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Wirtschaft

Klimaschutz: Afrikas neue Geldquelle?

Der CO2-Ausstoß muss deutlich verringert werden – ein dringender Appell auch auf der Klimakonferenz in Ghana. Afrika könnte daran gut verdienen. Endlich, denn Afrika leidet am meisten unter der Erderwärmung.

Solarenergie in Südafrika

Investitionen in alternative Energien können sich rentieren

1600 Delegierte aus 160 Ländern haben in Ghanas Hauptstadt Accra eine Woche lang über ein neues weltweites Klimaabkommen beraten. Das Kyoto-Protokoll läuft Ende 2012 aus; im nächsten Jahr soll in Kopenhagen das Nachfolgeabkommen verabschiedet werden.

John Kufour (Quelle: AP)

John Kufour fordert mehr Unterstützung

Ghanas Präsident John Kufuor hat schon jetzt mehr Unterstützung für Afrika gefordert: "Überschwemmungen und Dürreperioden haben die Auswirkungen der Klimaveränderungen in den letzten Jahren bereits deutlich gezeigt", sagte Kufuor. Die schwächsten Länder müssten bei den anstehenden Herausforderungen jährlich mit Milliarden unterstützt werden.

Weniger schlechte Luft für mehr Profit

Geld könnten Reduktionsemissionen (Certified Emission Reductions, CER) aus Clean Development Mechanism Projekten (CDM) in die afrikanischen Länder bringen.

Das Prinzip: Ein Industrieland führt in einem Entwicklungsland ein Klimaprojekt durch, das CO2-Emissionen einspart und kann sich die gesparten Einheiten auf seinem Emissions-Konto gutschreiben lassen. In Europa sind Emissionszertifikate im Rahmen des Emissionshandels eine Art Währung für das Recht auf CO2-Ausstoß. Besonders größere Anlagen der energieintensiven Industrie wie Stahlwerke und Raffinerien sind auf die Emissionsrechte angewiesen.

Das Entwicklungsland profitiert gleichzeitig von der Investition durch das Industrieland. Bisher machen CDM-Projekte in Afrika allerdings nur knapp drei Prozent der 860 Projekte zur Reduzierung von Emissionen aus. Zurzeit sind in 49 Entwicklungsländern CDM-Projekte registriert. In Zukunft könnte Afrika auf diesem Markt eine wichtigere Rolle spielen. "Afrika hat enorme Möglichkeiten, von CDM-Projekten zu profitieren. Aber es wird länger dauern als in anderen Teilen der Welt, die ein sehr schnelles Wirtschaftswachstum haben", sagt Henry Derwent, Präsident der International Emissions Trading Association.

Schlechtes Image

In Afrika zögen einige Länder, die ständig negative Schlagzeilen machen, andere afrikanische Staaten in Mitleidenschaft, erklärt Imme Scholz vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik die geringe Quote von CDM-Projekten auf dem Kontinent. "Die Investoren differenzieren zu wenig zwischen den einzelnen afrikanischen Ländern, dabei gibt es Länder, in denen Investitionen sehr sinnvoll sein können."

Südafrika gilt als eines dieser Länder. "Bereits kreisen Berater und Experten in Sachen Emissionshandel wie Geier über dem Land und spähen nach umweltfreundlichen Komponenten in bereits existierenden Projekten, die sich dann als Emissionsgutschriften nach Europa verschachern lassen", schreibt der südafrikanische Schriftsteller Zakes Mda in der "Neuen Züricher Zeitung". Er steht dem Handel mit der schmutzigen Luft sehr kritisch gegenüber, auch wenn sein Land daran gut verdienen könnte. "Der Emissionshandel ist vorab ein Freipass für die Reichen, weiterhin nach Lust und Laune Energie zu verschwenden und Schadstoffe abzusondern.

Das Problem sei, dass die Emissionen so nicht sänken, sagt Jan Kowalzig, Klimaexperte bei Oxfam Deutschland. "Sie werden verlagert, statt dass zum Beispiel der Energiesektor umgebaut wird."

Schöne neue Welt

Kohlekraftwerk

Es geht auch anders: CO2-freie Braunkohlewerk sind in der Planung

Eine Utopie wird wohl das Modell eines weltweiten Handel mit der Luftverschmutzung bleiben. Wenn jedes Land pro Einwohner nur eine bestimmte Menge an CO2 in die Atmosphäre blasen dürfte, stünde Afrika im Vergleich zu den Industriestaaten extrem gut da und die afrikanischen Staaten könnten ihre ungenutzten Emissionsrechte an die Industriestaaten verkaufen. Scholz hält diese Lösung für unrealistisch, weil die Industriestaaten so einem Konzept nicht zustimmen würden. "Aus Gerechtigkeitsgründen wäre das System aber richtig", sagt Scholz. "Außerdem würde man so einen sehr hohen Anreiz schaffen, um endlich zu einer massiven Reduktion zu kommen."

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