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Deutschland

Auf die Wiesn geht's nur im Dirndl

Das Oktoberfest in München geht zu Ende. Die Wiesn - wie das größte Volksfest der Welt auch genannt wird - war auch in diesem Jahr wieder voller Besucher in Trachtenkleidung.

"Geteert und gefedert wird man, wenn man sich momentan nicht im Dirndl sehen lässt!", sagt eine Passantin, die gerade auf dem Weg zur Theresienwiese ist, dort wo alljährlich das Münchener Oktoberfest stattfindet. Die Frau schnaubt und zupft sich das enge Mieder zurecht. Über dem Trachtenkleid aus grauem Leinen hat sie eine rote Schürze geschnürt. Jeans und Turnschuhe seien ihr eigentlich viel lieber, erzählt sie. Denn mit Dirndl ist es so gut wie tabu, mit bestimmten Karussells zu fahren - oder "es empfiehlt sich, eine schöne Unterhose anzuhaben".

Trachten immer beliebter

Praktisch ist das traditionelle Kleid der Bayerin also nicht. Und doch: "Beim diesjährigen Oktoberfest sind noch mehr Leute als sonst in Dirndl und Lederhosen gekommen", sagt die Völkerkundlerin Simone Egger, die seit Jahren über bayerisches Brauchtum forscht. "Das Besondere an der Wiesn 2012 war, dass sich Menschen aus aller Welt in Tracht eingekleidet haben."

Die Zugereisten bekunden damit "ihre Zugehörigkeit, ihr Angekommensein in der neuen Stadt. Das Tragen von Dirndln und Lederhosen ist ein extrem post-modernes Phänomen", so die Expertin. Das Bedürfnis nach Originalen, nach Lokalkolorit gäbe es in Zeiten der wirtschaftlichen Verunsicherung nicht nur in Bayern: "Im Moment boomen alle Sachen, die stark mit lokalen oder regionalen Spezifika umgehen", so Egger. Jedoch könne man sich die bayerische Tracht besonders schnell aneignen: "Kleider kann ich kaufen, anziehen, und kann dadurch mein Interesse bekunden. Das ist etwas anderes, als zum Beispiel einen Dialekt zu beherrschen."

Dirndl inklusive

Reiseveranstalter befeuern den Trend zur Tracht: In ihren Angebotspaketen sind Anreise, Übernachtung und Tischreservierung enthalten - und das Dirndl oder die Lederhose. Hostessen stehen am Rand der Theresienwiese. Sie schnüren fremde Dirndlschürzen oder helfen Touristen in die Lederhosen. Ein skurriles Bild.

Der Trachtenboom ist zwar mehr als nur eine Erfindung der Tourismusindustrie - aber auch weit weniger urtümlich, als viele vermuten, sagt Ethnologin Egger: "Das Dirndl war immer schon eine Idee: die Idee vom schönen Landleben, das die Städterin in der Sommerfrische genießt." Entwickelt hat es sich aus dem Unterkleid der Mägde im ausgehenden 19. Jahrhundert, wahrscheinlich im Grenzgebiet zwischen München und Salzburg. Doch es dauerte recht lange, bis das Dirndl die Wiesn eroberte. "Die allererste Verbindung zum Oktoberfest, die ich gefunden habe, stammt aus dem Jahr 1968", so die Völkerkundlerin. "Erst dann wirbt ein Münchner Trachtengeschäft für ein konkretes Oktoberfestdirndl."

Lederhose und Gamsbart

Männliche Oktoberfestbesucher zeigen sich gerne in Lederhose und Trachtenhut. Der war früher ein Statussymbol, geschmückt mit Federn oder einem Gamsbart, einem Büschel aus dem Rückenhaar von Gämsen. "Gamsbärte und Adlerflaum sind in Bayern ein Prestigeobjekt", sagt Stadtführer Alexander Katzer, der historische Wiesnführungen anbietet. "Am Gamsbart kann man den Stand eines Herrn in der Gesellschaft ablesen. Die größten Gamsbärte hatten früher die Bürgermeister." Heute gehören solche Ac­ces­soires dazu, damit der Oktoberfest-Besuch richtig zünftig wird.

Auch ohne Tracht: Für einen gelungenen Wiesn-Besuch sind andere Dinge ausschlaggebend. "Das Wichtigste, was Gäste mitnehmen sollen, ist die Gemütlichkeit, die es auf jedem anderen bayerischen Volksfest auch gibt: zusammensitzen und traditionelle Tänze tanzen", sagt Stadtführer Katzer. Und das gelte auch für das Münchener Oktoberfest . "Auch die Wiesn ist mehr als nur ein großes Besäufnis."

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