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Testseite Politik

China hilft Afrika - aber anders

China wandelt sich vom Entwicklungshilfe-Empfänger zu einem großen Entwicklungshelfer - vor allem in Afrika. Die Chinesen spielen dabei nach eigenen Regeln. Das wurde bei einer Entwicklungshelfer-Konferenz in Ghana klar.

Zwei Asiaten vor dem Schriftzug Afrika. (AP Photo/Greg Baker)

Chinesen verfolgen in Afrika eine eigen Art der Hilfe

Welche Herausforderungen bietet der neue Akteur China für die traditionellen Geber aus dem Westen? Und wie soll Afrika mit China als Geberland umgehen? Diese Fragen spielten bei der Konferenz zur Wirksamkeit von Entwicklungshilfe in Ghanas Hauptstadt Accra bei zahlreichen Diskussionen eine zentrale Rolle. Von Dienstag bis Donnerstag (04.09.2008) sind dort auf Einladung von Weltbank und OECD mehr als 1200 Repräsentanten von Regierungen und Hilfsorganisationen zusammengekommen.

Das Land, das in den vergangenen 20 Jahren selbst 1757 Milliarden US-Dollar an Entwicklungshilfe erhalten hat, ist inzwischen selbst zu einem bedeutenden Geberland geworden. Hilfe und Handel gehören für die Chinesen eng zusammen, sodass es auch keine genauen Zahlen darüber gibt, wie viel Hilfe aus Peking genau an afrikanische Staaten fließt. Klar aber ist: China ist der drittgrößte Handelspartner Afrikas – mit einem Volumen von 55 Milliarden Dollar im Jahre 2006: Bis zum Jahre 2010 soll sich diese Zahl verdoppeln. Daneben gibt China Direkthilfe, allerdings nie cash, sondern stets in Form von Gütern und Infrastrukturleistungen, sowie Kredite.

Gibst du mir, geb ich dir

Das klassische Vokabular von der "Entwicklungshilfe" wird von den Chinesen daher auch nicht verwendet. Laut Vitalice Meja, Programmdirektor für Lobbying beim Afrikanischen Netzwerk für Entwicklung und Schuldenerlass, Afrodad, lassen die Chinesen auch keinen Zweifel an dem wirtschaftlichen Eigeninteresse, das ihrer Kooperation mit Afrika zugrunde liegt. An jede finanzielle Unterstützung würden klare Erwartungen geknüpft, betont er. Immerhin wisse man so von vornherein Bescheid. Andere Geber hätten ebenfalls Erwartungen, auch wenn sie das nicht so deutlich aussprächen, so Meja.

(AP Photo/Greg Baker)

Um Politik geht es ihnen selten bis gar nicht - nur ums Geld

Dabei ist China in den vergangenen Jahren immer wieder für seine ganz spezielle Art der finanziellen Unterstützung Afrikas kritisiert worden. Motto der Chinesen nämlich ist es, den Empfängern keine "politischen Konditionen“ aufzuerlegen, was unter anderem auch zu umstrittenen Kooperation führt, etwa mit den Regimes in Simbabwe oder im Sudan.

Wer weist Peking in die Schranken?

Chinas Projekte sind wenig nachhaltig, entsprechen nicht den internationalen sozialen und ökologischen Standards und sind immer daran gebunden, dass Ausrüstung und Arbeitskräfte mit ins Land gebracht werden – zu Ungunsten lokaler Ressourcen. Doch anstatt darüber zu klagen, sollten die afrikanischen Länder diesem Phänomen mit mehr Stärke und Selbstbewusstsein begegnen, erklärt Afrodad-Manager Meja. Seiner Ansicht nach haben die Systeme und Rahmenbidungen in Afrika hier bislang versagt. Durch Reformen müsse nun erreicht werden, dass China sich "ordentlich benimmt" und die Gesetze beachtet.

Auch Peter Lanzet vom deutschen Evangelischen Entwicklungsdienst plädiert für eine geänderte Sichtweise auf den neuen und umstrittenen Geber China. Lanzet ist als Repräsentant von VENRO, dem Dachverband deutscher zivilgesellschaftlicher Organisationen in der offiziellen deutschen Delegation beim High Level Forum in Accra mit dabei. Er meint, mit ihren riesigen Infrastrukturprojekten realisierten die Chinesen Dinge, die von anderen Gebern zurzeit kaum zu leisten seien. Daher müsse etwa der Bau von über 3.000 Kilometern Straßen, Brücken und Bahngleisen im kriegsgeschädigten Kongo China überlassen werden, auch wenn das Land aus dessen Rohstoffvorkommen im Gegenzug Profit ziehe, so Lanzet. Langsam müsse man wohl auch lernen, dass Afrika nicht mehr der "Hinterhof Europas" sei.

Kein Interesse an Diskussionen

Viele Delegationen in Accra, insbesondere aus der Europäischen Union, treibt nun die Sorge um dass sich auch die Afrikaner immer mehr den Chinesen zuwenden könnten, während die traditionellen Geber weiter um eine effizientere und harmonisierte Entwicklungshilfe ringen – anstatt sie wirklich umzusetzen.

Unterdessen halten sich die Chinesen mit Stellungnahmen zurück. Bei der Konferenz in Ghana erschienen sie erst gar nicht zu den Workshops und Diskussionsrunden über ihre Rolle in Afrika.

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