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Europa

Absturz in unwegsamer Alpenregion

150 Menschen sind wahrscheinlich beim Absturz einer Germanwings-Maschine ums Leben gekommen. Der Flug von Barcelona nach Düsseldorf endete nach 45 Minuten auf tragische Weise in den Alpen.

Germanwings 4U9525 Flugzeugabsturz Rettungsmannschaften vor Ort

Rettungsmannschaften auf dem Weg zur verschneiten Unfallstelle

Die Absturzstelle der Germanwings-Maschine liegt in den französischen Alpen in mehr als 2000 Meter Höhe nahe der Ortschaft Digne-les-Bains. Das Gelände ist steil und tief verschneit. "Da kommt man mit Fahrzeugen gar nicht hin, sondern man kann das Gebiet nur aus der Luft erreichen", sagte der französische Transportminister Alain Vidalies in Lyon. Nach Angaben der örtlichen Behörden in Südfrankreich sind rund 240 Feuerwehrleute und 30 Spezialkräfte der Gendarmerie auf dem Weg zur Unfallstelle. Hubschrauber haben nach Angaben der französischen Behörden den Absturzort im Estrop-Massiv überflogen und Trümmerteile gesichtet.

"Es wird wohl keine Überlebenden geben", so Transportminister Vidalies. 150 Menschen waren an Bord, bestätige der Chef der Lufthansa Carsten Spohr. 144 Passagiere, zwei Piloten und vier Flugbegleiter. "Das ist eine schwarze Stunde für unser Unternehmen. Wir können zur Absturzursache von Flug 4U 9525 noch nichts näheres sagen", so Spohr. Germanwings ist die Billigflug-Tochter der Lufthansa.

In den französischen Alpen ist schlechtes Wetter mit Schneefall vorausgesagt. Es herrscht Lawinengefahr, was die Rettungsarbeiten erschweren dürfte. In einem Dorf in der Nähe werden Notunterkünfte aufgebaut, um die Bergungsmannschaften unterbringen zu können.

Merkel: "Gedanken bei den Familien"

Berlin Germanwings Flugzeugabsturz Statement Merkel

Merkel: Keine Spekulationen über Unfallursache

Die französische Luftfahrtbehörde (DGAC) gab zunächst bekannt, dass die Piloten um 10.47 Uhr ein Notsignal abgesetzt haben. Wenig später sei die Maschine, die 1990 in Dienst gestellt wurde, von den Radarschirmen verschwunden. Diese Angaben wurden am Nachmittag wieder korrigiert. Die Fluglotsen, nicht die Piloten, hätten einen Notruf abgesetzt, hieß es.

Der französische Staatspräsident François Hollande hatte sich schon kurz nach den ersten Meldungen über den Verlust der Maschine im französischen Fernsehen in Paris geäußert. Er gehe nicht von Überlebenden aus, sagte Hollande. "Das ist eine Tragödie. Wir werden die Gründe für den Absturz herausbekommen." Das Gebiet in den französischen Alpen ist dünn besiedelt. "Wir wissen noch nicht, ob es auch vor Ort Opfer gab oder Häuser beschädigt wurden", so der französische Präsident.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte in Berlin an, sie werde am Mittwoch zur Unfallstelle fliegen: "Jetzt ist die Stunde, in der wir alle große Trauer empfinden, an die Opfer, die Familien und an die Freunde denken." Merkel telefonierte mit dem französischen Präsidenten Hollande und dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy. An Bord der Maschine waren wohl hauptsächlich Deutsche, Spanier und Türken, sagte der spanische König Felipe in Paris. Felipe brach einen Staatsbesuch in Frankreich ab, den er erst heute morgen begonnen hatte.

Kaum Erkenntnisse zur Unfallursache

Germanwings 4U9525 Flugzeugabsturz Carsten Spohr Lufthansa CEO

Lufthansa-Chef Spohr: "Tiefe Trauer"

Spezialisten für Flugrettung und Ermittler aus Deutschland und Frankreich sind in das Gebiet des Absturzes unterwegs. "Wir haben keine Informationen zur Absturzursache. Wir tun alles, um die Familien der Opfer zu unterrichten", sagte der französische Premierminister Manuel Valls, der seinen Wahlkampf für die zweite Runde der Regionalwahlen in Frankreich unterbrach.

Am Düsseldorfer Flughafen treffen unterdessen Familien und Angehörige der Passagiere ein. Notfallseelsorger und Psychologen stehen bereit. Die Betreibergesellschaft des Flughafens Düsseldorf hat Medienvertreter aufgefordert, nicht mit den Angehörigen zu sprechen und keine Film- oder Tonaufnahmen zu machen. Die Webseiten der Fluggesellschaft Germanwings und des Flughafens Düsseldorf sind wegen Überlastung nicht zu erreichen. Im Internet kursieren bereits erste, allerdings gefälschte, Fotos von der angeblichen Absturzstelle. Nach Angaben der Landesregierung Nordrhein-Westfalen ist auch eine Schulklasse aus Haltern an Bord gewesen.

Luftfahrtexperten spekulieren über die mögliche Absturzursache. Sowohl ein technischer Fehler an dem Airbus A320 als auch ein Pilotenfehler kommen in Betracht. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete in dieser Woche von technischen Problemen bei einem A321, einem Flugzeug ähnlichen Typs. Ein Computerfehler habe im November 2014 beinahe zu einem Absturz geführt. Damals war ein Airbus der Lufthansa von Bilbao nach München unterwegs. Ein Sprecher der Fluggesellschaft Germanwings sagte, dieses Computerproblem hätte bei dem aktuellen Flug eigentlichen nicht auftreten können. "Die Computerprogramme des A320 waren auf dem neusten Stand", so Thomas Winkelmann, Chef von Germanwings. Weltweit sind etwa 6000 Flugzeuge vom Typ A320 im Einsatz. Die Maschine galt als sicheres Flugzeug, die weitgehend von Computersystemen geflogen wird.

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