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Afrika

Abschottung erschwert Kampf gegen Ebola

Politiker, Wirtschaftsvertreter und Hilfsorganisationen fordern, Reisebeschränkungen in die von Ebola betroffenen Staaten aufzuheben. Die Folgen der Blockade seien gravierender als die Krankheit selbst.

In einer Zeit, in der sich das tödliche Ebola-Virus in Westafrika unaufhaltsam ausbreitet, klingt die Forderung der Präsidentin der Afrikanischen Union (AU) unerhört: Die Mitgliedsstaaten sollten ihre

Reisebeschränkungen

aufheben, damit die Menschen sich zwischen den Ländern bewegen und Handel treiben können, sagte Nkosazama Dlamini-Zuma am Ende eines Ebola-Krisengipfels, der am Montag (08.09.2014) in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba stattfand. Viele Staaten hatten in den vergangenen Wochen ihre Grenzen geschlossen, internationale Fluggesellschaften fliegen Liberia, Guinea und Sierra Leone nicht mehr an - Vorsichtsmaßnahmen, damit das Virus nicht auf weitere Länder übergreift. Für die von Ebola betroffenen Staaten bedeutet die Isolation massive Wirtschaftseinbußen.

Fieberkontrollen am Flughafen von Nigerias Hauptstadt Abuja (Foto: Macjohn Akande/Anadolu Agency)

Fieberkontrollen am Flughafen von Nigerias Hauptstadt Abuja

Dadurch, dass viele Handelswege gesperrt seien und die

Wirtschaft erlahme

, drohten bis zu 400.000 Menschen in den von Ebola betroffenen Gebieten Hunger zu leiden, schätzt Jochen Moninger. Er arbeitet für die Deutsche Welthungerhilfe in Sierra Leone. Felder würden nicht bestellt, die Ernte vergammle. Ausländische Geschäftspartner zögen sich zurück, Kakao und andere Handelsgüter fänden keine Abnehmer mehr, sagte Moninger der DW.

"Wir müssen aufpassen, dass wir keine Maßnahmen ergreifen, die stärkere soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben als die Krankheit selbst", mahnte daher AU-Präsidentin Dlamini-Zuma. Die Geschäftsführer von elf großen Unternehmen, die in Westafrika aktiv sind, haben am Montag ebenfalls appelliert, die Reisebeschränkungen aufzuheben. Sie könnten dazu beitragen, dass sich die humanitäre Krise verschärfe, heißt es.

Helfer kommen nicht mehr ins Land

"Ich denke, dass die Auswirkungen der Grenzschließungen und die Einschränkungen im Flugverkehr insgesamt betrachtet negativ sind", sagt auch Nyka Alexander, die für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Sierra Leone arbeitet. Für die WHO und andere Organisationen sei es sehr viel schwieriger geworden, Personal und Hilfsgüter ins Land zu bekommen. "Wenn keine Ärzte mehr in die betroffenen Länder reisen können, weil es keine Flüge mehr gibt, dann breitet sich die Krankheit immer weiter aus."

Reisende gehen über das Rollfeld zu einem startbereiten Flugzeug der Kenya Airways (Foto: Andreas Gebert)

Kenya Airways ist eine von vielen Fluggesellschaften, die Liberia und Sierra Leone nicht mehr anfliegen

Das Risiko, dass Ebola per Flugzeug weitergetragen werde, sei sehr gering, so Alexander gegenüber der DW. Zumal viele Länder Temperaturkontrollen an Flughäfen eingeführt haben: Wer Fieber hat, darf nicht mitfliegen. "Einschränkungen beim Flugverkehr wurden nie von der WHO empfohlen", sagt Alexander. Wichtiger sei es, sich auf die Regionen zu fokussieren, in denen sich das Virus besonders schnell ausbreite. Statt Grenzen zu schließen, müssten hier bessere Behandlungsmöglichkeiten und der Zugang zu Lebensmitteln und Wasser sichergestellt werden.

Sierra Leone plant Ausgangssperre

Das ist derzeit die größte Herausforderung. Allein im liberianischen Landkreis Montserrado, zu dem die Hauptstadt Monrovia gehört, fehlten laut WHO 1000 Betten für Ebola-Patienten - Tendenz steigend. Ausgerechnet in dieser Situation musste die liberianische Regierung mehrere Krankenhäuser schließen, wie Informationsminister Lewis Brown im DW-Interview sagte. Sie seien selbst zu Infektionsherden geworden.

Bislang sind mehr als 2000 Menschen in Westafrika an Ebola gestorben. Konservative Schätzungen rechnen bis zum Ende der Epidemie mit 20.000 Toten. Um der Krankheit Herr zu werden, hat der Präsident von Sierra Leone für die kommende Woche eine

viertägige Ausgangssperre

verhängt. Landesweit sollen Teams von Haus zu Haus gehen und Ebola-Patienten identifizieren und isolieren. Jochen Moninger von der Welthungerhilfe ist skeptisch, dass die Aktion erfolgreich sein wird: "Dafür braucht man Auffanglager, Behandlungszentren, Isolierstationen. All das existiert nicht."

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