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Wirtschaft

Versprochen ist versprochen

Der Stabilitätspakt bleibt - das ist sein Credo: Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank, spricht im Interview mit der Deutschen Welle über das erste Euro-Jahr, die Zukunft und seinen Klon.

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Wim Duisenberg, Zentralbankchef und Euro-Hirte

Herr Duisenberg, man nennt Sie auch Mister Euro. Gefällt Ihnen das?

Nein, das gefällt mir nicht so sehr. Aber ich weiß, was man meint. Und dass der Euro jetzt schon so vertraut ist bei der Bevölkerung, wenn man sich mit dem Euro identifiziert, das ist doch gut.

Seit einem Jahr haben wir jetzt den Euro in Scheinen und in Münzen. Ist das aus Ihrer Sicht ein erfolgreiches Jahr? Ist Ihre Bilanz positiv?

Für mich persönlich war der Euro ja schon davor da. Aber in der Tat, wir haben seit einem Jahr den Euro in Scheinen, und das ist meiner Meinung nach sehr erfolgreich gewesen. Der Übergang hat reibungslos stattgefunden, es ging besser, als wir es in unseren besten Träumen erhofft hatten.

Gibt es da gar keine Sorgenkinder, bei denen Sie sagen: "Naja, da hätt´s noch besser laufen können" oder "Die sind noch nicht so weit"?

Nein, als wir angefangen haben, hatten wir viele Szenarien fertig, dass irgendwo irgendwas falsch laufen würde. Wir hatten nur ein Szenario nicht vorbereitet - das war, wenn es besser gehen würde, als wir selbst gedacht hätten. Und das ist die Wirklichkeit geworden.

Es gibt ja Länder, die in der Europäischen Gemeinschaft, aber nicht Mitglied der Eurozone sind. Wie können Sie diese Länder denn dafür gewinnen, auch Teil der Eurozone zu werden, zum Beispiel Großbritannien?

Großbritannien, Schweden und Dänemark machen das selbst. Ich habe keine Zweifel, die kommen selbst zu der Überzeugung, dass es ihr Vorteil ist, dabei zu sein. Der eine eher, der andere später. Aber meine Meinung brauchen die dabei nicht.

Wünschen Sie sich´s denn, dass die dazukommen?

Das wünsche ich. Denn natürlich: Je größer das Gebiet ist, desto besser ist es für alle. Nicht nur für die neuen Länder, auch für uns.

Nun steht ja die europäische Osterweiterung an. Können Sie sich vorstellen, dass auch diese Länder Teil der Eurozone werden?

Der Vertrag ist deutlich in diesem Punkt. Die Währung ist eine Sache von gemeinsamen Interessen. Und das schafft auch Verpflichtungen für die neuen Länder. Zuerst werden sie, vor allen Dingen in Osteuropa, Mitglieder der Europäischen Union. Etwas später sind sie verpflichtet, nachdem sie etwa den Durchschnitt der bestehenden Länder erreicht haben, auch Mitglied des Währungsmechanismus zu werden und so einen festen, aber anpassbaren Wechselkurs zu haben. Und wenn sie wenigstens zwei Jahre lang dabei gewesen sind, können sie auch, wenn sie die Konvergenz-Kriterien erfüllen, den Euro als ihre Währung übernehmen.

Gibt es denn Länder, bei denen Sie sagen würden, die schaffen es wahrscheinlich recht schnell?

Es gibt Länder, die können es schnell schaffen. Aber man redet in diesen Sachen immer in Jahren und nicht in Monaten. Und es ist auch nicht im Interesse dieser Länder, da zu schnell dabei zu sein. Man muss dann auch mit den Stürmen der Konkurrenz hantieren können.

Die Europäische Zentralbank macht nun die Geldpolitik für die gesamte Eurozone. Das heißt, Sie müssen von bestimmten Durchschnittswerten ausgehen. Ist das nicht manchmal schwierig, dass man sozusagen alles über einen Kamm scheren muss und zum Beispiel die Situation in Deutschland zusammennimmt mit der Situation in Spanien oder in Irland?

Das ist immer schwierig. Wir haben eine Studie gemacht, die die Unterschiede in den Preissteigerungen in den Vereinigten Staaten zum Beispiel für 25 Städte gemessen hat. Die Unterschiede sind da eben größer als hier in Europa zwischen den zwölf Ländern. Das ist normal. Aber mit einer Währung kann man auch nur eine Währungspolitik haben. Wenn es unterschiedliche Entwicklungen gibt in Europa, dann muss man andere Mittel der Politik, der Strukturpolitik, der Budgetpolitik, der Fiskalpolitik anwenden, um die Unterschiede wettzumachen.

