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Amerika

Angeblicher Wikileaks-Informant unter Druck

Für das US-Militär steht fest: Ex-Soldat Bradley Manning ist ein Verräter. Jetzt ist der mutmaßliche Informant des Enthüllungsportals Wikileaks in 22 weiteren Punkten angeklagt worden. Manning droht lebenslängliche Haft.

Unterstützerin von Manning mit Schild: FREE BRADLEY MANNING (Foto: dpa)

Ihr Aufruf zur Haftentlassung von Bradley Manning bleibt ungehört

Das US-Militär hat den ehemaligen Soldaten Bradley Manning am Mittwoch (02.03.2011, Ortszeit) in 22 weiteren Punkten angeklagt. Dem 23-Jährigen wird vorgeworfen, der Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks vertrauliche Dokumente zugespielt zu haben. Manning habe mutwillig gehandelt, ihm sei bewusst gewesen, dass die Dokumente von Wikileaks veröffentlicht würden.

Bradley Manning (Archivfoto: ap)

Bradley Manning

Die Anklagen lassen theoretisch die Todesstrafe zu. Die Militär-Staatsanwaltschaft will jedoch auf die Forderung der Höchststrafe verzichten. Wann der Prozess beginnt, ist noch unklar. Mannings Anwälte hatten veranlasst, dass zunächst ein Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Ex-Soldaten erstellt wird.

Unterstützung des "Feindes"

Die ohnehin schon 12 Punkte umfassende Anklageschrift gegen Manning wurde nun um 22 Punkte erweitert. Am schwersten wiegt der Vorwurf der "Kollaboration mit dem Feind", berichteten amerikanische Medien. Die US-Streitkräfte werfen Manning vor, er habe vorsätzlich Geheimdienstinformationen an "den Feind" weitergegeben. Weitere Anklagepunkte sind Diebstahl und die Weitergabe von Verteidigungsinformationen. "Die neuen Vorwürfe spiegeln besser die umfangreiche Bandbreite von Verbrechen wider", die Manning zur Last gelegt würden, sagte Armee-Sprecher John Haberland.

Enthüller oder Verräter?

Standbild aus Wikileaks-Video vom US-Hubschrauberangriff auf Zivilisten im Irak (Quelle: AP/Wikileaks.org)

Soll von Manning kommen: Video vom US-Hubschrauberangriff auf Zivilisten im Irak

Manning wartet derzeit im Militärgefängnis in Quantico im US-Staat Virginia auf seinen Prozess. Das US-Verteidigungsministerium sieht in Manning einen Verräter. Der 23-Jährige war bereits im Juli angeklagt worden. Manning soll demnach mit unerlaubter Software Regierungscomputer angezapft und dann geheime Dokumente heruntergeladen haben. Es handelt sich dabei um vertrauliche Dokumente über die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan, zum Beispiel das Video eines brutalen US-Hubschrauberangriffs auf Zivilisten im Irak. Bei dem Angriff wurden zwölf Menschen getötet worden, darunter zwei Reuters-Journalisten. Die Veröffentlichung des Videos auf Wikileaks hatte international für Aufsehen gesorgt.

Zudem soll Manning 150.000 Depeschen von US-Diplomaten beschafft haben. Deren Enthüllung hatte die USA Ende des vergangenen Jahres in eine diplomatische Krise gestürzt. Die USA hatten Wikileaks beschuldigt, mit den Veröffentlichungen Leben zu gefährden. Weltweit wurde Kritik laut, die US-Regierung sei unfähig, geheime elektronische Dokumente zu schützen. Als Geheimdienst-Analyst im Irak hatte Manning Zugang zu hunderttausenden vertraulichen Dokumenten. Bei einer Verurteilung droht dem 23-Jährigen eine lebenslängliche Haftstrafe.

Wikileaks wehrt sich gegen die Vorwürfe

Wikileaks-Gründer Julian Assange (Quelle: AP)

Hat Manning ihm Geheimdokumente zugespielt?: Julian Assange

Wikileaks-Enthüller haben die Anschuldigungen auf ihrer Twitter-Seite zurückgewiesen. Der Vorwurf der "Kollaboration mit dem Feind" lege nahe, dass Wikileaks als Feind betrachtet werde. Es handele sich um eine "rachsüchtige Attacke auf Manning, weil er sein Recht ausübt, zu schweigen", heißt es in einer weiteren Twitter-Botschaft.

Berichten zufolge haben die USA bisher vergeblich versucht, eine Verbindung zwischen Manning und Wikileaks-Gründer Julian Assange gerichtsfest nachzuweisen. Wikileaks gibt seine Quellen nicht Preis und Assange gibt an, Bradley Manning nicht zu kennen. Die USA haben zwar Ermittlungen gegen den Australier Assange aufgenommen, aber noch keine Anklage erhoben. In der vergangenen Woche hatte ein britisches Gericht entschieden, dass Assange nach Schweden ausgeliefert werden darf. Dort soll er sich unter anderem wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vor Gericht verantworten.

Autorin: Julia Hahn (mit afp, dapd, dpa)
Redaktion: Martin Schrader

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