1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Ebola belastet Westafrikas Wirtschaft

Gestrichene Flüge, geschlossene Grenzen: Die Angst vor der Ebola-Epidemie bestimmt den Alltag in Liberia, Guinea und Sierra Leone - und auch die Wirtschaft leidet.

Caesar Morris betreibt ein Internetcafé in Liberias Hauptstadt Monrovia. Doch seit das Land im März die ersten Ebola-Fälle meldete, ist für ihn nichts mehr, wie es einmal war. "Ebola behindert unseren Alltag", sagt Morris. Man könne sich nicht mehr frei bewegen, seit die Regierung strenge Sicherheitsmaßnahmen verordnet hat. Was für andere Geschäfte gilt, gilt auch für Morris' Unternehmen, bekannt als "I-Café": "Bevor meine Kunden durch die Tür kommen, müssen sie auf einen Lappen treten, der in Chlor getränkt ist. Dann kommen sie zu einem Becken, wo sie ihre Hände gründlich waschen müssen. Erst dann dürfen sie das I-Café betreten."

Ebola in Liberia

Aufwändig, aber unerlässlich: Desinfektionsmaßnahme in Monrovia

Und das schadet dem Geschäft: Die Zahl der Kunden habe abgenommen, sagt Morris, der auch die Desinfektionsmittel kaufen muss. Als besonders belastend für das Geschäftsklima empfindet der Unternehmer und IT-Berater das neue Misstrauen: "Menschen wollen dir nicht mehr nahe kommen, dir nicht mehr die Hand schütteln". Dass Morris' Laden trotzdem läuft, habe einen einfachen Grund, sagt er. "Kommunikation ist das Leben. Die Menschen brauchen meine Internetdienste." Andere Branchen haben es da schwerer, vor allem wenn sie auf den direkten Kontakt zu den Kunden angewiesen sind. Die Märkte der Stadt sind zum Beispiel zur Zeit wie ausgestorben.

Verbindungswege abgeschnitten

Im März wurden die ersten Ebola-Fälle in Guinea bestätigt. Bald darauf trat der Virus auch in den Nachbarländern Liberia und Sierra Leone auf. Die Krankheit verläuft meist tödlich; inzwischen sind ihr nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens 932 Menschen zum Opfer gefallen. Seit Kurzem ist

auch Nigeria betroffen

: Dort starb Ende Juli ein Liberianer, der die Metropole Lagos per Flugzeug aus Monrovia erreicht hatte. Die afrikanischen Fluggesellschaften Arik und ASKY hatten daraufhin ihre Flugverbindungen nach Liberia und Sierra Leone eingestellt.

Guinea Conakry

Hohe Übertragungsgefahr besteht auf Märkten

"Die Menschen haben

Angst zu verreisen

- gerade, wenn es um eine so gefährliche Krankheit geht", sagte Michel Balam, ASKY-Mitarbeiter in Guineas Hauptstadt Conakry, der DW. Deswegen habe die Airline bereits seit Auftreten der ersten Verdachtsfälle Anfang des Jahres weniger Fluggäste gehabt. Nach der internationalen Airline Emirates, teilte auch British Airways am Dienstag (05.08.2014) mit, man wolle Flüge in betroffene Länder bis Ende des Monats aussetzen. Erste Priorität sei die Sicherheit der Passagiere, des Bord- und Bodenpersonals, erklärte ein Sprecher.

Deutliche Einbußen

Wegen der ausbleibenden Flüge rechnet Nelson Agbagbeola mit großen Einbußen für die westafrikanische Wirtschaft. Er arbeitet für die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) mit Sitz in der nigerianischen Hauptstadt Abuja. Ein weiteres Problem sieht Agbagbeola darin, dass der Grenzhandel wegfällt: Zum Schutz vor der weiteren Verbreitung der Krankheit hatten Liberia und Sierra Leone ihre Grenzen dicht gemacht. "Das hat dazu geführt, dass keine Agrarprodukte aus Guinea mehr importiert werden konnten. In Sierra Leone sind die Preise dadurch stark angestiegen".

ebola

Über 900 Tote: Rasante Ausbreitung in Westafrika

Der Kampf gegen die Epidemie hat in den drei am stärksten betroffenen Ländern oberste Priorität. Und auch die

Nachbarländer engagieren sich

. So riefen westafrikanische Staaten im Juli einen Fonds ins Leben, in den auch Nigeria 3,5 Millionen US-Dollar einzahlte. Von der Weltbank gibt es inzwischen eine

Zusage über 200 Millionen Dollar

. Das Geld solle den Ländern auch helfen, wirtschaftliche Auswirkungen der Ebola-Epidemie abzufedern, so die Organisation. Für Guinea etwa geht die Weltbank davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt aufgrund der Krise um einen Prozentpunkt auf 3,5 Prozent fallen wird.

Die Redaktion empfiehlt