Deutschland war mal der Motor Europas. Das kann man momentan wahrscheinlich nicht so sagen. Ist Deutschland aus Ihrer Sicht ein bisschen ein Sorgenkind?

Deutschland braucht wie alle europäischen Länder - aber Deutschland vielleicht am meisten - Flexibilität im Arbeitsmarkt. Und das ist bis jetzt sehr wenig geschehen. Deutschland muss sich anpassen. Das ist im Interesse der Deutschen. Und dann hat natürlich Deutschland ein Problem, das die anderen Länder nicht haben: den Prozess der Wiedervereinigung. Das ist eine ungeheuer große Last für die deutsche Wirtschaft gewesen, und das ist es noch. Aber ich bin davon überzeugt, das schaffen die Deutschen auch.

Also sehen Sie positive Ansätze?

Ich sehe positive Ansätze. Aber es geht nicht sehr schnell, muss ich sagen.

Der Stabilitätspakt soll ja eigentlich auch die Stabilität des Euro garantieren. Nun würden ja einige Länder gerne diesen Stabilitätspakt aufweichen. Was halten Sie davon?

Davon halte ich nicht viel. Man muss niemals vergessen, der Stabilitätspakt ist geschlossen worden von zwölf Ländern, die den Euro haben. Und acht von diesen zwölf Ländern haben schon heute die Ziele, die im Stabilitätspakt festgeschrieben sind, erreicht. Nur Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal nicht. Und, wenn es knapp wird, die Regel zu ändern - das macht man nicht in der Mitte des Spieles. Vor allen Dingen in den Jahren, wo es sehr gut gegangen ist in der Konjunktur, haben diese Länder es versäumt, schnell auch die hochnotwendigen Strukturreformen einzuführen. Dafür müssen die jetzt ein wenig büßen.

Wir sind im Moment in einer sehr schwierigen politischen Lage. Es besteht die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Irak. Macht Ihnen das auch Sorge für den Euro?

Nicht so sehr für den Euro. Sie wissen: Wie eine Zentralbank darf ich nicht spekulieren. Ich muss Spekulationen bestreiten und darf nicht daran teilnehmen. Aber wenn es so eine, wie wir es nennen, geopolitische Umwandlung gäbe, dann kann das einen Einfluss haben. Vor allen Dingen auf die Ölpreise. Und wenn das nur kurze Zeit dauert, dann brauchen wir uns darüber keine Sorgen zu machen. Wenn es lange dauert, dann müssten wir vielleicht auch in der Währungspolitik darauf reagieren. Aber der Euro an sich ist stark genug, um auch einen Gegensturm aushalten zu können.

Sie haben ja nach dem 11. September auch reagiert, mit einem Zinsschritt. Könnten Sie sich so etwas Ähnliches dann vorstellen?

Darüber spekuliere ich jetzt nicht. Nach dem 11. September haben wir mit einer Zinssenkung reagiert. Eine Zinssenkung, die wir in unserem Kopf schon geplant hatten, aber für einige Wochen später. Sie können also sagen, wir haben damals schnell dasjenige getan, was wir einige Wochen später getan hätten. Und diesmal haben wir das getan im Konsens mit der Amerikanischen Zentralbank, der Federal Reserve, auch um dann zwei Sachen zu betonen: Erstens, dass wir solidarisch waren mit den Amerikanern, die so getroffen waren. Und zweitens, dass die Europäische Zentralbank sehr schnell zu Beschlüssen kommen kann, wenn es notwendig ist.

Herr Duisenberg, Sie sind noch bis Mitte 2003 im Amt. Was raten Sie ihrem Nachfolger?

Ich glaube, das Beste wäre, wenn er nur ein Klon von mir wäre.

Wer ist denn der ideale Klon? Haben Sie da schon einen Namen im Kopf?

Nein, ich habe da keinen Namen. Aber auch mein Nachfolger muss das Äußerste tun, um die Idee von Stabilität und Kontinuität fortzuführen. Denn das, was wir brauchen, was jede Notenbank braucht - das ist, das Vertrauen der Bevölkerung zu erreichen und zu behalten.

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