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Politik

Attentat vor Wahlen in Taiwan

Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Taiwan ist auf den Präsidenten Chen Shui-bian und die Vizepräsidentin Annette Lu geschossen worden. Beide sind außer Lebensgefahr.

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Präsident Chen Shui-bian und Vize-Präsidentin Annette Lu

Bei einem Attentat einen Tag vor der Wahl in Taiwan haben Präsident Chen Shui-bian und Vizepräsidentin Annette Lu am Freitag (19.3.2004) Schlussverletzungen erlitten. Mindestens zwei Schüsse seien abgefeuert worden, teilte die Polizei in Tainan mit. Der 53-jährige Präsident erlitt eine Bauchverletzung, während die 59-jährige Vizepäsidentin einen Streifschuss am rechten Knie davontrug. Die Kugeln des Attentäters durchschlugen die Windschutzscheibe des offenen Geländewagens, in dem Chen Shui-bian mit der Vizepräsidentin in einem Konvoi durch seine Heimatstadt Tainan im Süden der Insel fuhr. Der Präsident konnte fünf Stunden nach dem Attentat das Krankenhaus in Tainan schon wieder verlassen. Er soll in die Hauptstadt Taipeh zurückgeflogen werden.

Taiwan Anhänger von Chen Shui-bian warten vor Krankenhaus

Taiwan Anhänger von Chen Shui-bian warten vor Krankenhaus

Unmittelbar nach dem Attentat hatten sich zahlreiche Anhänger Chens vor dem Krankenhaus versammelt. "Ah Bian, gewinne!", riefen sie den Präsidenten mit seinem taiwanischen Spitznamen.

Vom Täter noch keine Spur

Wer die Kugeln abfeuerte, die sich im offenen Geländewagen der beiden Politiker fand, war zunächst unklar. Die Polizei habe noch keinen konkreten Verdacht, meldete das Sicherheitsbüro. Zum Zeitpunkt des Attentats war Tainan voller Menschen, die Chen und seiner Eskorte zujubelten. Einige Zuschauer schossen Feuerwerkskörper ab. Eine Belohnung von drei Millionen Taiwan Dollar (72 000 Euro) wurde für Hinweise auf den Täter zugesagt.

Keine Verschiebung der Wahl

Der verletzte Präsident rief das Volk zur Ruhe auf. Die Präsidentenwahl am Samstag (20.3.2004) werde wie geplant abgehalten, berichtete die Wahlkommission. Der Präsident und seine Stellvertreterin seien noch in der Lage die Regierungsgeschäfte zu leiten, hieß es aus dem Präsidentenbüro. Es sei ihnen vor allem wichtig, dass sich die Aufregung in der Öffentlichkeit lege.

Parteien stoppen jedoch Wahlkampf

Sowohl die Nationalpartei als auch Chens Demokratische Fortschrittspartei sagten jedoch alle bis Samstag geplanten Wahlkampfveranstaltungen ab. Lien Chan sagte auf einer Pressekonferenz: "Das hat uns sehr, sehr schockiert. Wir wünschen Präsident Chen und Vizepräsidentin Lu eine rasche Genesung. Jede Art von Gewalt verurteilen wir."

Umfragen signalisieren ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Chen Shui-bian und seinem Herausforderer Lien Chan. Schätzungen zufolge werden viele Unentschlosse unter Taiwans 16 Millionen Wählern das Rennen entscheiden. Experten sind sich unseins, ob der Anschlag Chen Shui-bian Sympathiestimmen verschaffen wird.

Schuss erinnert an Attentat von 1985

Der Schuss weckt Erinnerungen an einen Zwischenfall im November 1985, den viele für einen Anschlag auf Chen Shui-bian hielten. Bei einer politischen Veranstaltung fuhr ein Lastwagen in die Menge mit Chen und seiner Frau. Diese wurde schwer verletzt und sitzt seither im Rollstuhl. Der heutige Präsident war damals schon Mitglied der Demokratischen Fortschrittspartei und hatte Todesdrohungen erhalten. Als Hintermänner wurden damals Agenten der Kuomintang verdächtigt. Der Vorfall ist jedoch bis heute ungeklärt.

Chinas staatliche Medien berichteten erst am Abend (Ortszeit) knapp, dass Chen Shui-bian und Annette Lu durch Schüsse "leich verletzt" worden seien. Die kommunistische Regierung ist höchst kritisch gegenüber Chen Shui-bian. Denn am Wahltag findet auch ein Referendum über den Kauf von Raketen zum Schutz gegen die Volksrepublik China statt. Die Führung in Peking sieht in der Volksabstimmung einen Schritt zu einer Unabhängigkeitserklärung. Sie betrachtet die demokratische Inselrepublik als abtrünnige Provinz. (kas/em)

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