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Politik

Accra und die vermeidbaren Toten

Zu ineffizient, zu wenig oder auch zu viel und nicht nachhaltig genug sei die Entwicklungshilfe, meinten die Delegierte aus Geber- und Empfängerstaaten in Accra - und einigten sich auf einen Kompromiss.

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Wer hilft wem unter welchen Bedingungen?

Es ist ein Kompromiss - kein schlechter zwar, aber es ist noch immer ein Kompromiss: Das neue Grundsatzpapier, das die Entwicklungszusammenarbeit besser, das heißt effizienter gestalten soll. Die so genannte Accra Agenda for Action wurde gestern am späten Abend (04.09.2008) von den Ministern aus Geber- und Entwicklungsländern in Ghanas Hauptstadt Accra verabschiedet. "Jeder weiß, dass es ein Kompromiss ist. Ich bin froh, dass wir so weit gekommen sind", sagt Eckhard Deutscher, Vorsitzender des Entwicklungsausschusses der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD.

Afrika Entwicklungshilfe Symbolbild

Labourers offload grain form a truck which just arrived the world food programme (WFP) warehouse in Maradi, Niger Sunday, Aug 7, 2005. International agencies are appealing for more food be donated to fight malnutrition and hunger in the Sahel region of Africa including Niger. (AP Photo/George Osodi)

Eckhard Deutscher sitzt zwischen den Stühlen. Denn die Europäer haben sich in den Verhandlungen für weit reichende Zusagen an die Entwicklungsländer ausgesprochen. "Die größten Konflikte liegen darin, dass die Europäer gerne noch sehr viel deutlicher nach vorne gehen würden - dass heißt die Verpflichtungen der Geberländer mit verbindlichen Zeitvorgaben in dieses Papier mit hineinzuschreiben lassen", sagt Deutscher. "Aber die nichteuropäischen Länder wollen sich darauf noch nicht einlassen."

7 von 10 - sprachlich

Vor allem die USA und Japan sperren sich gegen langfristige Verpflichtungen und konkrete Zeitangaben ihrer Hilfszusagen. Diese jedoch würden den Entwicklungsländern eine Projekt- und Budgetplanung erleichtern. Für den Südafrikaner Kumi Naidoo von der NGO "Aktion gegen Armut" ist das nicht das einzige Problem, dem die neue Erklärung aus dem Weg geht. "Sprachlich würden wir der Erklärung 7 von 10 Punkten geben. In Sachen klarer Zeitzusagen und der Einsicht zu Handeln nur 1 von 10." Vor allem die mangelnde Vorhersagbarkeit der Hilfe hätte er gerne geändert.

Noch ein strittiger Punkt sind für Naidoo die Lieferbindungen. Hilfe würde oftmals nur unter der Bedingung gewährt, dass der Empfänger damit Waren und Dienstleistungen aus dem Geberland erwirbt. "Ein Problem der Hilfe ist, dass mit ihr zu viele Konditionen verbunden sind. Du musst Berater des Landes akzeptieren, das dir die Hilfe gewährt und deren spezielle Firmen. Sie versuchen dich von einer bestimmten Politik zu überzeugen, die vielleicht gar keinen Sinn ergibt. Leider sind solche Fragen offen geblieben." Warum könne man nicht Fachleute und deren Expertise aus dem Land selbst nutzen´, fragen Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften?

China Entwicklungshilfe in Afrika Nigeria

Außereuropäische Entwicklungshilfe funktioniert anders

Auch die deutsche Position ging hier nicht so weit, wie sich die NGOs das gewünscht hätten. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul räumt ein. "Es gibt Bereiche, wie etwa Friedensvermittlung oder Konfliktberatung, wo es besondere Fähigkeiten unser Organisationen gibt - und die wollen wir natürlich auch im Interesse unserer Entwicklungsländer einsetzen."

"50.000 am Tag"

Doch gibt es auch positive Ergebnisse, die in Accra honoriert wurden: Die Rolle von NGOs in der Entwicklungshilfe wurde mit einem eigenen Kapitel in der Accra Agenda for Action festgeschrieben. Ein enormer Schritt, meint Kumi Naidoo. Und dennoch, bis der Süden in ähnlichen Bedingungen leben kann wie der Norden, das brauche mehr als ein Schriftstück. "Jeden Tag verlieren wir 50.000 Männer, Frauen und Kinder an Ursachen, die vermeidbar wären. Würde diese Zahl an Menschen in Europa oder Nordamerika sterben, mit Sicherheit hätte man schon längst die Mittel gefunden, um diese Menschenleben zu retten."

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