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Wirtschaft

Anhaltender Abschiedsschmerz

Der Euro hat sich bewährt. Er ist hart wie die Mark und hat sich an den Devisenmärkten Respekt verschafft. Die Deutschen sind die einzigen, die der alten Währung hinterher trauern. Ein Kommentar von Karl Zawadzky.

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Es gibt kein Zurück; die Mark kommt nicht wieder. Das ist klar. Klar ist auch: Der Euro ist besser als sein Ruf. Doch der ist vor allem in Deutschland nach wie vor stark aufwertungsbedürftig. Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind nämlich ein Jahr nach der Einführung des Euro-Bargeldes unzufrieden mit dem neuen Geld, das hat eine Umfrage der EU-Kommission gezeigt. In den übrigen Mitgliedsländern der Währungsunion dagegen liegt die Rate der Zufriedenheit deutlich oberhalb von 50 Prozent der jeweiligen Bevölkerung, in Irland, Finnland und Luxemburg sogar bei 70 Prozent.

Die Mark als Kitt der Nation

Mit der überwiegend negativen Einschätzung der Gemeinschaftswährung stehen die Deutschen allein auf weiter Flur. Allerdings ist hier auch viel verloren worden. Die Deutsche Mark war nämlich nicht nur ein besonders werthaltiges Zahlungsmittel, sondern sie war das Symbol für den Wiederaufstieg aus den Ruinen des Zweiten Weltkrieges. Mehr noch: Die Mark war auch emotionaler Kitt für den Zusammenhalt der Nation. Sie war der Stolz der Westdeutschen und das Objekt der Begierde der Ostdeutschen.

Im Portemonnaie erfolgte die Umstellung auf den Euro reibungslos, doch in den Köpfen ist die Mark noch fest und tief verankert. Zum Beispiel rechnet etwa die Hälfte der Deutschen bei Kaufentscheidungen immer noch in alter Währung. Wer dabei genau hinsieht, wird feststellen, dass der Euro nur für wenige Branchen der viel gescholtene Teuro ist. Tatsächlich ist der Euro hart wie die Mark und auch mit seinem Außenwert keineswegs die befürchtete Weichwährung. Er ist im Weltwährungssystem ein wichtiger Stabilitätsanker und zeigt sich derzeit stark gegenüber anderen wichtigen Reservewährungen wie Dollar und Yen.

Geld allein macht nicht einig

Doch die Väter der Gemeinschaftswährung hatten mit dem Euro mehr vor als die Schaffung eines einheitlichen und stabilen Zahlungsmittels. Nach dem Willen etwa des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des französischen Staatspräsidenten François Mitterrand sollte der politische Prozess hin zu den Vereinigten Staaten von Europa vorangetrieben werden. Ohne Zweifel wird die bisherige Integration durch den Euro gesichert. Ob aber der Einigungsprozess durch die Gemeinschaftswährung vorangebracht wird, das ist noch nicht auszumachen. Im Gegenteil: In der Praxis kann sich sehr wohl erweisen, dass mit der Erweiterung der EU die Vertiefung der politischen Integration verzögert, wenn nicht sogar verhindert wird. Ob also der Euro über den wirtschaftlichen Erfolg für Unternehmen und Verbraucher hinaus das Symbol der europäischen Einigung wird, das muss sich noch herausstellen.

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