1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

500 Jahre Reformation

500 Jahre Reformation: Was bleibt von der deutschen Mission in Afrika?

Die ersten Missionare aus Deutschland kamen im 19. Jahrhundert nach Afrika. Längst sind eigene evangelische Kirchen auf dem Kontinent entstanden. Doch die Prediger aus Deutschland haben Spuren hinterlassen.

Eine Kirche, dahinter ein Hochhaus

Eine evangelische Kirche aus der Kolonialzeit in Namibias Hauptstadt Windhuk

Die Spuren deutscher Missionare in Tansania - Benson Bagonza sieht sie jeden Tag. "Mein Haus ist für den damaligen Superintendenten meiner Kirche gebaut worden", erzählt er der DW. Der war deutscher Missionar. Bagonza ist Bischof der Diözese Karagwe der evangelisch-lutherischen Kirche Tansanias (ELCT).

"Die Menschen sehen das Haus und erinnern sich an die Deutschen", sagt Bagonza. Wie das Bischofshaus geht auch seine Kirche auf deutsche Missionare zurück. 1887 eröffneten sie ihre erste Missionsstation. "Wir haben ältere Gemeindemitglieder mit deutschen Namen, 80 Prozent der Lieder haben deutsche Melodien, auch die Liturgie ist von der deutschen Mutterkirche übernommen. 60 bis 75 Prozent der Dinge, die wir in der Kirche tun, haben noch deutsche Grundlagen", erzählt er.

Rund 6,5 Millionen Mitglieder hat die ELCT und ist damit eine der größten lutherischen Kirchen weltweit. Wie viele Christen es in Tansania gibt, ist unklar. Offiziell wird die Religionszugehörigkeit in Tansania nicht mehr erfasst. Schätzungen zufolge gehört mehr als die Hälfte der Bevölkerung christlichen Konfessionen an.

Finanziell noch immer von Deutschland abhängig

Gläubige vor einer Kirche in Kenia (Archivbild).

Missionare bauten diese Kirche 1887 in Kenia

Die Beziehungen zur deutschen Kirche sind noch immer eng. Bagonza war erst vor wenigen Wochen in Deutschland. Kirchliche Hilfswerke unterstützen viele Sozialprojekte. "Finanziell sind wir von der Unterstützung der deutschen Kirchen noch immer sehr stark abhängig", sagt Bischof Bagonza. 

Dabei spielten die deutschen Missionare eine ambivalente Rolle. Manche kritisierten die Zustände in den deutschen Kolonien. Anderen konnte der Ausbau der deutschen Herrschaft gar nicht weit genug gehen. Die Unterdrückung der afrikanischen Bevölkerung nahmen sie gelassen in Kauf. Friedrich Fabri, Direktor der Rheinischen Mission, trommelte mit seinem Buch "Bedarf Deutschland der Kolonien?" engagiert dafür, Deutschlands Kolonialreich auszudehnen.

Das zeigte sich auch in einem anderen deutschen Missionsgebiet im heutigen Namibia. Die Hälfte der namibischen Christen sind heute Lutheraner. Mitte Mai trifft sich der Lutherische Weltbund zu seiner Vollversammlung in der Hauptstadt Windhuk. Die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) bat erst vor wenigen Wochen um Vergebung für die Rolle deutscher Missionare während der Kolonialzeit.

"Wir bitte die Nachfahren der Opfer und alle, deren Vorfahren unter der Ausübung der deutschen Kolonialherrschaft gelitten haben, wegen des verübten Unrechts um Verzeihung", heißt es in einer Erklärung. Das damalige "Deutsch-Südwestafrika" war Schauplatz des schlimmsten deutschen Kolonialverbrechens. Nach einem gescheiterten Aufstand starben zwischen 1904 und 1908 nach Schätzungen rund 100.000 Herero und Nama. Deutsche Soldaten sollen sie getötet oder in die Wüste getrieben haben.

Ambivalente Rolle in der Kolonialzeit

Menschen sitzen in vollen Kirchbänken in einer Kirche, im Hintergrund ein Kreuz und ein Altar

In Namibia gibt es noch immer eine deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirche: hier ein Gottesdienst in Swakopmund

Manche Missionare kritisierten die Gewalt ihrer Landsleute. Aber längst nicht alle: "Die Pfarrer der deutschen Siedlergemeinde waren voll und ganz auf Seiten der Kolonialherrschaft und haben deren Interessen vor Ort vertreten: Sie haben Soldaten gesegnet, sind mit ins Feld gezogen und haben dann diese Erfahrung publizistisch verwertet", sagt der evangelische Pfarrer Hanns Lessing. Er hat ein kirchliches Studienprojekt zur Rolle der evangelischen Kirchen in der Kolonialzeit geleitet.

Etwas ähnliches könnte sich Bagonza auch für Tansania vorstellen. "Wir verlangen das nicht, aber es wäre sehr gut", sagt er. Die Kolonialzeit habe auch die deutsche Mission im heutigen Tansania beeinflusst. "Egal, ob die Missionare nun für oder gegen den Kolonialismus waren: Die Tatsache, dass sie Deutsche waren, gefährdete schon den Ruf der Glaubens, den sie verbreiten wollten. Denn sie konnten sich nicht öffentlich hinstellen und den Kolonialismus kritisieren", sagt Bischof Bangonza.

Doch auch jenseits der Religion haben deutsche Missionare ihre Spuren hinterlassen. Zum Beispiel in der Linguistik. Wer Kisuaheli lernt, kommt an Johann Ludwig Krapf nicht vorbei. 1844 übersetzte der evangelische Missionar aus Tübingen die Bibel auf Kisuaheli. 1850 verfasste er die erste Grammatik, 1882 folgte sein Kisuaheli-Wörterbuch. Dadurch hatte der Prediger aus Schwaben erheblichen Anteil daran, dass sich die Sprache in ganz Ostafrika verbreitete. Seine missionarischen Erfolge sollen dagegen überschaubar gewesen sein. 

Die Redaktion empfiehlt