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Europa

Anschlagsserie in Istanbul

Eine Bombenserie in Istanbul hat am Dienstag zwei Menschen getötet und elf verletzt. Islamisten und eine Kurdengruppe haben sich zu den Anschlägen bekannt. Die Ziele der Bomben diesmal: Urlauber.

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Erinnerungen an die Anschlagsserie vom November werden wach


Nach der Anschlagsserie in Istanbul mit zwei Toten und elf Verletzten am Dienstag (10.8.2004) haben sich eine El-Kaida-nahe Gruppe und eine bislang unbekannte türkische Gruppierung zu der Tat bekannt. Auf einer islamistischen Website drohten die Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden mit weiteren Anschlägen gegen europäische Staaten. Die Echtheit der Erklärung konnte aber noch nicht bestätigt werden.

Dagegen meldete später die kurdische Nachrichtenagentur MHA, ein anonymer Anrufer habe im Namen der "Freiheitsfalken Kurdistans" die Verantwortung für die Taten übernommen. Auch die türkische Regierung schloss eine Täterschaft militanter Kurden nicht aus.

Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden warnen Europa

"Die Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden haben die erste einer Serie von Operationen ausgeführt, die gegen die europäischen Staaten gestartet werden", heißt es in der Erklärung. Mit den Anschlägen seien zwei US-Geheimdienstagenten getroffen worden. Die Angriffe seien angeordnet worden, nachdem "alle europäischen Staaten den Waffenstillstand abgelehnt" hätten, den El-Kaida-Anführer Osama bin Laden ihnen angeboten habe. Die folgenden Angriffe würden brutaler sein.

El Kaida hatte die europäischen Staaten Mitte April aufgefordert, bis zum 15. Juli ihre Truppen aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen. Die Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden hatten sich zu den Bombenanschlägen vom 11. März auf Züge in Madrid bekannt, bei denen 191 Menschen getötet wurden, und auch Anschläge in Italien angedroht.

Kurdische Gruppe bekennt sich auch

Dagegen sagte der anonyme Anrufer, die Anschläge seien Vergeltung für die "jüngsten Operationen in Kurdistan und die Hinrichtung kurdischer Guerillas". Einzelheiten sollten später bekannt gegeben werden.

Bei den Bombenanschlägen auf zwei Hotels in Touristenvierteln von Istanbul waren am Dienstag zwei Menschen, ein Iraner und ein Türke, getötet worden. Elf Touristen aus den Niederlanden, der Ukraine, China und Turkmenistan wurden verletzt. Den beiden Anschlägen folgten in kurzen Abständen zwei weitere Explosionen, die in einer Flüssiggas-Anlage in einem Istanbuler Außenbezirk Sachschaden anrichteten.

Im Herzen Istanbuls getroffen

Die Hotels in den Istanbuler Stastteilen Laleli und Sultanahmet, dem historischen Stadtkern

mit Hagia Sophia und Blauer Moschee, wurden durch die zeitgleichen Explosionen zu nächtlicher Stunde erheblich beschädigt. "In Zimmer 305 befindet sich eine Bombe" - mit diesen Worten hatte sich kurz vor der Explosion ein anonymer Anrufer in einem der Hotels gemeldet. In beiden Häuser hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags zusammen rund 60 Gäste auf.

Istanbuls Polizeipräsident Celalettin Cerrah sprach von einem "terroristischen Angriff". Innenminister Abdülkadir Aksu verurteilte den Anschlag, der darauf abziele, die öffentliche Ruhe, Sicherheit und Stabilität der Türkei und das "Image Istanbuls" zu beschädigen. Die türkischen Sicherheitskräfte seien jedoch in der Lage, mit dem Terrorismus fertig zu werden.

PKK wieder aktiv

Aksu verwies auf die verbotene Kurdenorganisation PKK-KONGRAGEL, die ihre Angriffe im Südosten der Türkei in den vergangenen Wochen erheblich verstärkt hat. Weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob die jüngste Verhaftung von vier mutmaßlichen PKK-Mitgliedern in Istanbul im Zusammenhang mit den Bombenexplosionen stehe.

Die schwersten Terroranschläge in Istanbul waren im vergangenen November von islamistischen Selbstmordattentätern verübt worden. Bei der Explosion von Autobomben vor zwei Synagogen und britischen Einrichtungen waren mehr als 60 Menschen getötet und etwa 750 verletzt worden. Auswirkungen auf den in dieser Saison sprunghaft angestiegenen Türkei-Tourismus hatten die Anschläge kaum. (ali)

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