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Europa

War es doch El Kaida?

Drei Tage nach den Bombenanschlägen von Madrid wird es immer wahrscheinlicher, dass islamistische Terroristen und nicht die ETA die Drahtzieher sind. Die Terrorakte überlagern auch die spanischen Parlamentswahlen.

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Zweieinhalb Jahre nach den Anschlägen auf das World Trade Center mehren sich die Hinweise darauf, dass der Terror der El Kaida Westeuropa erreicht hat. Ein Bekennervideo verstärkte am Sonntag (14.03.2004) den Verdacht, dass islamische Terroristen und nicht baskische Separatisten hinter der blutigen Anschlagsserie in Madrid stehen. Am Vorabend hatte das Innenministerium die Festnahme von fünf Verdächtigen aus Marokko und Indien bekannt gegeben. Der Ausgang der Parlamentswahl am Sonntag schien vor diesem Hintergrund wieder offen.

Acebes

Hat viele Fragen zu beantworten: Spaniens Innenminister Angel Acebes

In dem Video, dessen Wortlaut das Innenministerium am Sonntag veröffentlichte, übernimmt ein Araber im Namen eines "Militärsprechers der El Kaida für Europa", Abu Dudschan el Afghani, die Verantwortung für die Anschlagsserie. "Dies ist eine Antwort auf die Verbrechen, die ihr in der Welt verübt habt, vor allem in Irak und Afghanistan", heißt es in dem Transkript. Innenminister Angel Acebes erklärte, die Glaubwürdigkeit der Botschaft werde noch überprüft.

Wahltaktische Manöver in Madrid?

Protest gegen spanische Informationspolitik nach Terroranschlag

Demonstration in Barcelona gegen die Informationspolitik der Regierung

Die spanische Regierung hatte den Irak-Krieg gegen den Willen der großen Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Der Verdacht, dass die Anschläge eine Antwort auf diese Politik gewesen sein könnten, könnte die regierende Volkspartei (PP) daher die Wiederwahl kosten. Rund 5.000 Demonstranten hatten die Regierung am Samstagabend beschuldigt, aus wahltaktischen Gründen Ermittlungsergebnisse zurückzuhalten. PP-Spitzenkandidat Mariano Rajoy hatte noch am Samstag bekräftigt, er halte trotz erster Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund die baskische Separatistenorganisation ETA für die Urheberin der Anschläge.

Terror Anschlag in Casablanca, Marokko

Führt die Spur nach Casablanca?

Am Samstagabend gab Innenminister Angel Acebes dann die Festnahme von zwei Indern und drei Marokkanern bekannt, von denen einer möglicherweise Verbindungen zu einer marokkanischen Extremistengruppe habe. Die marokkanische Regierung entsandte daraufhin Terror-Experten nach Madrid. In Marokko gibt es zwei extremistische Gruppen, die in Verbindung mit El Kaida stehen sollen. Die "Salafia Jihadia" ist eine Untergrundorganisation, die von der marokkanischen Regierung für die Anschläge in Casablanca verantwortlich gemacht wird, bei der vor gut einem Jahr 45 Menschen getötet wurden. Als Vorläufer der "Salafia Jihadia" gilt die "Marokkanische Islamische Kampfgruppe", die schon in Afghanistan gegen sowjetische Truppen kämpfte.

Auch Deutschland verschärft Sicherheitskontrollen

Erster Anhaltspunkt für einen islamistischen Hintergrund war ein am Donnerstag nahe Madrid entdeckter Lieferwagen, in dem Zünder und ein Tonband mit Koranversen gefunden wurden. Ein erstes Bekenntnis im Namen der El Kaida tauchte ebenfalls am Donnerstag auf: Die arabische Zeitung "El Kuds el Arabi" berichtete, sie habe eine E-Mail von einer Brigade "Abu Hafs el Maasri" im Namen von El Kaida erhalten. An der Authentizität dieses Schreibens bestehen jedoch Zweifel.

Nach den Terroranschlägen von Madrid befürchtet die Bundesregierung eine "neue Qualität der Bedrohung" für ganz Europa. Sie sprach sich nach einer Sitzung des deutschen Sicherheitskabinetts unter Vorsitz von Bundeskanzler Gerhard Schröder am Sonntag in Berlin für eine Eilkonferenz der EU-Innenminister aus. Es sei nötig, die Lage und Konsequenzen im europäischen Rahmen zu erörtern, sagte Innenminister Otto Schily. Er wandte sich aber zunächst gegen die Aussetzung des Schengener Abkommens zum Verzicht auf Grenzkontrollen.

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