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Wirtschaft

Arbeit wird zur Dienstleistung

Werksschließungen, Stellenabbau, Produktionsverlagerung - selten waren die Schlagzeilen für den deutschen Arbeitsmarkt so negativ wie 2005. Dabei könnte dies lediglich Ausdruck einer langfristigen Umstrukturierung sein.

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Bis 2020 wird die Industrie zehntausende Arbeitsplätze verlieren

Tausende Arbeitsplätze haben die deutschen Unternehmen in diesem Jahr abgebaut. Allein die drei großen Autobauer Opel, Volkswagen und Mercedes wollen langfristig rund 27.000 Stellen streichen. Möglicherweise aber bedeuten all diese Zahlen nicht einen unaufhaltsamen Abwärtstrend, sondern lediglich eine langfristige Umstrukturierung des Arbeitsmarktes. Deutschland entwickle sich weg von einem hohen Anteil an Industriearbeitsplätzen, sagt der Arbeitsmarktexperte Martin Werding vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung. Das geschehe schneller als in anderen Ländern, weil gleichzeitig viele deutsche Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlegten.

Bis 2020 werden laut einer Studie insgesamt eine Million Arbeitsplätze verloren gehen, der Großteil davon im verarbeitenden Gewerbe. Der Anteil der Beschäftigten in diesem Sektor werde von mehr als 20 Prozent im Jahr 2000 auf gut 15 Prozent im Jahr 2020 fallen, prognostizieren die Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

Dienstleistungen für die Zukunft

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Den Computer-Dienstleistungen gehört die Zukunft

Während Landwirtschaft und Industrie verlieren werden, steigt laut diesem Modell der Beschäftigungsanteil der Dienstleistungsbranchen. "Insbesondere die industrienahen und unternehmensorientierten Dienstleistungen dürften sich als das dynamische Segment erweisen", sagt Gerd Zika, einer der Autoren der Studie. Im Jahr 2000 stellten unternehmensbezogene und andere Dienstleistungen knapp ein Drittel der Arbeitsplätze, im Jahr 2020 schon sollen 45 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich tätig sein. Im Vergleich zu anderen Ländern gebe es in Deutschland allerdings noch zu wenige neue Stellen in diesem Sektor, sagte Werding. Das liege zum einen daran, dass Deutschland traditionell auf industrielle Produktion spezialisiert gewesen sei und zum anderen auch später als andere Länder mit der Umstrukturierung begonnen habe. Großbritannien habe beispielsweise schon Jahre zuvor auf den Finanzdienstleistungsmarkt gesetzt.

Niedriglohnjobs könnten Arbeitslosigkeit reduzieren

Dienstleistungen könnten nach Meinung des Arbeitsmarktexperten der Schlüssel sein, mit dem die Arbeitslosenzahlen reduziert werden können. Dies gelte vor allem für gering Qualifizierten, die den Großteil der Arbeitssuchenden ausmachen. "Allerdings wird der Sektor mit Niedriglohnarbeit in seiner Entwicklung behindert", sagt Werding. Grund dafür seien unter anderem die traditionellen Formen der sozialen Sicherung. Das verhältnismäßig hohe Arbeitslosengeld wirke wie ein Mindestlohn und beeinflusse dadurch nicht nur den Niedriglohnsektor, sondern indirekt auch alle anderen Lohnsegmente.

Zivildienst Altenpflege

Alte Menschen müssen zunehmend gepflegt werden

Langfristig könnten aber in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Gesundheit viele Arbeitsplätze entstehen. Perspektiven dafür biete unter anderem die demografische Entwicklung, sagt Werding. Wenn es mehr älteren Menschen gebe, steige der Bedarf an medizinischer Betreuung. Derzeit würden die Pflegekräfte allerdings trotz hoher Anforderungen schlecht bezahlt, was indirekt Arbeitskräfte aus dem Ausland anziehe und die Schattenwirtschaft begünstige. Laut Werding ist das nur ein Beispiel dafür, dass der Gesetzgeber noch viele Hausaufgaben erledigen muss, um den Übergang der Arbeitsmärkte zu gestalten und den Standort Deutschland attraktiver zu machen.

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