort wäre eine große und schnelle Elektroautoquote für diese Hersteller sehr schwierig umsetzbar. Sie würden Marktanteile verlieren oder müssten hohe Strafzahlungen leisten. Von daher gewinnt man etwas mehr Zeit, um sich besser auf das Thema Elektromobilität einzustellen.

Die Details der geplanten Quotenlockerung sind noch unklar. Im Gespräch sollen eine Verschiebung oder eine Lockerung der Quotenregelung sein. Welche Lösung wäre günstiger für die deutschen Autobauer?

China wird nicht seine gesamten Pläne über den Haufen werfen und die Quote so verwässern, wie das beispielsweise in Deutschland oder in der EU geschehen könnte, wenn die Bundeskanzlerin eingreift und die deutsche Autoindustrie länger mit Verbrennungsmotoren fahren lassen will. Nach meiner Einschätzung wird es also in China nur eine leichte Abmilderung geben. Und ob man das jetzt zeitlich um ein- oder anderthalb Jahre streckt oder die Quote von acht Prozent am Anfang ein bisschen herunterfährt auf sieben oder sechs Prozent, ist nicht der Punkt. Wesentlich ist, dass die Quote kommt.

Meinen Sie denn, dass jetzt ein Freudentaumel in der deutschen Autoindustrie ausbricht?

Ich glaube, es bricht kein Jubel aus, denn die deutschen Autobauer sehen, dass sie auch mit ihrem Diesel ja nicht weiter kommen. Gestern hatten wir die Razzia bei Mercedes, im Falle Fiat-Chrysler hat das Justizministerium in den USA Strafantrag gestellt wegen Abgasen von Dieselfahrzeugen. Wir müssen schauen, dass wir schnell auch in Europa aus dem Diesel herauskommen. Die Marktanteile sinken ja bereits. Den Autobauern laufen in Europa die Käufer weg. Deshalb ist es wichtig, schnell umzuswitchen. Die Autobauer werden wegen einer entschärften Quote für Elektroautos in China nicht gleich die die Champagner-Korken knallen lassen. Aber sie gewinnen wichtige Zeit, die sie nutzen sollten, um dann mit Vollgas die Entwicklung von Elektroautos voran zu treiben. Damit die Produktion schneller anläuft, als es bisher geplant war.

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen.

Das Gespräch führte Klaus Ulrich.

 

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